| Englische Angaben | Holländ. Angabe | Nach de Jonge | ||
| Es waren zu stellen | Es sind gestellt | Es sind gestellt | waren im Dienst | |
| 1702 | 44 | 33 | 55 | 35 |
| 1703 | 47 | 22 | 50 | 34 |
| 1704 | 44 | 18 | 56 | 35 |
| 1705 | 47 | 20 | 56 | 35 |
| 1706 | 46 | 15 | 54 | 30 |
| 1707 | 43 | 27 | 49 | 32 |
| 1708 | 43 | 25 | 53 | 31 |
| 1709 | 42 | 11 | 50 | 30 |
| 1710 | 37 | 13 | 43 | 21 |
| 1711 | 35 | 12 | 40 | 13[277] |
Die Generalstaaten behaupteten nun, die Zahlen in Reihe 1 seien zu hoch; sie seien berechnet nach dem Verhältnis einer gemeinsamen Rüstung wie 3: 5, während 1703 vereinbart sei, daß für jedes Jahr die Anzahl festgestellt werden solle, und diese Zahlen habe man erfüllt. Die Zahlen in Reihe 2 seien zu niedrig gegriffen, man habe die in den nördlichen Gewässern befindlichen holländischen Schiffe nicht mitgerechnet.
Nun würde aber noch der große Unterschied zwischen der Angabe der holländischen Admiralitäten (Reihe 3) und de Jonges (Reihe 4) zu ergründen sein. De Jonge erklärt ihn damit, daß die Admiralitäten die großen Convoijer (über 40 Kanonen) eingerechnet und allerdings auch damit, daß sie Schiffe mitgezählt hätten, deren Indienststellung beschlossen, aber wegen Geldmangels nicht ausgeführt sei. Vielleicht liegt ein Unterschied auch darin, daß de Jonge (und ebenso England) die Schiffe unter 50 Kanonen nicht als Linienschiffe berechnet hat, während die Admiralitäten alle über 40 Kanonen[568] als solche zählten. De Jonge erkennt die Berechtigung der englischen Klage nur insoweit an, als sie die Beteiligung Hollands an der Mittelmeerflotte anging; hier hätten stets einige Schiffe gefehlt. Es ist zweifelhaft, ob man die großen Convoijers mitzählen durfte, doch sollte man glauben, daß England in Hinsicht auf seine Leistungen, und somit auf Berechnung des Verhältnisses, sich gleichfalls die Linienschiffe angerechnet hat, die im Convoidienst verwendet wurden.
Die Zahlen der Reihe 1 sind von England als im Verhältnis 3: 5 der englischen Indienststellungen berechnet und als solche von Holland nicht angefochten worden. Man kann aus ihnen mithin schließen, daß England durchschnittlich 70–80 Linienschiffe jährlich im Dienst hatte, wie wir es bei Besprechung der Streitmittel (Seite [505]) angenommen haben.
In Hinsicht auf die Entwicklung der Taktik ist nur noch einmal hervorzuheben, daß die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges, als die erste einer Zeit gilt, in der mehr Wert auf Aufrechterhaltung der Gesamtformation in Linie als auf taktische Manöver gelegt wird. Zur Zeit Tourvilles war eine Taktik ausgebildet und wurde angewandt, jetzt wird sie besonders von den Engländern nur schematisch durchgeführt.[278]
Über die Strategie in diesem Kriege; die Aufgaben der Seestreitkräfte, und wie sie diese lösten. Wenn wir auch bei der Schilderung der Ereignisse schon näher auf diese Punkte eingegangen sind als bei den früheren Kriegen, so ist es doch wünschenswert, durch einen Überblick nochmals zu zeigen, welchen Einfluß die Kriegführung zur See gehabt hat oder hätte haben können; gerade dieser Krieg ist lehrreich.
