Die Franzosen haben einen Gesamtverlust von 40 Linienschiffen gehabt. Rechnen wir die Verluste von Vigo, Gibraltar und Toulon mit 35 ab, so bleiben 5 für den Kreuzerkrieg; diese werden im Privatdienst gestanden haben, denn in den Gefechten ihrer Kreuzerdivisionen sind keine Verluste erwähnt, oder es sind die 5, von deren Verlust bei Malaga einige englische Quellen sprechen. Dazu kommen aber die angeführten 95 kleineren Kriegsschiffe und „mehrere hundert“ Kaper.
Vorstehende Berechnung eines Verlustes von 50 englischen und 100 französischen Kriegsschiffen während des ganzen kleinen Krieges stimmt gut überein mit den Angaben eines Kommissionsberichtes im Hause der Lords vom Jahre 1707. Nach diesem hatte England 1702–1707 80 französische Kriegsschiffe sowie 175 Kaper genommen und selber 30 Kriegsschiffe verloren.
Wenden wir uns schließlich zu den Erfolgen des kleinen Krieges. Angaben über die Gesamtzahl der aufgebrachten Kauffahrer sind nicht vorhanden, einen Anhalt gibt der ebenerwähnte Kommissionsbericht im Hause der Lords. Nach diesem hatten die Engländer in den ersten fünf Kriegsjahren 1300–1400 französische Kauffahrer genommen und 1100–1200 verloren, von denen aber 300 wiedergenommen sind. Dies war in den Jahren, in denen der französische Kreuzerkrieg blühte, und trotzdem war der Verlust der Franzosen größer; zieht man aber in Berechnung, daß der englische Handel ungemein überlegen war, so stellt sich der relative Verlust auf französischer Seite noch ganz anders dar. Ähnlich wird das Verhältnis Holland gegenüber gewesen sein. Der mit aller Anstrengung geführte Kreuzerkrieg der Franzosen — unter besonders fähigen und tätigen Geschwaderführern sowie Kaperkapitänen mit tüchtigstem Personal — konnte nicht hindern, daß der eigene Seehandel, nach französischen Angaben, schlechter geschützt war als im vorigen Kriege und lahmgelegt wurde und daß der der Gegner, wenigstens der englische, sogar zunahm. Ferner ward Frankreichs Geldnot während des Krieges immer größer und sein Kredit fiel. Es muß dies großenteils dem Abgeschnittensein von der See zugeschrieben werden, denn das reiche Land selber ward nicht vom Feinde betreten und seine Industrie hatte nicht unter unmittelbaren Feindseligkeiten zu leiden; England und Holland waren dagegen imstande, die eigenen Kriegskosten und die ihrer Verbündeten zu tragen. Das Abgeschlossensein von der See brachte Frankreich auch schwere unmittelbare Nachteile, so z. B. Mangel an Korn in den Jahren der Mißernte 1709–1712.
Als 1709 der Kreuzerkrieg der Franzosen in der Nordsee nicht mehr kräftig geführt wurde, erhielten die englischen und holländischen Geschwader hier den Befehl, jegliche Kornzufuhr aus der Ostsee nach Frankreich und Spanien zu hindern. Sie durften zu diesem Zweck jedes Kornschiff anhalten; aufgebrachten Fahrzeugen mit andern Bestimmungshäfen wurde eine Entschädigung für den Zeitverlust zugestanden.
Ganz ist Frankreich nie von der See abgeschnitten gewesen. Dies beweist das Auslaufen Trouins nach Brasilien, sowie der Umstand, daß noch 1710 gegen 40 Freibeuter Dünkirchen verließen und eine Beute von 700 000 Francs machten.
So liefert auch dieser Krieg einen Beweis für die Behauptungen (vgl. Seite [305] und [471]), daß ein Kreuzerkrieg, der sich nicht auf eine Flotte stützt, nicht dauernd durchgeführt werden kann und daß eine solche Kriegführung allein nicht imstande ist, einen seemächtigen Gegner niederzuwerfen.
Haupttaten berühmter französischer Freibeuter-Führer.[275] Kapitän Saint Pol, Chef des Dünkirchen-Geschwaders nach seines Lehrmeisters Jean Barts Tode, nahm April 1703 im Kanal mit nur 3 schweren Fregatten mehrere Schiffe eines englischen Convois und von den 3 Schiffen der Bedeckung 2, darunter das führende Linienschiff. Im August vernichtete er mit einem Linienschiff, dem kürzlich eroberten, und 3 Fregatten in der Nordsee von 4 holländischen Kriegsschiffen 3, verlor selber nur 1 und zerstörte mit Booten 200 Fischerfahrzeuge, die sich in eine Bucht der Orkaden geflüchtet hatten; dann nahm er 3 holländische Fregatten, die zum Schutz einer anderen Fischerflotte unterwegs waren. 1704 brachte er einige holländische Kauffahrer in der Nordsee auf und später mit 4 Kriegsschiffen und 5 Freibeutern einen englischen Convoi von 11 Segeln nebst den begleitenden 3 Kriegsschiffen. Bei dieser Unternehmung fiel er.
Kapitän de Forbin, gleichfalls ein Schüler Jean Barts, folgte im Kommando. Nachdem er dem Handel der Gegner schon großen Schaden in der Nordsee zugefügt hatte, schlug er im Oktober 1706 mit 8 Schiffen, von 20–54 Kanonen, 6 Holländer von 46 bis 50 Kanonen und nahm 2 davon. Im Mai 1707 eroberte er ein englisches Schiff von 72 Kanonen und gegen 20 Kauffahrer; im Juni brachte er noch 30 Kauffahrer auf. Als seine letzte Tat ist uns die Überführung Jakobs III. schon bekannt (Seite [552]).
Fregattenkapitän Duguay-Trouin nahm von Brest aus in den Jahren 1702–1706 mit nur 3 kleineren Fregatten in verschiedenen Gefechten 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 52 Kanonen, 4 Fregatten und eine große Zahl von Kauffahrern; einmal schlug er den Angriff eines portugiesischen Geschwaders von 6 Schiffen ab. 1707 kommandierte er als Linienschiffskapitän die Brest-Division von 4 Linienschiffen (50 bis 74 Kanonen) und 2 Fregatten (40–44 Kanonen). Im Oktober trat er unter Forbins Befehl; die beiden Divisionen waren zusammengezogen worden (zusammen etwa 700 Kanonen), um einen großen englischen Transport mit Truppen und Material für Spanien anzugreifen. Am 21. trafen sie bei Lizard auf den Feind, 80 Transporter gedeckt von 5 Linienschiffen (340 Kanonen). Forbin zögerte mit dem Angriff, weil er erst die Linie bilden wollte, und die Engländer mehrten Segel. Da griff Trouin, ohne die erbetene Erlaubnis abzuwarten, an und hielt den Feind durch Entern fest, bis auch Forbin herankam. Vier der englischen Schiffe wurden aufgesprengt oder genommen, 60 Transporter fielen den Siegern in die Hände. Noch im selben Jahre nahm Trouin ein Schiff von 80 Kanonen und im nächsten einen Convoi von 22 Segeln. Sein Freibeuterzug nach Rio ist uns bekannt (Seite [556]).