Corbett sagt hierzu: „Die Inbesitznahme von Gibraltar war allerdings schon von großem Werte für England, aber fast nur als eine Station zum Schutze des Handels; zur Behauptung der Seeherrschaft im Mittelmeer brauchte man einen Hafen in diesem Meere, der auch sicher genug war, ein Wintergeschwader dort zu halten und auszurüsten. Ohne einen solchen blieb Frankreich imstande, sobald die verbündete Flotte im Herbst heimging und das Wintergeschwader nach Lissabon zurück mußte, seine Freibeuter auslaufen zu lassen sowie auch den Verkehr mit Spanien wieder aufzunehmen; es trat hinzu, daß eine ständige Flotte im Mittelmeer wünschenswert erschien, um dauernd auf den Papst und andere bourbonisch gesinnte Fürsten Italiens zu drücken. So war die Besetzung Gibraltars nur ein erster Schritt. Die englischen Seeoffiziere hatten schon immer auf den vorzüglichen Hafen von Port Mahon hingewiesen und 1705 erschien in England eine anonyme Schrift („An inquiry into the causes of our naval miscarriages“), die die Besetzung dieses Platzes dringend empfahl. Auch Marlborough war, besonders nach dem Fehlschlage gegen Toulon, für Gewinnung eines Stützpunktes und wies, da Karl III. beständig um eine Flotte auch während des Winters bat, den König und den Kaiser nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Port Mahon zu nehmen. Diese schlugen Spezia vor, aber die englischen Admirale erklärten den Platz für seemännisch nicht geeignet und Port Mahon außerdem für viel günstiger gelegen, Toulon zu überwachen. Auf Marlboroughs Drängen ward Stanhope im Juni 1708 beauftragt, in diesem Sinne vorzugehen, und er bereitete im August, als der Feldzug zu Lande wie üblich zu Ende ging, die Einschiffung sämtlicher in Katalonien entbehrlichen Streitkräfte vor. Leake kannte zwar die Pläne, hatte aber keine Befehle. Karl hatte ihn gebeten, nach der Unterwerfung Sardiniens die Truppen von Neapel, die dort nicht mehr nötig wären, nach Spanien zu bringen; von England hatte er den Befehl, eine Demonstration gegen den Papst, der die Partei Jakobs III. in Schottland mit Geld unterstützte, zu machen, falls seine Hauptaufgabe, für König Karl einzutreten, dies erlaube.

Als die Aufforderung Karls III. zu dem Unternehmen gegen Minorca eintraf, war der Admiral im Begriff, mit den englischen Schiffen nach Civitavecchia unter Segel zu gehen; die Truppen in Neapel waren noch nicht zur Einschiffung bereit und den Holländern war verboten, sich an der Demonstration gegen den Papst zu beteiligen. Der gemeinsame Kriegsrat, dem die Wichtigkeit Port Mahons als Stützpunkt für die Flotten völlig klar war, faßte jetzt den Beschluß, der Bitte Folge zu geben.“

Die Flotte segelte am 24. August und traf am 5. September vor Port Mahon ein. Stanhope war noch nicht dort, aber Leake bereitete alles vor: Er sandte Schiffe nach Mallorca, um die Truppen zu holen; er stellte die Stärke des Feindes fest; sie betrug 1000 Mann, zur Hälfte auserlesene französische Seesoldaten und zur Hälfte ein altes Minorca-Regiment; er erkundete und markierte einen geeigneten Landungsplatz etwa 2 Seemeilen von der Stadt entfernt. Am 10. September trafen die Schiffe von Mallorca und am 12. Stanhope mit seiner Hauptmacht ein. Man landete und besetzte die offene Stadt, die sich wie die ganze Insel für König Karl erklärte; die feindlichen Soldaten zogen sich in zwei Forts, die den Hafen beherrschten, zurück. Da nun zu deren Belagerung wie zu der der anderen Städte die Gesamtflotte nicht mehr nötig war, verließ Leake (18. September) seiner Instruktion gemäß mit dem größeren Teile Port Mahon und segelte nach der Heimat, nachdem er die entbehrlichen Vorräte des Proviants und der Munition an Stanhope abgegeben hatte.

Ein Wintergeschwader — 12 englische und 3 holländische Linienschiffe, 5 Fregatten, 3 Mörserboote — blieb unter Kontreadmiral Sir Edward Whitaker zurück und unterstützte die weiteren Unternehmungen. Einige Schiffe nahmen ein kleines Fort bei Fornells, um diesen Hafen an der Nordküste vorläufig als Liegeplatz für die Transporter zu haben; andere zwangen mit einigen hundert Mann die Hauptstadt Ciudadela zur Übergabe; die übrigen Schiffe landeten Geschütze mit Bedienung zur förmlichen Belagerung der gut ausgestatteten Werke Port Mahons. Diese wurden nach Breschelegung am 29. September stürmender Hand genommen.

Port Mahon war in englischem Besitz. England behielt es 50 Jahre und hatte damit eine ebenso sichere Machtstellung im Mittelmeere wie Frankreich und Spanien gewonnen. Von Gibraltar aus beherrschte es Cadiz und Cartagena, mit Port Mahon stand es Toulon gegenüber; Lissabon blieb weiter ein Stützpunkt in zweiter Linie.

