England und Holland nahmen in Hinblick auf das Gleichgewicht in der Ostsee wie stets bisher die Partei der gefährdeteren Seemacht, sie waren auch die Bürgen des letzten Vergleichs zwischen Dänemark und dem Hause Gottorp. Sie sandten Ende Mai eine gemeinsame Flotte, 11 englische und 13 holländische Linienschiffe, einige Fregatten, 3 Mörserboote, unter den Admiralen Rooke und de Almonde zur Ostsee. Der Befehl lautete, den eigenen Handel zu schützen und die Interessen des Herzogs von Holstein wahrzunehmen; es war erlaubt, zu diesem Zweck schwedische Truppen nach Holstein zu führen, nicht aber angriffsweise vorzugehen, sondern nur Gewalt mit Gewalt zu erwidern. Die Flotte traf am 19. Juni vor Gothenburg ein, segelte zur Vereinigung mit den Schweden weiter, ging dann aber vor dem Sunde zu Anker, weil die 33 Linienschiffe starke dänische Flotte zwischen Kronburg und Hven lag. Hier wollte man abwarten, ob die Schweden vom Süden herankämen und die Dänen zum Rückzug auf Kopenhagen nötigten, oder ob die Vereinigung im Großen Belt stattfinden solle.

Am 7. Juli ging die dänische Flotte nach Kopenhagen und die Vereinigung der Engländer und Holländer mit den Schweden fand bei Landskrona statt. Die schwedische Flotte unter Graf Wachtmeister zählte 29 Linienschiffe, einige Fregatten sowie ein Mörserboot; 6 schwere Schiffe hatte man wegen ihres Tiefganges südlich von Kopenhagen gelassen. 2000 Mann waren eingeschifft, weitere Truppen standen in Landskrona bereit.

Man beabsichtigte, Kopenhagen von See aus einzuschließen und die feindlichen Schiffe mit Fregatten und Brandern anzugreifen oder sie zu beschießen, falls sie sich in den Hafen zurückgezogen hätten. Am 20. Juli ankerte die Flotte vor der Stadt. Die Dänen hatten die meisten Schiffe möglichst nahe unter Land gelegt, den Rest auf der inneren Rhede durch Balkensperren gegen Brander geschützt. Diese Schiffe wurden von den Mörserbooten während der Nacht beschossen, aber nachdem etwa 100 Bomben und Brandgeschosse ohne Erfolg geworfen waren, zog man sich aus dem heftigen feindlichen Feuer zurück. Man beschloß nun, die Landungstruppen zu holen, und die Schiffe im Hafen sowie die Stadt vom Norden der Insel Amager her zu beschießen. In der Nacht vom 26./27. wurden etwa 150 Geschosse verfeuert, jedoch mit ebensowenig Erfolg. Es ging damals das Gerücht, daß die Angreifer, insbesondere die Engländer und Holländer, mehr im Auge gehabt hätten einzuschüchtern, als zu schädigen. Dagegen trafen am 2. August, gedeckt durch schwedische Kriegsschiffe, die Truppen von Landskrona ein und wurden nach Vertreiben einiger dänischer Fregatten mit Hilfe der Boote der ganzen Flotte noch am selben Tage nördlich von der Stadt gelandet; Karl XII. führte die seinen, als erster mit dem Degen in der Faust aus dem Boote ins seichte Wasser springend. Durch ungünstiges Wetter verzögert, wurden die Geschütze und das Belagerungsmaterial erst einige Tage später ausgeschifft. So von See und Land bedroht, schloß Friedrich IV. Frieden.

Die Regierungen Englands und Hollands waren mit dem Vorgehen ihrer Admirale nicht einverstanden; diese hatten ja auch ihre Weisungen überschritten. Es kam sofort der Befehl, sich künftig streng an diese zu halten. Wie früher in ähnlichen Lagen, wünschte man keine zu großen Erfolge Schwedens. Wilhelm III. schrieb an Heinsius: „Dieser Erfolg, fürchte ich, wird den König von Schweden so groß machen, daß wir genügend zu tun haben werden, ihn wieder klein zu bekommen.“ Auch fürchtete man, daß durch Einschreiten Frankreichs zugunsten Dänemarks ein allgemeiner Krieg entstehen würde.

