So wurde in den ersten drei Jahren in Hinsicht auf den großen Kriegsplan nichts erreicht; die Seestreitkräfte nutzten der allgemeinen Sache nur durch den Erfolg bei Vigo und durch den Druck auf Portugal und Savoyen, daneben schützten sie den Handel und sorgten so dafür, daß der Strom der Hilfsgelder, von denen der Landkrieg abhing, keine ernste Unterbrechung erlitt.
Im Jahre 1704 trat der Seekrieg in einen zweiten Abschnitt. Mit der Aufnahme des Landkrieges in Spanien war man gezwungen, tatkräftiger vorzugehen, auch schien Ludwig XIV. ernstlicher um das Mittelmeer und schon am Eingang in dieses kämpfen zu wollen. Frankreichs Lage war schwieriger geworden: Ein neuer Kriegsschauplatz, weit entfernt von den anderen, war hinzugekommen; seine Stellung war durch den Abfall Savoyens an der italienischen Grenze stark bedroht; die feindliche Seemacht hatte hier und in Spanien noch günstigere Gelegenheit zum Eingreifen erhalten. Diese Änderung der Lage bestärkte Marlborough in seinem stets gehegten Plane, Frankreich zu Lande und zur See in der Provence anzugreifen und Toulon zu nehmen, so die lange französische Linie zu durchbrechen und mit einem Schlage die Frage der Herrschaft im Mittelmeer zu lösen. Wenn der Plan durchgeführt wäre, so würde damit wohl der Krieg entschieden sein. Marlborough ließ ihn nicht mehr aus dem Auge, und Prinz Eugen sowie Heinsius — der tüchtigste Feldherr, sowie die beiden weitestblickenden Staatsmänner auf seiten der Verbündeten neben Marlborough — waren seiner Ansicht, aber es gelang nicht, die allgemeine Zustimmung in Holland und die tatkräftige Mitwirkung Österreichs und Savoyens zu gewinnen. Sonderinteressen trübten deren Blick; wieder ein Beweis der Schwäche von Bündnissen. So wurde der Krieg zwar kräftiger geführt, aber man nützte die Seestreitkräfte doch nicht voll aus und verwandte sie nicht immer richtig.
1704 sollte die Mittelmeerflotte zur Eroberung Spaniens von der Ostküste her mitwirken und sich bereithalten, Österreich und Savoyen zu unterstützen, wenn die Franzosen einen Vorstoß gegen Nizza machen würden. Ein geheimer Zusatz zum Befehl wies sogar schon auf ein gemeinsames Unternehmen gegen Toulon hin und stellte diese defensiven und offensiven Operationen an der italienischen Küste denen an der spanischen überhaupt voran. Rooke machte im Mai den wegen Mangels an Truppen vergeblichen Versuch, Barcelona zu nehmen; er durfte sich wegen der Aufgaben in Italien und wegen der Möglichkeit des Erscheinens französischer Seestreitkräfte von Toulon und Brest nicht zu sehr engagieren. Zu einem Eingreifen in Italien kam es nicht, da einerseits Frankreich den Angriff auf Nizza aufgegeben hatte und anderseits Österreich und Savoyen weder stark genug noch gewillt zur Offensive waren. Der Versuch, die französische Brestflotte (Graf Toulouse), die das englische Kanalgeschwader (Shovel) nicht hatte festhalten können, vor Toulon abzufangen, mißlang gleichfalls. Rooke vereinigte sich später mit Shovel und nahm Gibraltar. Von weiteren Unternehmungen sah er der vorgerückten Jahreszeit halber ab, er hielt sich nur bereit, Gibraltar gegen die vereinigte französische Flotte zu decken; es kam zur Schlacht bei Malaga. Rooke ging dann heim, jedoch blieb zum ersten Male ein Wintergeschwader in Lissabon (Leake). Es war nur schwach, aber doch imstande, trotz einer französischen Division (de Pointis) in Cadiz, während des Winters das belagerte Gibraltar durch Zufuhren zu unterstützen und, selber verstärkt, im Frühjahr die genannte Division zu vernichten, sowie die Belagerung aufzuheben.
1705 griffen die Verbündeten Spanien von Portugal und von der Ostküste (jetzt auch von hier mit einem Heere) aus an. Mit Hilfe einer starken Flotte (Shovel) wurden Barcelona genommen und die Provinzen Katalonien, Aragonien sowie Valencia erobert. Marlboroughs Plan gegen Toulon fand noch keinen Anklang; die Admirale forderten dazu einen Stützpunkt im Mittelmeer, Österreich legte größeren Wert auf den Krieg in Spanien. Da aber während des Winters wieder nur ein schwaches Geschwader (Leake) in Lissabon blieb, warfen die französisch-spanischen Heere den König Karl auf Barcelona zurück, und die französische Flotte (Graf Toulouse) unterstützte die Belagerung dieser Stadt. In der höchsten Not erschien Leake, nach und nach zu einer starken Flotte verstärkt, zum Entsatz. Die Flotte nahm später Ibiza und Mallorca; weshalb Port Mahon, der günstigste Platz als Stützpunkt, nicht angegriffen wurde, ist nicht klar zu ersehen. Als sich darauf die Kriegslage aufs neue ungünstig für König Karl gestaltete, wurde 1707 schon im Januar die große Flotte (Shovel) zusammengezogen, sie konnte aber nur die Trümmer des bei Almanza geschlagenen Heeres retten.
