Oft war dann der Verkehr mit Europa völlig unterbrochen, aber auch in Friedenszeiten war er nur unter starker Bedeckung möglich. Das Seeräuberunwesen wuchs während des 17. Jahrh. ungemein schnell; 1680 sollen gegen 10000 Flibustier im westlichen Teile Haitis, ihrem Haupt- aber nicht alleinigen Sitz, gewohnt haben.

Sie hausten nicht nur auf See, sondern plünderten auch die Küsten. Fast in jedem Jahre unternahmen sie größere Züge, so z. B.: 1662, 1665, 1668 Einfälle in Kuba; Plünderungen von Veracruz 1683, von Campeche, Nicoya, Leon, Realeja 1685, von Guayaquil 1686, Cartagena 1690, Panama 1691 u. a. m. Oft wurden sie von den Engländern oder Franzosen unterstützt, von den erstgenannten z. B. bei den Einfällen in Kuba; wir sahen sie auch an Kriegszügen der Franzosen teilnehmen. Verschiedene Versuche der Kolonien Mexiko und Kuba, die Piratennester gänzlich zu zerstören, hatten selten und niemals anhaltenden Erfolg; erst als die Piraten auch den Engländern lästig fielen, wurde dem Unwesen gesteuert (Anfang des 18. Jahrh.).

Da die Regierung und der kleine beteiligte Kreis weiter allein Vorteil aus dem Handel ziehen wollte, blieb das Verbot des Verkehrs mit Fremden und der Kolonien unter sich bestehen. Beim Wachsen der Bevölkerung und ihrer Bedürfnisse nahm der Schmuggelhandel immer mehr zu, besonders in Kriegszeiten, wenn der Verkehr mit dem Mutterlande unterbrochen war und die Überwachung nicht streng durchgeführt werden konnte. Als im Spanischen Erbfolgekriege die Franzosen den Schutz der spanischen Kolonien mitübernommen hatten, benutzten sie auch die Gelegenheit zum Handel mit ihnen. Nach dem Frieden von Utrecht hörten die Angriffe auf und, da gleichzeitig auch die Seeräuber mehr im Zaum gehalten wurden, konnten die Kolonien aufatmen. Die Regierung versuchte zwar sofort, der Beteiligung der Fremden am Handel wieder ein Ende zu machen, aber jetzt wurde der unerlaubte Verkehr seitens Englands durch den Assientovertrag (siehe Seite [576]) begünstigt.

Die englischen Agenten, die infolge des Vertrages über die Negereinfuhr nach Kuba, Veracruz, Panama usw. gesandt waren, studierten genau Lage und Bedürfnisse der Kolonien und setzten den englischen Kaufmann in den Stand, massenhaft verbotene Ware einzuführen; besonders das Recht Englands, ein Schiff zum Markte von Portobello zu senden, begünstigte den Schleichhandel. Alle Gegenmaßregeln der spanischen Regierung fruchteten nicht, die Beamten ließen sich bestechen und die Kolonisten begünstigten den Schmuggel, auch die Gouverneure drückten gern ein Auge zu.

Wenn auch viele englische Schiffe und Waren beschlagnahmt wurden, so war die Zahl der Durchschlüpfenden doch größer, und in wenigen Jahren rissen die Engländer den ganzen Handel an sich. Für die Kolonien war dies vorteilhaft, ihr Handel blühte auf, aber die Regierung und das Mutterland wurden arg geschädigt. Als 1750 der Assientovertrag aufgelöst und gleichzeitig dem Verkehr mehr Freiheit gewährt wurde, betrug der Umfang des Handels zwischen Amerika und Europa 286 Millionen Pesos, davon entfielen 224 auf den englischen Schleichhandel, auf Spanien kamen also nur 22%. Das waren die Früchte der spanischen Prohibitiv-Handelspolitik.

Soviel über die Verhältnisse der spanischen Kolonien im allgemeinen. Auf den Inseln Kuba, Haiti, Portorico stand es noch ungünstiger, denn diese waren bei weitem nicht so bevölkert als die Festlandskolonien, da hier die Indianer ausgerottet und viele Eingewanderte nach dem Festlande weitergezogen waren; auch waren sie ja den Angriffen am meisten ausgesetzt. Sie wurden bald von den französischen und englischen Inseln überholt. Um die Mitte des 18. Jahrh. hatte Kuba 140000 und Spanisch-Haiti (4/5 der Insel) 40000 Einwohner aller Farben. Kuba exportierte etwa 46000 Ztr. Tabak und 5000 Ztr. Zucker; man vergleiche hiermit die Angaben für die englischen und französischen Besitzungen. Das doch nur schwach bevölkerte Spanisch-Haiti brachte nicht genug für den eigenen Bedarf hervor und mußte von Mexiko unterstützt werden, während Französisch-Haiti (nur 1/5 der Insel aber mit gegen 300000 Einwohnern, worunter 40000 Weiße) mehr als 6 Millionen Francs abwarf.

Spanien besaß 1740 in Amerika: Die Vizekönigreiche Mexiko und Peru, die Generalkapitanate Guatemala (Zentral-Amerika), Neu-Granada (mit Venezuela), Quito, Charcas (Bolivia), Argentinien und die Inseln Kuba, Portorico, Haiti (4/5). Verloren hatte es im letzten Jahrhundert: Jamaica, 1655 von Cromwell erobert; den westlichen Teil von Haiti, 1659 von Frankreich besetzt und 1677 als französischer Besitz anerkannt; verschiedene kleinere Inseln, die, nur schwach besiedelt oder gar nur beansprucht, nach und nach in die Hand anderer Völker übergegangen waren. Jamaica war, als wichtiger Stützpunkt für die westindischen Gewässer und auch gegen die Festlandsküste, ein schwerer Verlust.

England hatte in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrh. einige Inseln der Kleinen Antillen besiedelt (vgl. Seite [85]) sowie 1655 den Spaniern Jamaica abgenommen. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterte sich der Besitz und man kann wohl sagen, daß alle Inseln gediehen, besonders als die früh begonnene Negereinfuhr im 18. Jahrh. großen Umfang annahm. Einige Angaben mögen dieses veranschaulichen.

Barbados: Nach dem mißlungenen Angriff Ruyters 1665 blieb die Insel in den sonst so kriegerischen Zeiten verschont, dagegen nahmen ihre Milizen hervorragenden Anteil an Unternehmungen gegen französische Besitzungen. Zuckerindustrie und Handel blühten schnell auf; 1656 zählte man 25000 weiße Einwohner und einen jährlichen Verkehr von 100 Schiffen; 1753 bestand die Bevölkerung aus 20000 Weißen sowie 69000 Negern und 200000 Ztr. Zucker wurden ausgeführt.