Die Admirale erhielten diesen Befehl bei Hven sowie die Weisung, nach Friedensschluß heimzukommen. Sie blieben aber länger liegen, um den Rücktransport der schwedischen Truppen abzuwarten, weil auch die dänische Flotte wieder in den Sund gekommen und bei dem Haß zwischen den nordischen Völkern ein Zusammenstoß mit den Schweden nicht ausgeschlossen war. Am 8. September ging Karl XII. mit Flotte und Truppen nach Schweden zurück.

Karl XII. wandte sich nun gegen seine Gegner im Osten, und es folgen einige Jahre (bis 1709), in denen die Kriegführung zur See nicht hervortritt; sie seien deshalb nur kurz geschildert. Karl landete mit 20000 Mann bei Pernau (Busen von Riga) und warf sich, da das polnisch-sächsische Heer vor ihm zurückwich, zunächst auf die Russen, die er mit 8000 Mann gegen 40000 bei Narva (20. November 1700) vernichtend schlug. Dann trug er bei Riga (12. Juli 1701) einen Sieg über die Sachsen und Polen davon und hätte jetzt einen günstigen Frieden erzwingen können. Er drang jedoch weiter vor, eroberte durch verschiedene siegreiche Schlachten ganz Polen, ließ in Warschau (2. Juli 1704) Stanislaus Leszczynski zum König wählen und verfolgte August II. bis nach Sachsen. Hier endlich schloß er Frieden (Altranstädt, 24. September 1706); August verzichtete auf den polnischen Thron und entsagte jeder Verbindung mit den Gegnern Schwedens.

Die mißachtende Vernachlässigung der Russen nach dem glänzenden Siege bei Narva wurde Karls Verderben; Peter nutzte diese Jahre aus. Er reorganisierte sein Heer mit Hilfe deutscher Generale, setzte sich in Ingermanland fest und gründete St. Petersburg; die schwachen schwedischen Truppen in Livland konnten dies nicht hindern. So fand Karl später einen kräftigen Gegner vor und Schweden hatte nicht mehr allein mit der dänischen Marine sondern auch mit der russischen zu rechnen.

Bis 1708 blieb Karl in Sachsen stehen, um sein Heer wieder schlagfertig zu machen und zu verstärken; Peter drängte inzwischen die Schweden in Esthland und Livland weiter zurück und verwüstete Polen, um einen Vormarsch Karls gegen Rußland zu erschweren. Endlich brach dieser mit 40000 Mann auf, schlug hinter der Beresina einen russischen Heeresteil (14. August) und überschritt den Dnjepr, um gegen Moskau zu ziehen; eine Verstärkung von 12000 Mann unter Lewenhaupt wartete er nicht ab. Bei Smolensk wandte er sich aber nach der Ukräne, wo ihm der Hetman Mazeppa die ganze Heeresmacht der Kasaken zuzuführen verheißen hatte. Die Aufwiegelung dieser schlug fehl und Lewenhaupt konnte dem König nur 6000 Mann bringen, weil er auf dem Anmarsch schwer geschlagen worden war und seine ganze Bagage verloren hatte. Die Russen wichen beständig aus, das Heer litt ungemein unter Hunger und Kälte; Karl drang zwar bis Pultawa vor und belagerte die Stadt vom Mai 1709 an, wurde dann aber am 8. Juli durch den mit Übermacht heranrückenden Peter vernichtend geschlagen. Der Rest der Schweden, nur 14000 Mann, mußte sich ergeben, Karl floh in die Türkei.

Hier reizte Karl den Sultan gegen Rußland auf, er selber wollte das Heer führen. Aber erst 1711 erklärte der Sultan den Krieg, und wenn auch Peter durch den Großvezier geschlagen wurde (9. August 1711), so gelang es ihm doch, durch Bestechung und Abtretung Asows den Frieden wieder herbeizuführen. Karl blieb bis 1714 in der Türkei; er entschloß sich erst zur Rückkehr, als er einsah, daß er hier keine Hilfe zu erwarten habe und als die Nachrichten aus dem Norden immer schlechter wurden. Nach sechzehntägigem Ritt durch Österreich, Süd- und Westdeutschland traf er mit 2 Offizieren am 22. November 1714 in Stralsund ein.