Gewiß hat die milde, friedliche Regierung Fleurys alles dieses begünstigt; es ist aber doch fraglich, ob es ganz in seinem Sinne gelegen hat, er hätte dann doch wohl die Marine nicht verfallen lassen. Seine Politik blieb wie die Ludwigs XIV. auf den Kontinent gebannt; mit Recht sagen französische Autoren: „Die Regierung zog sich gerade in dem Augenblicke von der See zurück, wo das Volk Anstrengung machte, diese wieder zu gewinnen. Die verderblichen Folgen zeigten sich in den nächsten großen Seekriegen.“

In England leitete seit 1721 Sir Robert Walpole die Politik; auch sein Bestreben war, unter allen Umständen den Frieden zu erhalten. Ihn bestimmte, neben der Rücksicht auf friedliches Erstarken des Handels, der Umstand, daß die englische Thronfolge noch immer nicht endgültig geregelt schien, und auch wohl die Besorgnis, in kriegerischen Zeiten seine persönliche Macht zu verlieren.

Den Frieden zu erhalten wurde ihm leicht unter Georg I., der sich in auswärtige Dinge nur einmischte, wenn sie seine Interessen in Hannover berührten. Schwieriger[596] war es unter dem kriegerischen Georg II., unter dem sich Walpole überhaupt zunächst nur durch den Einfluß der Königin halten konnte, bis er auch das Vertrauen des Königs gewonnen hatte. Es gelang ihm, den eigentlich schon ausgebrochenen Krieg mit Spanien (1727) schnell zu beenden und 1733 England vom Polnischen Thronfolgekrieg fernzuhalten. Sein Ehrgeiz schuf ihm viele Gegner und er hatte mit dem englischen Volke zu rechnen, das nicht zögerte, jede bedrohliche Nebenbuhlerschaft auf der See und im Handel zurückzuweisen. Einen Handelsstreit mit Spanien benützten endlich auch seine Gegner, ihn in einen Krieg hineinzuzwingen (1739), was dann bald (1742) seinen Rücktritt zur Folge hatte.

Durch sein finanzielles Geschick, seine friedliche und doch feste Politik führte er England zu glänzendem materiellen Aufschwung; diese Politik durchzuführen, ermöglichte ihm Englands Seemacht.

1725 trat eine erste Bedrohung des Friedens auf. Österreich und Spanien schlossen ein Bündnis (Wiener Vertrag, 30. April 1725), wonach dieses die pragmatische Sanktion anerkannte und jenes sich dagegen verpflichtete, die Ansprüche Spaniens auf Gibraltar und Port Mahon, wenn nötig mit Waffengewalt, zu unterstützen; hiergegen verbanden sich (Herrenhausen, 3. September) England, Frankreich und Preußen (Preußen, um seine bedrohten Erbansprüche auf Jülich und Berg sicherzustellen). Rußland zeigte Neigung, mit Spanien-Österreich zu gehen, und auch Preußen wurde 1726 auf diese Seite gezogen, beide Staaten erkannten die pragmatische Sanktion an; dem Gegenbunde gelang es aber, Holland, gereizt durch die Gründung der Ostende-Kompagnie, sowie Dänemark und Schweden, beide Rußland fürchtend, zu gewinnen. Zum erklärten Kriege kam es nicht. Spanien versuchte, sich Gibraltars zu bemächtigen, jedoch die englische Flotte verhinderte es und wirkte auch sonst schon durch ihr Auftreten.

England entsandte 1726 drei Geschwader:

1. 9 Linienschiffe an die spanische Küste, die dort vom Juli bis zum Herbst kreuzten

2. 20 Linienschiffe unter Vizeadmiral Wager nach der Ostsee (April-November), um Dänemark und Schweden zu schützen; Rußland hatte eine starke Flotte unter Generaladmiral Apraxin in Kronstadt zusammengezogen. Mit Wager vereinigte sich ein dänisches Geschwader und mit Rücksicht auf diese Macht ließ sich Rußland bewegen, wieder abzurüsten. Es soll hier Neigung zum Waffengang vorhanden gewesen, aber dann dem Abraten des Vizeadmiral Gordon, eines Schotten, vom selbstmörderischen Kampfe gefolgt sein.

3. Ein Geschwader unter Vizeadmiral Hosier nach Westindien, mit den Kräften der dortigen Station 16 Kriegsschiffe stark. Dieses erschien Anfang Juni bei Porto Bello. Infolgedessen löschte die schon beladene Silberflotte wieder und die zur Begleitung bestimmten Kriegsschiffe legten auf. Dann wurde, sozusagen, Westindien für mehrere Jahre völlig blockiert, doch hatte Hosier den gemessenen Befehl, nicht zu fechten (Walpoles strenge Friedenspolitik).

Diese Expedition veranschaulicht nochmals die hygienischen Verhältnisse jener Zeit an Bord der Schiffe; es herrschte eine kaum glaubliche Sterblichkeit. In den ersten zwei Jahren starben die Admirale Hosier und sein Nachfolger Hopsons, dieser vier Monate nach seinem Eintreffen, 7 oder 8 Kommandanten, 50 Leutnants sowie 4000 Unteroffiziere und Mannschaften.