Spanien greift 1727 Gibraltar an. Dieses Vorgehen in Westindien empfand Spanien schwer und reizte es, das noch nicht stark befestigte Gibraltar anzugreifen; früh im Jahre 1727 begannen 15000 Mann die Belagerung. Zum Entsatz erschien im[597] Februar Admiral Wager mit 8 Linienschiffen, darunter 5 zu 70–80 Kanonen. Er führte viel Munition und Kriegsbedarf sowie 17 Kompagnien Soldaten mit sich und traf schon 5 Linienschiffe sowie 2 Mörserboote an. Truppen und Vorräte wurde gelandet, die Belagerungsarbeiten durch die Mörserboote und kleinere Fahrzeuge unter flankierendes Feuer genommen. Gleichzeitig kreuzte Wager in der Straße und vor Cadiz und brachte viele Schiffe auf. Der Kampf um die Stadt wurde Ende Juni mit dem Beginn von Friedensunterhandlungen eingestellt; da aber die Spanier nicht abzogen, setzte Wager seine Gewaltmaßregeln auf dem Wasser fort. Februar 1728 wurde Frieden geschlossen; beschleunigt, als England eine Verstärkungsflotte rüstete.
In den nördlichen Gewässern wurden in diesen Jahren gleichfalls Streitkräfte für den Fall bereitgehalten, daß der Krieg mit Österreich ausbrechen sollte, sowie überhaupt zu Demonstrationen. Hieran beteiligte sich Holland, das 1727 6 Linienschiffe (18 waren beabsichtigt) und 1728 8 solcher im Kanal kreuzen ließ; 1729 vereinigten sich 8 Linienschiffe und 4 schwere Fregatten mit 21 engl. Linienschiffen in Portsmouth. 1727 zeigte sich ferner eine englische Flotte unter Admiral Norris als Demonstration gegen Rußland in der Ostsee.
Diese mehrjährige Spannung endete damit, daß der spanisch-österreichische Bund gelöst wurde. Der Kaiser widerrief den Freibrief der ostindischen Kompagnie in Ostende; Spanien ließ (Vertrag von Sevilla 1729) seine Ansprüche auf Gibraltar und Port Mahon endgültig fallen.
1733 brach der Polnische Thronfolgekrieg aus. Nach dem Tode Augusts II. wurde in Polen wiederum Stanislaus Leszczynski zum König erwählt. Rußland und Österreich erkannten ihn nicht an, sondern traten für August III. auf, wofür dieser der pragmatischen Sanktion zustimmte; die Russen rückten in Polen ein. Frankreich stand auf seiten Leszczynskis des Schwiegervaters Ludwigs XV., und Spanien verband sich mit ihm; der gemeinsame Haß gegen Österreich führte diese natürlichen Verbündeten jetzt wieder zusammen. Auch Sardinien schloß sich in der Hoffnung an, Mailand zu gewinnen. Die Verbündeten sicherten sich Englands und Hollands Neutralität durch das Versprechen, die österreichischen Niederlande nicht erobern zu wollen; im Oktober erklärten sie den Krieg an Österreich und griffen an. Die Spanier eroberten leicht Neapel und Sicilien, die Franzosen Lothringen und im Verein mit Sardinien Mailand sowie die Lombardei bis Mantua. Der König Stanislaus konnte sich jedoch in Polen nicht halten; eine beabsichtigte Unterstützung seitens der Franzosen über See unterblieb, da Fleury doch das Eingreifen Englands fürchtete.
