Chabaud-Arnault gibt den Gesamtverlust der Franzosen mit 35 Linienschiffen, einigen 50 kleineren Kriegsschiffen und mehreren Hunderten von Freibeutern; diese Angabe stimmt mithin annähernd mit Clowes überein, unter den Freibeutern befanden sich ja viele Kriegsschiffe.

Da bekanntlich in den größeren Aktionen nur Frankreich bei Vigo, Gibraltar und Toulon bedeutendere Verluste erlitten hat, sind die meisten verlorenen Schiffe Opfer des kleinen Krieges geworden; wir kommen hierauf noch zurück.

Der kleine Krieg und die Kolonien.

Der Krieg gegen den Seehandel spielte im Spanischen Erbfolgekriege eine ebenso bedeutende Rolle wie im vorigen Kriege und wurde auch ebenso eigenartig von seiten der Franzosen betrieben (vergl. Seite [467] ff.). Wir können an die früheren Betrachtungen anknüpfen und uns auf Angaben beschränken, die den Umfang und damit den Einfluß des kleinen Krieges 1702–1713 beurteilen lassen.

Vom Beginn der Feindseligkeiten förderte, dem Beispiel seines Vaters folgend, der französische Marineminister Jerôme de Pontchartrin den Krieg gegen den Handel mit allen Kräften. Auch er stellte der Freibeuterei Schiffe und Personal der Kriegsmarine zur Verfügung; wiederum durchkreuzten zahlreiche Kaper, besonders von Dünkirchen und St. Malo aus, einzeln oder in kleinen Verbänden den Kanal, den Eingang zu diesem und die Nordsee. Jerôme stellte wie sein Vater kleine Divisionen in den nördlichen Häfen für den Kreuzerkrieg auf; die „Escadre du Nord“ wurde wiederum ständig in Dünkirchen gebildet, andere Divisionen traten meist in Brest oder La Rochelle hinzu. Diese kleinen Verbände der königlichen Marine, in ihrer Stärke zwischen 3–14 Kriegsschiffen schwankend, aus kleineren Linienschiffen (50–60 Kanonen) oder schweren Fregatten (40–50 Kanonen) bestehend und bisweilen durch Freibeuter verstärkt, griffen vornehmlich größere Convois von Handelsschiffen oder von Transportern mit Kriegsmaterial für Spanien an. Solange Ostende in französischem Besitz war (bis 1705), wurde hier eine Division von Galeren (6) gehalten, geeignet, die holländische Küste zu beunruhigen oder in der Schelde in den Landkrieg einzugreifen.

Frankreich bedrohte so den englischen und holländischen Handel sehr, aber es ist wohl zu bemerken, daß sich dieser Angriff der Hauptsache nach auf die erwähnten Gewässer, also nahe bei den eigenen Küsten, beschränkte; im Mittelmeer konnte sich die französische Freibeuterei überhaupt nur wenig regen, weil hier während des größten Teiles des Jahres die Flotten der Verbündeten die See beherrschten. Gegen Ende des Krieges ließ die Kraft dieser Kriegführung nach, es fehlten die Mittel. Nach 1709 wurde wegen Geldmangels das Nordgeschwader nicht mehr ausgerüstet; eine große Zahl der Freibeuter, Kriegs- wie Kaperschiffe, war weggefangen worden. Die kleinen Divisionen haben bei ihren Angriffen, weil sie nicht durch Convois behindert waren, fast immer Erfolg gehabt oder sich doch dank der Geschicklichkeit ihrer Führer und der Segeleigenschaften ihrer Schiffe größeren Verlusten entziehen können. Die Galerenflottille hatte nur einen Erfolg zu verzeichnen: sie fing in Windstille ein von seinem Geschwader versprengtes holländisches Linienschiff.

Auf seiten der Verbündeten ging naturgemäß das Hauptbestreben dahin, ihren weit größeren Handel zu decken. Holland stellte zu diesem Zweck in jedem Jahre 2–3 Geschwader auf: zum Beobachten der Galeren; zum Schutz der Nordsee gegen Dünkirchen, wie in allen früheren Kriegen; zum Geleiten der großen Ostindienconvois auf ihren Aus- und Heimreisen durch die Nordsee. Zahlreiche Convoijers (30–40 zu 20–50 Kanonen) traten als ständige Begleitung der Convois hinzu.

Die Stärke dieser Geschwader war beträchtlich; sie zählten zusammen:

1702=15Linienschiffe,4Fregatten
1703=223
1704=178
1705=156
1706=126und 4 Schiffe der ostindischen Kompagnie
1707=176
1708=176
1709=167und 2 Schiffe der ostindischen Kompagnie
1710= 75