Zu diesem Zwecke wurde während des Winters von England und Holland die Aufstellung einer Flotte von 48 Linienschiffen — 18 holländische und 30 englische, einschließlich der schon in den südlichen Gewässern befindlichen — sowie eines Landungsheeres von 7500 Mann — 2500 Holländer und 5000 Engländer — vereinbart;[269] es traten später noch 8 englische und 2 holländische Schiffe hinzu, auch scheinen die Truppen vermehrt zu sein, denn verschiedene Quellen sprechen bei dem Auftreten an der Ostküste Spaniens von 12000 Mann.

England hatte ferner im Norden ein Blockadegeschwader von etwa 12 Schiffen gegen Brest in Dienst gestellt. Ein zweites unter Dilkes, ursprünglich gegen Dünkirchen bestimmt, wurde später der Mittelmeerflotte zugeteilt. Es wurde sogar vorausgesandt, als Gibraltar so arg bedrängt war; wir sahen Dilkes schon im März bei Leake eintreffen. Holland hatte im Norden, wie 1704 und mit den gleichen Aufgaben, drei Geschwader von zusammen 15 Linienschiffen aufgestellt. Englische Kriegsschiffe und holländische Convoijers traten wie üblich zur Begleitung der Kauffahrer hinzu.

Frankreich rüstete in diesem Jahre in Toulon 35 Linienschiffe unter Toulouse aus. In Brest sollen 16 in Dienst gestellt sein, doch traten in den nördlichen Gewässern nur kleine Divisionen (unter Torbin und Trouin) gegen den Handel der Verbündeten auf, besonders wieder von Dünkirchen aus, sowie zahlreiche einzelne Freibeuter.

Die Hauptflotte der Verbündeten kam erst spät in Tätigkeit, da sich wie gewöhnlich und aus den bekannten Gründen in beiden Ländern die Indienststellungen verzögert hatten. Am 10. Mai ging das holländische Kontingent unter de Almonde nach Wight hinüber und, da die Engländer noch nicht segelfertig waren, gleich weiter nach Lissabon, wo es am 13. Juni eintraf; acht Tage später kam der größte Teil der englischen Flotte an. Den Oberbefehl führten der Earl of Peterborough und der nunmehrige Admiral of the fleet Sir Clowdesley Shovel.

Hier erscheinen zum letzten Male „Joint-Admirals“, doch war Peterborough nicht eigentlich Seeoffizier; er hatte zwar in der holländischen Marine gedient, aber nie ein englisches Schiff befehligt. Während dieses Krieges in Spanien führte er auch mehr das Kommando über die Landtruppen.

Im Kriegsrate wurde beschlossen, daß die Flotte, soweit sie versammelt war, nämlich 48 Linienschiffe, in der Straße von Gibraltar gegen ein Vereinigen der französischen Seestreitkräfte kreuzen solle. Shovel lief am 4. Juli aus, Peterborough blieb in Lissabon, um Truppen aus Irland zu erwarten und um mit Portugal über dessen Beteiligung am Kriege sowie über die Kriegführung überhaupt zu verhandeln. Am 31. Juli stieß er mit den Transportern und dem Rest der Flotte zu Shovel; mit ihm kamen König Karl und der Prinz von Hessen, die sich von dem Angriff in Katalonien mit Recht mehr Erfolg versprachen als von dem nur lau vorgehenden Portugal. Nachdem der König in Gibraltar die Huldigung der Stadt entgegengenommen hatte, trat die Flotte am 5. August — jetzt 58 Linienschiffe, 11 Fregatten, 9 Mörserboote und einige Brander stark — die Reise nach Barcelona an und traf nach kurzem Aufenthalt in Altea (11.–16.) am 22. August vor dieser Stadt ein. Schon am nächsten Tage wurden die Truppen ausgeschifft, die Belagerung begann und am 3. Oktober kapitulierte Barcelona.

Am 23. August begann die Ausschiffung von 12 englischen, 4 holländischen und 1 spanischen Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern englischen Dragonern, zusammen 12000 Mann (nach Colomb), in einiger Entfernung von der Stadt; sie ging ohne jede Störung vor sich und war am 25. beendet. Da die Führer bald nach der Landung der Ansicht geworden waren, daß ihre Kräfte gegenüber der Größe der Stadt und der Besatzung nicht genügten, wurde der Angriff zunächst nicht ernstlich betrieben. Zahlreiche Beratungen fanden statt, ohne zu Entschlüssen zu führen, scheinbar herrschte Uneinigkeit zwischen den Land- und Seeoffizieren; beinahe ging im Kriegsrat der Landoffiziere der Beschluß durch, das Unternehmen aufzugeben, da man weder bei den Einwohnern noch bei der Flotte die erwartete Unterstützung fände. Die Schiffe hatten etwa 1000 Mann ihrer Besatzung für die Erdarbeiten und zur Bedienung gleichfalls gestellter Geschütze gelandet. Auf Drängen König Karls beschloß der Kriegsrat endlich, ernstlich vorzugehen, wenn die Flotte weitere Geschütze und noch 1500 Mann lande; die Admirale bewilligten dies unter der Bedingung, daß die Gelandeten stets zur Wiedereinschiffung[541] bereit seien; es konnten ja bedrohliche Nachrichten über die französische Flotte eintreffen. Als diese Abmachung eben erfolgt war, wurde schon ein wesentlicher Erfolg erzielt. Der Prinz von Hessen, der die Befestigung der Stadt als ihr früherer Gouverneur genau kannte, führte mit Erlaubnis Peterboroughs, aber ohne Kenntnis der übrigen Befehlshaber in der Nacht vom 14.–15. September einige auserlesene Truppen gegen das Fort Montjuich und nahm dessen Außenwerke. Das Fort, der stärkste Punkt der Befestigung, lag auf dem steilen Berge südwestlich von der Stadt und beherrschte diese sowie den Hafen; bald darauf wurde ein zweites Fort genommen und damit die Verbindung Montjuichs mit der Stadt unterbrochen. Inzwischen landete die Flotte die Verstärkungen und begann (16. September) aus den Mörserbooten sowie 8 Linienschiffen die Beschießung der Stadt; diese wurde schonend durchgeführt, da die Einwohner dem König Karl wohlgesinnt waren. Bald fiel Montjuich, der Angriff wandte sich gegen die Stadt selber, und es wurde Bresche gelegt; als der Sturm drohte, kapitulierte der Gouverneur auf Drängen der Einwohner.

Daß sich die Admirale mit Rücksicht auf die französische Flotte anfangs nicht zu sehr und auch später nur bedingt engagieren wollten, ist wahrscheinlich und war berechtigt; selbst Peterborough, der am Lande befehligte, soll die Forderung des Landkriegsrates für zu weitgehend und für bedenklich erachtet haben. Es ist möglich, daß Shovel später die Nachricht erhalten hat, die Franzosen seien nicht seeklar oder fürchteten einen Angriff auf Toulon; nach Sue hatte Graf Toulouse den Befehl, die Befestigungen dieses Hafens zu verstärken und die Flotte dort zurückzuhalten.

Nach dem Falle Barcelonas erklärten sich alle Städte Kataloniens für Karl. Diese Bewegung setzte sich durch Aragonien und Valencia fort; bald war der König Herr dieser drei Provinzen, zu deren Schutz die gelandeten Truppen unter Peterborough zurückblieben. Die große Flotte wurde aufgelöst, der größere Teil ging (23. Oktober) zur Heimat; ein Wintergeschwader — 15 Engländer und 10 Holländer, zu denen später noch 10 und 5 treten sollten — unter den Admiralen Leake und Wassenaer segelte nach Lissabon.