1709 traf Admiral Byng schon im Januar mit Verstärkungen bei der Winterflotte ein, er brachte Material und Vorräte zur Schaffung eines Stützpunktes in Port Mahon mit. Die Zahl der englischen Linienschiffe wird etwas über 20 gewesen sein, Holland verstärkte sein Kontingent erst im Mai auf 9. Byng kreuzte hauptsächlich an der französischen Küste; ein Versuch, das belagerte Alicante zu entsetzen, mißlang, man konnte bei seinem Fall nur die Garnison mitnehmen. Im Herbst ging der Admiral mit einem Teil seiner Schiffe heim; die 3 Holländer des vorjährigen Wintergeschwaders wurden durch 6 neue ersetzt, so daß dies Kontingent jetzt 11 Schiffe stark war. Das Wintergeschwader unter Vizeadmiral Whitaker verblieb, gesammelt oder in Divisionen geteilt, an der spanischen und französischen Küste, nunmehr auf Port Mahon gestützt.
Trotz dieser Blockade gelang es dem Kapitän Cassard 1709, ebenso 1710 und 1711, einen Getreide-Convoi von Tunis oder von der Levante nach Marseille einzubringen, zweimal unter Abschlagen englischer Divisionen; die Zufuhren waren von großer Wichtigkeit, weil in Frankreich Hungersnot herrschte.
Im März 1710 kam Admiral Sir John Norris in Port Mahon an. Die Streitkräfte waren auf etwa 34 Linienschiffe verstärkt, doch wurde die Hälfte zur Deckung von Getreideconvois aus Oran und der Levante für König Karl und zur Bewachung der Straße sowie Sardiniens und der italienischen Küste abgezweigt. Mit der anderen Hälfte ging Norris nach Barcelona und erfuhr hier Ende April, daß eine französische Expedition gegen Sardinien bevorstehe. In Sardinien waren Unruhen gegen den unbeliebten Gouverneur ausgebrochen; Frankreich beabsichtigte, diese durch eine Sendung von Truppen (2000 oder 3500 Mann) unter Bedeckung von 6–8 Kriegsschiffen und 20 Galeren zu unterstützen. Norris gelang es, das Unternehmen zu vereiteln.
Der Admiral brachte Ende April einen neuen Vizekönig nach Cagliari, wodurch die Ruhe sofort wieder hergestellt wurde; von den Franzosen war nichts zu bemerken. Er ging dann nach Vado, um Truppen zu holen, und wurde hier bis Mitte Juni aufgehalten; ein Versuch, durch eine Division einen Convoi an der Küste der Provence abzufangen, mißlang. Auf die Nachricht, daß die französische Expedition jetzt von Toulon und Marseille gesegelt sei, ging Norris nach Sardinien, nahm in der Bucht von Terra Nova 4 französische Transporter und zwang die von diesen gelandeten 400 Mann durch Landung seiner Soldaten zur Übergabe. Er erfuhr, daß 10 Galeren mit Transportern bei seinem Nahen von der Westküste der Insel, wo der Hauptangriff geplant war, nach Ajaccio geflüchtet seien, und folgte dahin. Die Galeren waren schon nach Frankreich zurückgegangen, aber 8 Transporter (500 Mann und das gesamte Kriegsmaterial der Expedition) wurden genommen; die Neutralität Genuas, dem Corsica gehörte, beachtete Norris nicht.
Als die Flotte in Barcelona wieder eingetroffen war, trat eine andere Aufgabe an sie heran, eine Landung in der Languedoc, um einen neuen Aufstand der Camisards zu unterstützen. Der mit viel zu geringen Kräften unternommene Versuch schlug vollständig fehl.
