Peter der Große bemächtigte sich in den Jahren 1709 und 1710 ganz Esthlands und Livlands und ging an den Ausbau einer Ostseeflotte. Auch die andern Gegner Schwedens regten sich wieder. August II. vertrieb Leszczynski, Friedrich IV. besetzte Schleswig und versuchte, in Schonen Fuß zu fassen (vergeblich). Inzwischen verabredeten die Seemächte mit dem Kaiser einen Waffenstillstand für die schwedisch-deutschen Lande (Pommern, Bremen-Verden, Stade) und Dänemark, Sachsen sowie die schwedischen Stände traten auch bei (Haager Conzert, 31. März 1710), da aber Karl XII. Einspruch erhob und die erstgenannten Mächte nicht tätlich eingriffen, nahm der Krieg seinen Fortgang.

Jetzt griff die Kriegführung zur See wieder ein. Die Dänen eroberten Stade und Verden, die Sachsen und Russen nahmen Schwedisch-Pommern außer Stralsund und Wismar (1712). Das schon erschöpfte Schweden raffte sich noch einmal auf. General Stenbock besiegte mit 12000 Mann die Dänen bei Gadebusch (Mecklenburg-Schwerin; 20. Dezember 1712) und drang in Schleswig-Holstein ein, wurde aber bei Tönning durch die Übermacht der Verbündeten zur Kapitulation gezwungen (Mai 1713). Schweden sah sich genötigt, mit Preußen einen Vertrag abzuschließen, wonach dessen Truppen Pommern von der Peene bis zur Oder in Sequestration nahmen. Peter war bereit, dieses Land gegen eine Kriegsentschädigung zu räumen. Rußland war 1714 bis Abo vorgedrungen; Kurland hatte Peter durch Anheiratung an sein Haus gewonnen.

Jetzt kam Karl XII. zurück. Er erkannte den Vertrag mit Preußen nicht an, forderte Pommern zurück und vertrieb die preußischen Truppen aus Usedom und Wollin. Infolgedessen erklärte auch dieser Staat den Krieg und verband sich mit Rußland und Sachsen; Hannover trat dem Bunde bei, um sich die von Dänemark gekauften schwedischen Gebiete (Bremen-Verden; Stade) zu sichern. Die vereinten Truppen belagerten unter Leopold von Dessau Stralsund; Karl XII. verteidigte die Stadt mehrere Monate und ging erst kurz vor dem Fall (23. Dezember 1715) nach Schweden; im April 1716 mußte auch Wismar kapitulieren. Schweden hatte seinen ganzen überseeischen Besitz verloren.

Die Beteiligung der Seestreitkräfte. Die Aufgabe der dänischen Marine war zunächst nicht leicht; 1710 standen ihren 41 Linienschiffen 48 schwedische gegenüber. Sie sollte die Verbindungen Schwedens mit seinen festländischen Besitzungen unterbinden, die Operationen der Verbündeten unterstützen und den eigenen Handel gegen zahlreiche und kühne schwedische Freibeuter schützen. Dennoch hat sie einige wirksame Erfolge zu verzeichnen; es kamen ihr allerdings günstige Umstände zu statten. Als General Stenbock 1712 mit seinem Heere auf 130 Transportschiffen nach Rügen übergeführt wurde, geleitete ihn Graf Wachtmeister mit der ganzen Schlachtflotte; kurz nach der Landung vernichtete die dänische Flotte über 90 der Transporter, Wachtmeister mußte dagegen wegen einer schweren Seuche an Bord der Schiffe schleunigst nach Karlskrona zurückkehren und abrüsten. Als dann Stenbock 1713 in die Enge getrieben war, konnte die dänische Flotte ihm den Seeweg versperren.

Von 1715 an mußte Schweden einen Teil seiner Seestreitkräfte gegen Rußland werfen und seine Marine war durch Geld- und Mannschaftsmangel geschwächt. Nun wuchs die Bedeutung der dänischen Flotte; in zwei Gefechten, an der holsteinischen Küste (28. Juli) und bei Rügen (8. August 1715), wies sie die schwedische zurück. Durch das zweite Seegefecht hinderte sie die Aufhebung der Blockade und den Entsatz Stralsunds.[589] Sie ermöglichte dann durch Vernichtung der kleinen Schiffe im Hafen den Übergang nach Rügen, wodurch die Übergabe der Festung erzwungen wurde. 1716 trug sie mittels strenger Blockade zur Einnahme Wismars bei.