Stanislaus wurde bald durch den russischen General Münnich in Danzig eingeschlossen. Fleury hatte den Befehl zur Ausrüstung von 34 Linienschiffen in Brest gegeben, der hochbetagte Admiral Trouin übernahm den Befehl über die sich bildende Flotte. Dieser machte sich anheischig, Danzig zu entsetzen, wenn auch ein englisches Geschwader erschiene; ein solches war tatsächlich im Sunde. Aber Fleury hatte mit seinem Befehle nur der öffentlichen Meinung ein Zugeständnis machen wollen; er hütete sich, England, das trotz seiner Neutralität eine große Flotte zusammengezogen hatte, durch tatkräftiges Auftreten zur See zu reizen. So wurde nur eine kleine Division mit 1500 Soldaten und sehr vorsichtig gehaltenen Befehlen abgesandt. Diese ließ sich dann durch die Anwesenheit des englischen Geschwaders in den dänischen Gewässern zurückhalten, nur die Truppen sowie eine Anzahl französischer Edelleute erreichten Danzig; die Stadt, auch von der russischen Flotte blockiert, mußte nach tapferer Gegenwehr kapitulieren. Der König rettete sich durch Flucht.
Schon 1735 wurde ein Präliminarfrieden zu Wien (definitiv 1738) geschlossen: August III. wurde als König von Polen anerkannt; Stanislaus erhielt Lothringen, das aber nach seinem Tode an Frankreich fallen sollte; Frankreich stimmte der pragmatischen Sanktion zu; der bisherige Herzog von Lothringen erhielt Parma; Österreich mußte seine süditalienischen Provinzen als eine Sekundogenitur an den zweiten Sohn des Königs von Spanien abtreten.
Der Bourbonische Familienvertrag. So hatte Walpoles Friedenspolitik England dahin geführt, einen alten Verbündeten, Österreich, preiszugeben, und sein Lohn war, daß der mittlere Teil des Mittelmeeres nun doch, als Königreich beider Sicilien, in bourbonische Hände und damit unter den Einfluß Spaniens und Frankreichs kam. Walpole wurde auch sonst von Fleury verraten. In dem Vertrage zwischen den Häusern Bourbon war nämlich eine geheime Klausel folgenden Inhalts aufgenommen: „Wenn es Spanien und Frankreich jemals in gleicher Weise gut scheinen wird, sollen die Mißbräuche, die sich besonders durch die Engländer in den Handel eingeschlichen haben, abgestellt werden, und wenn sich England dem widersetzen sollte, so verpflichtet sich Frankreich, seinem feindlichen Auftreten mit allen Mitteln zu Wasser und zu Lande zu begegnen.“ Bei dem gespannten Verhältnis zwischen England und Spanien trug dieses Abkommen den Keim zu den baldigen großen Kriegen zwischen England und dem Hause Bourbon in sich.
Die Spannung zwischen England und Spanien blieb aber auch nach dem Vertrage von Sevilla bestehen, ja sie nahm infolge von Reibungen in Handelsinteressen beständig zu. So sandte z. B. England 1735 eine Flotte nach Portugal, als Spanien eine Differenz mit diesem Staate hatte, weil der englische Handel hier sehr beteiligt war. Vor allem aber trug der Schmuggelhandel in Westindien und Zentralamerika dazu bei. Die engherzige Beschränkung des Handels der spanischen Kolonien mit anderen Ländern, während das Mutterland selber nicht für ihre Bedürfnisse sorgte, mußte zum Schmuggelhandel führen. Diesen betrieben besonders die Engländer, indem sie ihren auf dem Assientovertrage beruhenden rechtmäßigen Handel einem unerlaubten dienstbar machten (siehe Seite [576] und [601]). Der Zustand war den Kolonisten günstig und wurde von ihnen, sogar von den Gouverneuren, gefördert, aber die Regierung erlitt Verluste und fühlte sich verletzt; sie ergriff Maßregeln zu strengerer Überwachung. Hierbei ging sie oft zu schroff, ungesetzmäßig und grausam vor, aber auch die englischen Seefahrer führten ihre Sache nach dem Grundsatz ihrer früheren großen Freibeuter: „no peace beyond the line.“ Wir werden im nächsten Abschnitt näher hierauf eingehen; hier genüge es, zu sagen, daß gerade Reibungen dieser Art, von den Widersachern Walpoles noch geschickt benutzt, das englische Volk 1739 bis zur Kriegserklärung gegen Spanien brachten.