Ein neuerer englischer Autor[279] sagt: „Für die höhere Seestrategie ist kein Krieg lehrreicher als der Spanische Erbfolgekrieg; in vielen Hinsichten gleichen die damaligen Verhältnisse den jetzigen. Der Krieg wurde geführt gegen das gefahrdrohende Übergewicht eines ehrgeizigen und mächtigen Militärstaates, es war ferner ein Krieg für die Freiheit des Handels und England verfügte durch seine Marine über ein Kampfmittel, das kein Festlandsstaat in gleicher Stärke besaß. Ludwig XIV. war durch die Wiederherstellung seines Heeres nach dem letzten Kriege so in Anspruch genommen, daß er seine Marine vernachlässigen mußte, während sich anderseits in England die Abneigung gegen ein stehendes Heer, die die Landmacht Wilhelms III. schwächte, nicht auf die Marine erstreckte; diese blieb in ihrer bisherigen Kraft erhalten.“
Frankreichs Kriegführung. Wie im Jahre 1688, so standen auch 1702 die beiden Seemächte verbündet Frankreich gegenüber, weit überlegen, weil sie etwa 200 Schiffe und Frankreich nur 135 über 40 Kanonen besaßen. Die Aufgabe der französischen Marine war aber größer als im vorigen Kriege, sie hatte neben dem Schutz der eigenen Küsten und Kolonien, sowie des eigenen Handels auch die Interessen Spaniens hierin wahrzunehmen, dessen Marine gar nicht in Betracht kam.
Im vorigen Kriege hatte Frankreich, vertrauend auf die Leistungsfähigkeit der eigenen Flotte sowie auf eine für sich günstige Lage der Verhältnisse in England, den Versuch gemacht, um die Seeherrschaft in großem Sinne zu kämpfen; er war fehlgeschlagen. Jetzt war ein solcher Kampf in den nördlichen Gewässern, in unmittelbarer Nähe der feindlichen Länder, mit unterlegenen Streitkräften, die außerdem an innerem Wert verloren hatten und in zwei weitgetrennte Kontingente geteilt waren, völlig aussichtslos. Es war mithin richtig, daß Frankreich sich im Norden auf den Küstenschutz und den kleinen Krieg beschränkte und sich die Aufgabe stellte, gestützt auf Spanien das Mittelmeer zu halten. Dieses Meer mußte der Hauptkriegsschauplatz zur See werden. Wir wissen, daß in den Verwicklungen, die zum Kriege führten, für die Seemächte die Frage eine Hauptrolle spielte, ob die Stellung des Hauses Habsburg oder Bourbon hier an Kraft gewinne, und daß sie die italienischen Provinzen des spanischen Erbes für Habsburg erobern wollten. Im Mittelmeer konnte also die Flotte der Verbündeten mit mehr Aussicht auf Erfolg in den Landkrieg eingreifen als im Norden, anderseits waren die französischen Seestreitkräfte hier eher imstande, den feindlichen die Stirne zu bieten, weil diese keine Stützpunkte besaßen, bei Ausbruch des Krieges nicht einmal die portugiesischen Häfen. So strebte Frankreich danach, seine Hauptkraft im Süden zusammenzuziehen und von den nördlichen Häfen aus neben Küstenschutz und kleinem Kriege nur die westindischen Kolonien und den Handel von dort, insbesondere die wichtigen Silberflotten, zu schützen. Diese richtige Strategie wurde aber nicht stetig und nie tatkräftig genug durchgeführt.
Vor Ausbruch des Krieges mit den Seemächten, 1701, wurden zwei größere Flotten ausgesandt. Die eine (Château-Renault; von Brest) ging nach Portugal, um dieses Land Frankreich treu zu erhalten, die andere (d'Estrées; von Toulon und von Brest verstärkt) nach Cadiz, gegen das die Verbündeten schon rüsteten. Beide vereint waren dem Gegner gewachsen, wenn er erschienen wäre; es war also für dieses Jahr zweckentsprechend verfügt worden. Renault ging später nach Westindien und führte im nächsten Jahre die Galeonen trotz der Anwesenheit zweier feindlicher Flotten an den europäischen Küsten nach Vigo; d'Estrées brachte spanische Truppen nach Neapel.