Ebenso unglücklich war die schwedische Flotte den Russen gegenüber. Sie konnte die allmähliche Eroberung der Südküste Finnlands nicht hindern. Die russische Schärenflotte zog von Distrikt zu Distrikt und die von ihr losgelassenen Truppen verwüsteten das Land; 1713 fiel Helsingfors. Als die Eroberung so bis zum Ausgange des finnischen Meerbusens vorgedrungen war, stand gerade die russische Hochseeflotte stark genug da, um die Schärenflotte zu decken und zu unterstützen. 1715 schlug Generaladmiral Apraxin, unter dem Peter selber als Kontreadmiral diente, die Schweden unter Ehrenskjöld bei Hangö-Udd, wobei sich die Galeren in den engen Gewässern von größtem Nutzen zeigten. Er bahnte sich dadurch den Weg nach Abo, den Alands-Inseln und der Küste Finnlands am Bottnischen Busen, die Plünderungszüge dehnten sich nun bis zu diesen aus. Von 1716 an lag die schwedische Flotte infolge Geldmangels unausgerüstet in Karlskrona. Angstvoll war sie eines Angriffs der Dänen gewärtig, die die Küsten Schwedens blockierten und den Handel völlig unterbanden.

Von 1716–1718 versuchte Karl XII. in drei Feldzügen Norwegen zu erobern; ihm kam dabei zu statten, daß seine Gegner uneinig wurden. Peter vermählte eine Nichte mit dem Herzog von Mecklenburg und ließ sein Heer in diesem Lande stehen, dies machte die Verbündeten stutzig; auch begannen Verhandlungen zwischen Peter und Karl behufs eines Bündnisses auf Kosten der anderen Staaten (wir verweisen auf den Plan Alberonis S. [578]), der Zar führte deshalb einen schon vorbereiteten Einfall in Schonen nicht aus. Der hartnäckige Widerstand der norwegischen Bevölkerung, die schwierigen Verhältnisse des Landes und des Klimas und der schlechte Zustand des schwedischen Heeres ließen jedoch Karl keine Fortschritte machen. Er fiel am 11. Dezember 1718 vor Friedrichshall.

Auch in diesen Jahren war die dänische Marine von Wichtigkeit. Tordenskiold vernichtete mit nur wenig Schiffen im Hafen von Dynekil (8. Juli 1716) die Transportflotte, die alles, was Schweden mit Mühe an Truppen und Kriegsmaterial hatte aufbringen können, zur Belagerung Friedrichshalls bringen sollte. Die schwedische Flotte wurde im allgemeinen weiter in den Häfen festgehalten, die russische Marine beteiligte sich jetzt an der Blockade; sie war soweit gewachsen, daß Peter 1716 zu der erwähnten Landung in Schonen mit 17 Linienschiffen, zahlreichen Galeren und Truppentransportschiffen in Kopenhagen erscheinen konnte. 1719 eroberte Tordenskiold die Insel Marstrand und vernichtete ein schwedisches Geschwader, das mit Erfolg gegen den dänischen Handel aufgetreten war.

Ulrike Eleonore, die Nachfolgerin Karls, schloß 1719 Frieden mit Hannover, Polen und Preußen (Stockholm, 20. November) und 1720 mit Dänemark (Friedrichsborg, 13. Juli), brach aber Verhandlungen mit Peter ab. Jetzt griffen die Russen Schweden selber an, verwüsteten 1719–1721 mit immer stärkeren Heeren die Küsten und erzwangen so den Frieden von Nystadt (10. September 1721).

1719 führte Apraxin mit 130–150 Galeren sowie zahlreichen Transportern 30000–40000 Mann an die Küste nördlich von Stockholm; 8 Ortschaften, 141 Adelssitze, 1361 Höfe, 2 Kupferminen wurden zerstört, Wälder verbrannt, um die darin liegenden Minen zu vernichten, 80000 Eisenbarren ins Meer versenkt, gegen 100000 Stücke Vieh getötet. 1720 hausten die Russen, auf Abo, Helsingfors und Wiborg gestützt[590], ähnlich an der Küste von Westerbotten; ein schwedisches Geschwader wurde zurückgeschlagen. 1721 ward Norrland verwüstet. Daß Stockholm von einem Angriff bewahrt blieb, ist nur dem Auftreten einer englischen Flotte zu verdanken; England schränkte überhaupt in den Jahren 1719–1721 die Tätigkeit der russischen Hochseeflotte etwas ein und machte es so der schwedischen möglich, sich wieder zu zeigen.