Man beabsichtigte, in Cette festen Fuß zu fassen, um mit den Camisarden, die etwa 12 Meilen von der Küste unter Waffen standen, in Verbindung zu treten. Diese Stadt, die auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Meere und einem Küstensee fast wie auf einer Insel liegt, hätte bei genügend starker Besetzung wohl gehalten werden können, weil die Verbündeten die See beherrschten. Die Flotte erschien am 24. Juli, landete 700 Spanier sowie einige Seesoldaten und nahm noch am selben Tage ohne Widerstand Cette. Am nächsten Tage sicherte man sich durch Besetzung des kleinen südwestlich liegenden Ortes Adge und einer Brücke dort gegen einen Angriff von dieser Richtung her. Der Versuch der Franzosen, mit 400 Dragonern und 2000 Mann Miliz über den See auf die Landzunge zu gelangen, wurde durch die Boote der Flotte vereitelt, aber infolge eines falschen Alarms verließ die Besatzung Adges ihre Stellung. Da nun Marschall Noailles in Eilmärschen mit 2000 Reitern, deren jeder einen Grenadier hatte aufsitzen lassen, hier herankam, wurden die Gelandeten unter Verlust ihrer Nachhut wieder eingeschifft und das Unternehmen aufgegeben; aussichtslos war es überhaupt, weil man eine Verstärkung nicht vorgesehen hatte.
In diesem Jahre überwinterten die Engländer sämtlich im Mittelmeer, die Holländer gingen heim. Auch für diese war der Befehl unterwegs, dort zu bleiben, da man nach den letzten Erfolgen Karls III. (Sieg bei Saragossa) hoffte, bei kräftiger Unterstützung durch die Flotte den Krieg in Spanien zu beenden; die Order erreichte das Geschwader nicht. Zwar wurde in Holland sogleich die Entsendung von 24 Linienschiffen beschlossen, aber man konnte nur 13 ausrüsten und auch diese trafen nur nach und nach — meist mit englischen Schiffsverstärkungen oder Ablösungen und stets mit englischen Truppentransporten — an der spanischen Küste ein, die ersten Ende März, die letzten erst im Hochsommer 1711; sie blieben dann bis Ende 1712 im Mittelmeer. Die Engländer werden in den letzten Jahren des Krieges, im Sommer wie im Winter, einige 20 Schiffe dort gehabt haben; die Gesamtflotte zählte etwa 35.
Im Jahre 1711 kreuzten einzelne Schiffe sowie kleine Divisionen im Westbecken des Mittelmeeres und zeigten sich an der Küste Italiens, weil in den habsburgischen Provinzen Unruhen ausbrachen; ein größeres Geschwader versuchte vergeblich, an der französischen Küste einen Convoi (Cassard) abzufangen. Die Hauptflotte lag in Port Mahon oder Barcelona zur Verfügung König Karls bereit, dessen Erwählung zum Kaiser nach Josephs Tode (17. April) bevorstand: sie sollte ihn nach Italien bringen, sobald er es wünsche. Als im Hochsommer eine größere Verstärkung zur Flotte stieß, ging Norris mit einigen seiner Schiffe, wohl den schwereren, nach England und gab den Oberbefehl an Admiral Jennings ab. Dieser brachte mit 24 Schiffen, (6 ließ er zum Schutz der Königin in Barcelona zurück), im Herbst (27. September) den König nach Genua (am Tage seiner Erwählung 12. Oktober dort), führte dann Truppen nach Katalonien zurück und nahm endlich Winterlager in Port Mahon.
Um diese Zeit waren schon Friedensunterhandlungen zwischen England und Frankreich im Gange. Wie die Engländer jetzt im niederländischen Feldzuge des Jahres 1712 ihre Verbündeten nicht mehr unterstützten, so hielten sie sich auch im Mittelmeer zurück; nur noch einmal traten sie gemeinsam mit den Holländern auf. Im April hörte Jennings, daß ein französisches Geschwader aus Toulon auslaufen solle, Ziel unbekannt. Er ging von Port Mahon in See, um zwischen den Balearen und Katalonien zu kreuzen, kam jedoch infolge stürmischer Winde zu spät. Cassard kam mit 6 Linienschiffen und 2 Fregatten wohlbehalten durch, gelangte ungehindert nach Westindien und brandschatzte hier holländische und englische Kolonien. Die Flotte segelte dann noch vereint nach Vado, hier aber trennten sich die Kontingente; Jennings kehrte nach Port Mahon zurück, die Holländer führten allein Truppen nach Spanien und bald darauf noch einmal. Dann erhielten sie Befehl, in die Heimat zu kommen und gingen am 7. September 1712 dahin ab. Der Kriegsrat wagte nicht, ohne Befehl der Bitte der Königin Elisabeth Christine, zu bleiben, Folge zu geben.