John Leake.

Bei dieser Gelegenheit trat wieder das schlechte Verhältnis der Verbündeten zueinander zutage; über „die zunehmende Mißachtung von seiten der Engländer“ klagen die Holländer. Vizeadmiral v. d. Goes war am 9. Juli gestorben. Am 12. September traf als Ersatz Vizeadmiral van Wassenaer über Land in Genua ein; ein zweiter Flaggoffizier war aus Sparsamkeitsgründen (nach de Jonge) nicht beim Kontingent gewesen. Wassenaer segelte über Barcelona nach Altea und fand hier sein Geschwader; Shovel war mit den englischen Schiffen, „ohne Kriegsrat zu halten und ohne mit den Holländern das Wintergeschwader zu vereinbaren,“ nach Gibraltar gesegelt, nur äußernd, er müsse dort Proviant nehmen. Wassenaer folgte und traf die englische Flotte am 10. Oktober vor Gibraltar schon unter Segel, um die Reise fortzusetzen; hier drang er auf Abhaltung eines Kriegsrates.

Vor Gibraltar wurde die Winterflotte entlassen, 6 holländische und 12 englische Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes. Der holländische Chef, Vizeadmiral Wassenaer, blieb mit zwei weiteren Schiffen zum Überwintern in Lissabon, aber getrennt von seinem Geschwader, da er nicht unter Dilkes stehen wollte.

Auf der Rückreise trat die Katastrophe ein, die die englischen Admirale, so auch besonders Shovel, stets gefürchtet und vorausgesagt hatten, wenn man die Schiffe in später Jahreszeit aus dem Mittelmeer zurückzöge. Die Flotte verfehlte in schwerem und unsichtigem Wetter den Eingang des Kanals und geriet auf die Scillys; vier Linienschiffe gingen verloren, darunter das Flaggschiff; Sir Clowdesley Shovel wurde nach einigen Angaben von einem Strandräuber wegen seiner Ringe ermordet.

Das Wintergeschwader ging von Gibraltar wieder nach Barcelona und von dort nach Livorno, um Truppen abzuholen; es traf erst am 24. März in Lissabon zur Neuausrüstung ein.

Das Jahr 1708 ist nun das letzte, in dem von den Seestreitkräften Waffentaten von einiger Bedeutung ausgeführt wurden. Am 7. April traf Sir John Leake, jetzt Admiral of the Fleet, mit 5 englischen und 2 holländischen Schiffen bei dem Wintergeschwader ein; 4 weitere Holländer folgten bald, so daß die Seestreitkräfte im Mittelmeer 31 Linienschiffe zählten. Man sieht, daß die Flotte schon wesentlich kleiner war; ein Auftreten der Franzosen war nicht zu befürchten, so konnte auch England jetzt mehr Schiffe zum Schutze des Handels im Norden zurückbehalten. Sie wurde auch noch geteilt: 4 Schiffe wurden bestimmt, vor der Straße von Gibraltar gegen einige französische Fregatten, die in Cadiz für den kleinen Krieg lagen, zu kreuzen; 4 andere sandte man nach den Azoren, um portugiesische Brasilienfahrer zu holen und dann holländische und englische in die Heimat zu führen. Die Hauptflotte, 23 Linienschiffe, ging am 8. Mai in See, um Truppen von Italien nach Barcelona zu bringen. Am 22. traf sie an der Küste von Katalonien auf einen französischen Convoi von 100 Tartanen[271] mit Zufuhr, besonders Proviant, für das spanische Heer; sie nahm 69 Fahrzeuge und zerstreute die übrigen. Bei der unzureichenden Menge von Nahrungsmitteln, die die fechtenden Heere aus Spanien selber ziehen konnten, war dies ein schwerer Schlag für die spanischen Truppen und ein großer Gewinn für die des Königs Karl. In Barcelona wurden wieder 7 Schiffe zurückgelassen, um jede Verbindung Frankreichs mit Spanien über See zu unterbinden; der Rest ging nach Vado (26. Mai). Hier wurde die Flotte bis Mitte Juli aufgehalten, da die Kavallerie von Genua und Livorno geholt werden mußte, dann kehrte sie mit 6000 Mann und 2300 Pferden nach Barcelona zurück; es hatte sich ferner die Braut König Karls, Prinzeß Elisabeth Christine von Braunschweig, eingeschifft.

Dem Admiral wurde nun aufgegeben, Sardinien zu unterwerfen, eine Insel, die als reiche Kornkammer für Karls Heer wichtig war; die Aufgabe wurde schnell gelöst. Am 12. August erschien Leake vor Cagliari und legte seine Mörserboote sofort zur Beschießung aus. Als auf die Aufforderung zur Übergabe die Antwort erst für den nächsten Tag in Aussicht gestellt und damit der Verdacht hervorgerufen wurde, daß der Gegner Zeit zu Verteidigungsmaßnahmen gewinnen wolle, landete man in der Nacht ein Regiment Spanier sowie 1200 englische Seesoldaten und eröffnete die Beschießung; das für Karl günstig gesinnte Volk erhob sich und zwang den Gouverneur zur Übergabe, die ganze Insel folgte diesem Beispiel. Nach der Übergabe der Stadt nahm Leake bei Pula, am Eingang der Bucht von Cagliari, Wasser, und hier erreichte ihn, auf seine Meldung von dem Erfolge, die Bitte König Karls, ein Unternehmen des General Stanhope, des jetzigen Oberbefehlshabers der verbündeten Truppen in Katalonien, gegen Minorca zu unterstützen.

Stanhope hatte auf Anweisung der englischen Regierung, die schon länger Port Mahon als günstigsten Stützpunkt im Mittelmeere selbst ins Auge gefaßt hatte, die Anregung zu diesem Unternehmen gegeben. Die Bevölkerung der Insel war karlistisch gesinnt, aber die Gegenpartei hielt die festen Punkte besetzt. Diese wurde von den Franzosen unterstützt, die im Januar 1707 eine Division Schiffe zur Unterdrückung eines Aufstandes gesandt und dann eine Besatzung zurückgelassen hatten. Stanhope zog im August 2600 Mann, vorwiegend Engländer, in Barcelona zusammen, er fühlte sich aber ohne eine größere Seestreitkraft zu schwach. Er hatte zwar die an der katalonischen Küste stationierten Linienschiffe zur Begleitung gewonnen — sie standen weder unter ihm noch unter König Karl, aber eins davon führte sein Bruder, und dieser bestimmte die anderen Kommandanten zur Teilnahme —, er bat aber doch auch Leake mitzuwirken und schrieb dabei, er sei segelfertig und auch in Mallorca ständen Truppen und Geschütze bereit. Leake beschloß sofort, der Bitte zu willfahren.