Die Maßnahmen Hollands zum Schutze des Handels sind genau bekannt: Ein Geschwader an der flämischen Küste; ein zweites in der Nordsee; ein drittes zum Geleiten der ostindischen Convois durch dieses Meer; eine große Zahl Convoijers zur ständigen Begleitung der Handelsschiffe. Der Angriff auf den französischen Handel lag hauptsächlich in den Händen zahlreicher Freibeuter. Über die Maßnahmen Englands liegen keine genauen Angaben vor. Aus Andeutungen ist zu entnehmen, daß man viele Kreuzer in See hatte, daß man die Handelsconvois sowie die Militärtransporte nach Spanien durch Kriegsschiffe deckte und zur Blockade der feindlichen Häfen sowie zum Abfangen größerer Convois Geschwader aufstellte oder von der Hauptflotte abzweigte. Die Bedeckung der Convois scheint aber öfters nicht stark genug gewesen zu sein, nicht einmal den hauptsächlich aus Freibeutern bestehenden französischen Divisionen gewachsen; ähnlich wie im vorigen Kriege scheint man ohne Grund die Streitkräfte zu sehr zusammengehalten zu haben. Man hätte wohl mehr für den Handelsschutz tun können und tun müssen; Englands Aufgabe in dieser Hinsicht war, der langen Küste Frankreichs gegenüber, größer und schwieriger als die Hollands.
Die Ereignisse in den Kolonien zeigen immer noch den Charakter des kleinen Krieges, wenn sie auch in diesem Kriege bedeutender als im vorigen sind (vergl. Seite [481], unten); nur Trouins Zug gegen Rio war von Einfluß auf den Krieg. Die Überlegenheit der Verbündeten tritt auch hier nicht so hervor, wie man hätte erwarten können; oft schädigen die Franzosen Handel und Niederlassungen schwer. Es wurden nicht dauernd genügende Kräfte draußen gehalten, um die Seeherrschaft zu wahren, oft mußten erst die geschädigten Kreise — Kolonisten, Kaufleute, Rheder — den Anstoß zur Entfaltung größerer Tatkraft geben.
Wenn man die Kriegführung zur See auf französischer Seite falsch und schwächlich nennen kann, so muß man doch auch sagen, daß die Verbündeten von ihrer ungeheuren Macht einen durchgreifenderen Gebrauch hätten machen können, insbesondere die Engländer, deren Marine während des Krieges eher stärker als schwächer wurde. So sagt auch Clowes mit Beziehung auf die englische Marine: „Der Krieg weist keine großen oder gar glänzenden Erfolge auf; man kann den Operationen der Flotte keine große Genialität zusprechen, der Organisation und dem Auftreten der Seestreitkräfte kein Lob spenden. The country merely stuck to its work and hammered away, often blunderingly and stupidly until the end. The day of its (der Marine) most brillant performances were still before it.“
Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer.
Die Bedingungen des Friedens von Utrecht sind im allgemeinen schon angeführt (Seite [496]); es ist auch gesagt, daß England am meisten erreichte und im gesicherten Besitz der Vormachtstellung zur See aus dem Kriege hervorging. Eine nähere Betrachtung der Ergebnisse für die verschiedenen Teilnehmer wird dies veranschaulichen.
Frankreich hatte zwar dadurch, daß das Haus Bourbon auf Spaniens Thron kam, an Stelle eines Feindes einen Freund im Rücken erhalten, es hatte aber wichtige Stellungen an seiner Nordostgrenze verloren, mußte das günstig gelegene Dünkirchen als Kriegshafen aufgeben, und mit den ersten Abtretungen in Nordamerika war der gänzliche Verlust der Besitzungen dort eingeleitet. Durch den Krieg waren seine Seestreitkräfte erschöpft, seine Bevölkerung verarmt, seine Finanzen zugrunde gerichtet.
Spanien verlor seine Niederlande, Mailand, Sardinien und Neapel an Österreich, Sicilien an Savoyen, Gibraltar und Minorca an England, also einen großen Landbesitz, der fast durchgängig wichtig in maritimer Hinsicht war. Nur seine Kolonien blieben ihm erhalten, die nach dem ersten Kriegsplane der Verbündeten auch in Gefahr gewesen waren, und es war wohl ein Vorteil, daß das Land mit einem lebenskräftigen Volke wie Frankreich in engere Verbindung gebracht wurde.
Österreich hatte großen Landzuwachs erhalten, doch fehlte ihm Sicilien, an dem ihm mehr als an Sardinien lag; bald folgten auch Verhandlungen über einen Austausch. Immerhin erlangte es die gewünschte Stellung am Mittelmeer und hätte sich hier zu einer Seemacht entwickeln können.
Für Holland hatte es Bedeutung, daß die spanischen Niederlande vor Frankreich gerettet und an Österreich gefallen waren; sein alter Wunsch war erfüllt, hier sicherer vor Frankreichs Angriffen dazustehen. Aber war dieser einzige Erfolg die Kosten wert? Der Krieg führte den Zusammenbruch seiner Seemacht herbei! Die Marine wurde vernachlässigt, und damit ging die wichtigste Kraftquelle des kleinen Landes, der Seehandel, zurück. Holland wurde bald nicht mehr zu den Großmächten gezählt, seine Marine war für die Diplomatie kein militärischer Faktor mehr. Die Schwäche der Republik trat schon in den Friedensverhandlungen zutage; man konnte für die maritimen Interessen nichts erreichen. England berief sich auf Hollands ungenügende Beteiligung am Seekriege und weigerte sich hartnäckig, Holland an den für sich geforderten Vorteilen teilnehmen zu lassen; nur im Handelsvertrage mit Frankreich wurden auch den Niederlanden einige Zugeständnisse gemacht.
England aber gewann ungemein in maritimer Hinsicht. Durch den Besitz von Gibraltar, Port Mahon und die in Nordamerika errungenen Kolonien erhielt es neue Stützpunkte zur Stärkung und Erweiterung seiner Seeherrschaft; Frankreich gab das gefährliche Dünkirchen auf; Sardinien, Neapel und Sicilien fielen nicht an eine Seemacht, sondern an Staaten, die bislang zur See nicht aufgetreten waren. Ferner schloß England mit Frankreich und Spanien günstige Handelsverträge.