Der Seekrieg im Mittelmeere war zu Ende — England und Portugal schlossen im November Waffenstillstand mit Philipp V. — und die habsburgische Sache in Spanien war verloren. Die Kaiserin sah sich genötigt, mit ihren deutschen Truppen Katalonien zu räumen und die treue Provinz ihrem Schicksal zu überlassen. Philipp eroberte sie mit französischer Hilfe; 1714 wurde Barcelona erstürmt. Auch die Balearen unterwarfen sich 1715.

Von den Ereignissen des kleinen Krieges in den letzten Jahren ist eine französische Expedition gegen Rio 1712 hervorzuheben, weil sie mit größeren Mitteln unternommen wurde und auf den Friedensschluß zwischen Portugal und Frankreich von einem ähnlichen Einfluß war, wie die Expedition de Pointis' auf Spanien gegen Ende des Pfälzischen Erbschaftskrieges.

Schon im Jahre 1710 hatte eine französische Freibeuterflottille den Versuch gemacht, Portugal in Brasilien, seiner Hauptgeldquelle, zu schädigen. Kapitän Duclerc hatte versucht, mit 5 Schiffen in den Hafen von Rio einzulaufen. Als dies durch die Forts verhindert war, landete er 1000 Mann und drang in die Stadt ein, dann erst gelang es dem unentschlossenen Gouverneur, und auch nur durch Beistand der Einwohner, ihn zu überwältigen. Die Franzosen wurden fast sämtlich hingemetzelt, Duclerc und viele andere nach der Übergabe ermordet. Im Jahre 1711 gab der schon berühmte Kapitän Duguay-Trouin die Anregung zu einem zweiten Unternehmen. Da der Marineminister mit seinen Mitteln nicht genügend Schiffe ausrüsten konnte, bildete sich eine Gesellschaft, die die Kosten teilweise übernahm. Der König stellte Schiffe und Besatzungen, hatte Anspruch auf ein Fünftel des Reingewinns, mußte aber den etwaigen Verlust an Schiffen tragen; die Gesellschaft verpflichtete sich, für jeden gestorbenen, gefallenen oder fahnenflüchtigen Soldaten eine Entschädigung von 30 Franken zu zahlen. So erhielt Trouin 7 Linienschiffe, davon 2 zu 74 Kanonen, 8 Fahrzeuge von 20–26 Kanonen, 2 Mörserboote und 2000 Mann. Obgleich der Plan in England wie in Portugal bekannt wurde, hatte die Expedition vollen Erfolg: Rio wurde auf längere Zeit besetzt, eine Kontribution von etwa 1300000 Mark erhoben und reiche Beute gemacht. Die Gesellschaft gewann 92%; der Verdienst des Königs wird nur gering gewesen sein, weil 2 Linienschiffe auf der Rückreise verschollen.

Trouin[273] verließ am 9. Juni 1712 La Rochelle und traf am 11. September vor Rio ein. England hatte durch ein Postschiff Portugal von der bevorstehenden Abfahrt der Franzosen in Kenntnis gesetzt und diese Nachricht wurde, mit demselben Fahrzeug weitergesandt, Ende August in Rio bekannt. Trotzdem waren nur ungenügende Gegenmaßregeln getroffen worden; es gelang Trouin, während der Nacht in den Hafen einzulaufen, die Insel das Cobras unmittelbar vor der Stadt zu besetzen und hier Batterien zu bauen. Die Behörden verloren den Kopf; 4 Kriegsschiffe, die im Hafen lagen, setzten sich auf Strand und in Brand; die Truppen, 12000–13000 Mann, hielten sich in den Befestigungen und ließen die Franzosen am 13. unbehindert landen. Diese, etwa 3000 Mann mit 24 Kanonen, begannen nun die Belagerung der Forts und die Beschießung der Stadt so wirksam, daß die Bürger in Masse flohen und der Gouverneur nach Anzündung der Magazine abzog. Er verschanzte sich vor der Stadt, und benützte nicht einmal die Gelegenheit zum Angriff, als sich die Franzosen am 21. zu einer gründlichen[557] Plünderung in der Stadt zerstreut hatten. Trouin verlangte dann unter Androhung völliger Zerstörung die Kontribution, und der Gouverneur bewilligte sie am 10. Oktober, obgleich er wußte, daß Hilfstruppen aus den Nachbarprovinzen heranzogen; diese trafen schon am 11. ein. Am 13. November zogen die Franzosen nach erfolgter Zahlung der Kontribution und Einschiffung der Beute ab. Etwa 350 Gefangene der ersten Expedition wurden befreit; einige Offiziere dieser waren nach Bahia gebracht. Den Versuch, auch sie zu befreien, mußte Trouin widriger Winde an der Küste halber aufgeben; das Aufkreuzen hielt ihn 40 Tage auf, erst am 6. Februar 1713 traf er in Brest ein.

Es berührt eigentümlich, daß England weder das Auslaufen noch die Durchführung der Expedition gehindert hat; es war doch die Gelegenheit, sowohl einen gewissermaßen in Schutz genommenen schwachen Verbündeten vor großem Schaden zu bewahren als auch dem gemeinsamen Feinde einen empfindlichen Schlag zu versetzen.

Der Verlust an Schiffen Im Kriege 1702–1713 war sehr bedeutend. Es verlor

England Schiffe:80 K.70 K.60 K.50 K.über 30 K.kleinere
In Gefechten24110922
Sonst verunglückt284 7210
Summe: 38 Linienschiffe; 43 kleinere
Frankreich
In Gefechten6715121086
Sonstgegen 50 Segel.

Für Holland sind genaue Angaben nicht vorhanden.

Die Angaben schwanken in den Quellen sehr. Clowes, dem die vorstehenden entnommen sind, glaubt, daß diese auf Grund der neuesten Untersuchungen ziemlich genau sind. Er gibt (am Schluß des Kapitels XXIV) von den englischen Schiffen eine namentliche Liste mit Tag und Ort des Verlustes.

Troude führt für beide Gegner weit geringere Zahlen an. Bei den Linienschiffen (über 50 Kanonen) spricht er nur von 11 englischen und 20 französischen; es ist möglich, daß er auf englischer Seite die großen Verluste durch Schiffbruch (1703 in den Downs 9, 1707 bei den Scillys 4) und auf französischer Seite die durch Versenken in Toulon unbrauchbar gewordenen (nach Andeutungen auf etwa 15 zu schätzen) nicht eingerechnet hat. An Fregatten nennt er gar nur 2 englische und 11 französische; es ist dies nur so zu erklären, daß er den kleinen Krieg nicht berücksichtigt hat, namentlich nicht die königlichen Schiffe, die als Freibeuter im Privatdienst standen. Für Holland zählt er 3 Linienschiffe und 7 kleinere, auch wohl eine viel zu geringe Angabe besonders bei den kleineren.