Insbesondere dem Wunsche Hollands, Gibraltar und Port Mahon gemeinschaftlich zu besetzen und an den Verträgen mit Spanien, Westindien betreffend, teilzunehmen, trat England schroff entgegen. Diese Verträge waren ein Hauptgewinn Englands. England versprach Spanien seinen Beistand, um dessen Besitzungen wieder in den Zustand zu bringen, wie er unter Karl II. gewesen war; Spanien verpflichtete sich dagegen, keinerlei Besitz in Amerika an Frankreich oder andere Völker abzutreten; beide Staaten sagten sich volle Meistberechtigung in ihren Besitzungen zu. Noch wichtiger aber war der sogenannte Assiento-Vertrag (El Pacto del Assiento de Negros): das von Spanien an England erteilte alleinige Recht auf Einführung von Negersklaven in die spanischen Kolonien (4800 Neger im Jahre). Spanien selbst führte keine Sklaven ein; das Recht war früher schon an die Niederlande, später an die Genuesen und 1703 von Philipp V. an die Franzosen vergeben. Aus dem Sklavenhandel entwickelte sich jetzt aber bald ein Schmuggelhandel in solchem Maße, daß fast die ganze Gütereinfuhr in die spanischen Besitzungen in englische Hände kam. Die Engländer erhielten ferner das Recht, jährlich ein Schiff mit Waren nach Mittelamerika, zum Markte von Porto Bello, zu senden, und auch dies wurde unrechtmäßig ausgebeutet. Das Fahrzeug diente gewissermaßen nur als Niederlage: die Vorräte wurden beständig erneuert; auf der einen Schiffsseite gingen die Waren von Bord, auf der anderen kamen neue an Bord. Diese Verstöße der Engländer und die dadurch hervorgerufenen Vergeltungsmaßregeln der Spanier gaben den Anlaß, wenigstens den äußern, zum nächsten Kriege im Jahre 1739.
Auch mittelbar zog England aus dem Kriege weitgehenden Nutzen. Die Marinen Frankreichs und Hollands waren in Verfall geraten; die zweite, die alte Nebenbuhlerin, sollte sich nicht wieder daraus erheben. Die englische Marine aber stand nach dem Kriege mächtiger da als zuvor; gerade durch die Schwäche der holländischen war sie zu größerer Kraftentfaltung gezwungen worden. Ferner war ein Teil des holländischen Handels schon während des Krieges in englische Hände übergegangen, und dieser Vorgang setzte sich fort, da sich bei dem Verfall der holländischen Marine die britischen Handelsfahrzeuge immer mehr den Ruf erwarben, sicherer zu fahren. Die enge Verbindung mit Portugal, die der Krieg gezeitigt hatte, kam auch dem englischen Handel zugute, und außerdem war sie militärisch von Nutzen, weil die portugiesischen Häfen den englischen Flotten fortan zur Verfügung standen.
Vor dem Spanischen Erbfolgekriege war, durch den Pfälzischen Erbschaftskrieg schon mächtig gefördert, England eine der Seemächte, nach dem Frieden von Utrecht war es die Seemacht. Diese Macht erhielt England aufrecht; es war reich genug dazu und hatte in seiner Seeherrschaft und in seiner ausgebreiteten Schiffahrt die Quelle des Reichtums so in der Hand, daß ihm zunächst kein Nebenbuhler erwachsen konnte. Schon die beiden letzten größeren Nebenkriege des bisher geschilderten Abschnittes werden seine Macht zur See zeigen.
Fußnoten:
[254] Diese Betrachtungen bedürfen der Nachsicht. Die Verhältnisse und diplomatischen Verhandlungen sind sehr verwickelt, und bei der gebotenen Kürzung waren Unvollständigkeiten, selbst Ungenauigkeiten, nicht zu vermeiden; es dürfte dies jedoch ohne Einfluß auf die Beurteilung der Sachlage sein.
[255] Corbett „Mediterranean“.
[256] De Jonge, Teil III, Seite 542, 568, Teil IV, Seite 94, 231, bespricht — blutenden Herzens — genauer diesen Verfall mit seinen Gründen.
[257] Hauptquelle: Chab.-Arnault, dem hier besonders die Kennzeichnung der leitenden Männer entnommen ist. Die Angaben über Schiffsbestände nach Bonfils, Teil II, Seite 177.
[258] Mahan, Teil I, Seite 249, gibt nach Campbell 45 Linienschiffe und 67 Fregatten, womit wohl überhaupt kleinere Schiffe gemeint sind, an.
[259] Hauptquellen wie früher: Clowes, Teil II und III; Colomb.