General Stanhope ging mit den spanischen und portugiesischen Soldaten nach Barcelona zurück, sobald sie entbehrlich waren — „er zeigte so seinen Eifer für die Sache Karls“. Er ließ auf der Insel nur eine englische Besatzung zurück. In seinem Bericht nach England äußerte er auch seine „unmaßgebliche“ Ansicht, daß man Port Mahon nie wieder herausgeben dürfe, ja seinen Besitz zur Bedingung weiterer Unterstützung in Spanien machen müsse; auch bat er um Ernennung des augenblicklichen Befehlshabers dort zum Gouverneur. Natürlich fühlten sich der Kaiser, König Karl und Holland sehr verletzt, aber England ließ sich nicht irre machen.

Dem Ersuchen Karls III., schon in diesem Jahre das Wintergeschwader in Port Mahon zu überwintern, konnte nicht Folge gegeben werden, da weder Einrichtungen noch Vorräte zur Instandsetzung vorhanden waren. Whitaker holte nochmals Truppen von Italien nach Spanien und ging dann nach Lissabon; schon seine Anwesenheit an der italienischen Küste nach dem Fall von Port Mahon hatte genügt, den Papst zur Anerkennung Karls zu bewegen.

Im Jahre 1708 planten die Franzosen neben dem kleinen Kriege in den nördlichen Gewässern noch einmal einen Einfall in Schottland; der Prätendent Jakob III. sollte mit etwa 6000 Mann dorthin übergeführt werden. Das Unternehmen, ganz gegründet auf eine kräftige Erhebung in Schottland und auf völlige Überraschung, scheiterte kläglich, da diese Bedingungen fehlten; der seemännische Führer der Expedition, Chef d'Escadre Graf Forbin, zeigte jedoch dabei seine Geschicklichkeit. Nach diesem Fehlschlage wurde in den nächsten Jahren in Dünkirchen keine reguläre Division für den Krieg mehr aufgestellt, nur noch in Brest oder La Rochelle.

Die Expedition sollte früh im Jahre 1708 in See gehen, wohl unmittelbar nach der Abfahrt von Leakes Flotte zum Mittelmeer. Der Zustand der französischen Marine erlaubte keine große Rüstung. Forbins Geschwader bestand aus den wenigen Kriegsschiffen der Dünkirchen-Division und einer größeren Zahl Freibeuter und Transporter; holländische Angaben sprechen von 5 Kriegsschiffen und 30 andern Fahrzeugen, englische von 8 und 24; wenn französische Quellen nur 20 Segel nennen, so sind wohl nur die Kriegsschiffe[553] und Freibeuter gezählt. Eine Krankheit des Prätendenten soll die Abfahrt verzögert haben. In England und Holland hatte man Kenntnis von dem Plane; Admiral Byng erschien schon am 12. März mit 35 Schiffen vor Dünkirchen. Forbin war jetzt für Aufgeben des nach seiner Überzeugung aussichtslosen Unternehmens, aber Jakob bestand auf der Ausführung; als Byng durch Sturm nach den Downs getrieben war, ging man am 19. nachts in See. Holland, dessen Sommergeschwader für die nördlichen Gewässer noch nicht segelfertig waren, sandte wenigstens 4 starke Convoibegleitschiffe nach England; diese stießen am 20. zu Byng und gleichzeitig erhielt der Admiral die Nachricht vom Auslaufen Forbins. Er sandte sofort einige seiner Schiffe sowie die Holländer nach Ostende, um von dort Truppen abzuholen und dann in Newcastle die Nachricht abzuwarten, wo diese nötig seien. Er selber folgte den Franzosen. Forbin war zum Firth of Forth gesegelt, stellte hier aber sogleich fest, daß England alle Maßregeln getroffen hatte, um sowohl die Landung zu hindern wie eine Erhebung zu unterdrücken; er schlug daher Jakob und seinen Offizieren den Wunsch, zu landen, unbedingt ab. Als er das Nahen der Engländer erfuhr (23. März), ging er in See, Byng sichtete ihn gerade noch und befahl allgemeine Verfolgung. Forbin steuerte zunächst nordöstlich, änderte nachts geschickt den Kurs und entkam wohlbehalten nach Dünkirchen; nur ein Schiff, das eingeholt wurde oder, wie die Franzosen sagen, tollkühn den Kampf aufnahm, wurde genommen.

Die letzten Kriegsjahre 1709–1712. Wir wissen, daß zu Ende des Jahres 1708 Ludwig XIV. ernste Versuche machte, Frieden zu schließen (vgl. Seite [5495]). England soll dazu geneigt gewesen sein; wohl möglich, denn es besaß ja schon, was es haben wollte. Da die Verbündeten zu viel verlangten, nahm der Krieg seinen Fortgang; die Seestreitkräfte fanden zwar keine Gelegenheit mehr zu größeren Waffentaten, aber ihr stilles Wirken blieb von Wichtigkeit. Im Mittelmeer sicherten sie weiter die Verbindung König Karls mit Sardinien, seiner Kornkammer, sowie mit seinen italienischen Ländern und schnitten Frankreich vom Meere ab. Das Verschwinden der französischen Marine vom Mittelmeer erlaubte eine Verminderung der dortigen Flotte; dies kam dem Handelsschutz in den nördlichen Gewässern zugute, auch konnten stärkere Unternehmungen als bisher gegen die französischen Kolonien in Nordamerika ausgeführt werden. Es wird genügen, die Tätigkeit der verbündeten Flotte in großen Zügen zu geben, und nur einzelne Vorfälle näher zu schildern, ohne wie bisher auf alle Operationen und Bewegungen näher einzugehen.[272]