Trotz der üblen Lage in Spanien wurde 1707 der Plan Marlboroughs endlich ins Werk gesetzt, aber nicht in seinem ganzen Umfange durchgeführt: der so wichtige gleichzeitige Vorstoß in den Niederlanden unterblieb, weil er Holland zu gewagt erschien; dem Prinzen Eugen in Norditalien wurden Truppen entzogen, um das Königreich Neapel zu erobern; Savoyen war lau. So schlug der Angriff auf Toulon fehl, aber die französische Flotte konnte infolge des Versenkens der Schiffe nichts mehr leisten und Frankreich gab das Mittelmeer auf. Selbst das Wintergeschwader der Verbündeten beherrschte jetzt die See zugunsten des spanischen Krieges; die Sommerflotte 1708 (Leake) konnte schwächer sein als bisher, sie unterwarf trotzdem Sardinien und nahm jetzt endlich auch Port Mahon.
So wurden allerdings mit der Einnahme von Gibraltar und Barcelona, sowie durch die Beherrschung des Mittelmeeres große Erfolge erzielt. Aber die Seeherrschaft wurde in den ersten Jahren im Winter stets aufgegeben, und die errungenen Vorteile im Landkriege gingen dann größtenteils wieder verloren, weil das Meer für Frankreich wieder offen stand; man mußte, sozusagen, im nächsten Jahre von vorn anfangen. Es wäre richtiger gewesen, nach der Einnahme von Gibraltar zunächst selbst ohne Rücksicht auf den Krieg in Spanien einen Stützpunkt im Mittelmeer zu gewinnen.
Daß der große Plan Marlboroughs im allgemeinen, der Angriff auf Toulon im besonderen scheiterte, war mehr die Folge anderer Umstände als eines Fehlers der Strategie zur See. Wie richtig dieser Plan war, zeigt selbst der Mißerfolg: Die französische Flotte hatte so gelitten, das Vertrauen auf sie war so erschüttert, daß Frankreich das Mittelmeer aufgab. Nun wurde es den Verbündeten leicht, die See auch im Winter zu beherrschen, besonders nachdem Port Mahon genommen war. Es ist zu verwundern, daß Marlborough nicht nachdrücklicher auf die rechtzeitige Schaffung eines Stützpunktes vor der französischen Küste hingearbeitet hat, das Unternehmen gegen Toulon würde dadurch gleichfalls an Kraft gewonnen haben; er hat stets darauf hingewiesen, aber die Verwendung der Landstreitkräfte lag ihm wohl näher, wenn er auch während des ganzen Krieges die Macht der Seestreitkräfte hoch einschätzte.
Im Jahre 1709 trat die Kriegführung zur See im Mittelmeer in einen dritten Abschnitt. Die Flotte der Verbündeten hatte nur noch die Aufgabe, Frankreich vom Meere abzuschließen und für König Karl die Verbindung mit seinen Besitzungen in Süditalien und seinen Hilfsquellen in Norditalien aufrecht zu erhalten. Großes wurde nicht mehr geplant, weil Marlboroughs Einfluß schwand. Frankreich ganz abzuschließen gelang nicht, doch wurde sein Versuch, eine Erhebung in Sardinien zu unterstützen, verhindert. Der Seekrieg erlahmte immer mehr; Holland war erschöpft, England zum Frieden geneigt. Als 1711 König Karl deutscher Kaiser geworden war, wurde seine Sache in Spanien von England nicht mehr unterstützt und 1712 auch von Holland aufgegeben.
Die Kriegführung der Verbündeten Im Norden, wo in fast allen Jahren etwa die Hälfte ihrer Seestreitkräfte tätig war, beschränkte sich erfolgreich nur auf den kleinen Krieg. Das einzige für 1706 geplante Unternehmen, eine Landung an Frankreichs Westküste, ließ man fallen; die Aufgabe, die französischen Geschwader, die nach dem Mittelmeer oder nach Westindien bestimmt waren, festzuhalten, wurde nicht gelöst. Aber selbst im kleinen Kriege hätte man bei der Stärke der Verbündeten größere Erfolge erzielen können. Der französische Handel wurde zwar schwer geschädigt und nach und nach ganz lahm gelegt, doch auch der eigene Verlust war groß. Es spricht dies für die Tatkraft und Geschicklichkeit, mit denen die Franzosen den Kreuzer- und Freibeuterkrieg führten; man muß dabei allerdings die günstige Lage der Ausgangshäfen — Dünkirchen, St. Malo, Brest — zu den Wegen des englisch-holländischen Handels, die Größe dieses, sowie die Schwierigkeit einer scharfen Durchführung der Blockade seitens der Verbündeten mit derzeitigen Segelschiffen in Betracht ziehen.