Jamaica: Es war anfangs schwierig, festen Fuß zu fassen, da die mit ihren Negern in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten die Ansiedlungen bedrohten und auch verschiedene Wiedereroberungsversuche abgeschlagen werden mußten; erst im Jahre 1660 räumten die letzten Spanier die Insel; mit den Negern in den Bergen („Maroons“ genannt), die stets weiter durch entlaufene Sklaven verstärkt wurden, mußte noch 150 Jahre gekämpft werden. Nach Cromwells Tode wanderten viele seiner Anhänger ein; es wurde besonders Schmuggel mit Spanisch-Amerika, aber auch Seeraub, betrieben. Ein berühmter Flibustier, Morgan, führte sogar eine Zeitlang die Geschäfte des Gouverneurs und Karl II. soll am Gewinn teilgenommen haben. 1673 zählte man 8500 Weiße und 9500 Neger, der Zuckerrohrbau erreichte hier die höchste Blüte. 1694 wurde die Insel von den Franzosen geplündert. Mit Inkrafttreten des Assientovertrages wuchs die Negereinfuhr sehr; von 1709–1775 sind 472700 Sklaven eingeführt worden. 1744 betrug der Wert der Einfuhr von England 150000 Lstrl., der der Ausfuhr 600000 Lstrl. (500000 Ztr. Zucker, daneben Kaffee); man vergleiche dies mit den Angaben über Kuba und Spanisch-Haiti. 1775 waren 12700 Weiße, 4000 freie Neger und 19200 Sklaven auf der Insel.
St. Christopher (St. Kitts), 1625 von Engländern und Franzosen gemeinsam besiedelt, hatte während der Kriege viel zu leiden, da die beiden Völker sich mehrfach gegenseitig vertrieben und brandschatzten; erst 1713 ging die Insel in den alleinigen Besitz Englands über und blühte nun schnell auf. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren 2000 Weiße und 10000 Neger vorhanden. Von hier aus hatten die Engländer noch im 17. Jahrh. verschiedene der Leewardinseln in Besitz genommen: Nevis, Antigua, Montserrat. Von Antigua aus (der wichtigsten: 1741 gegen 3500 Weiße, 27000 Neger) wurden wieder Barbuda, Anguilla sowie die Virgin-Inseln besiedelt. Wie St. Christopher, so hatten auch die andern Leewardinseln während der Kriege unter dem wechselnden Waffenglück zu leiden.
Die Bermudas, 1612 besetzt, blieben von Angriffen verschont, sie zählten 1750 gegen 6400 Weiße und 5000 Neger. Auf den Bahamas ließen sich die Engländer 1646 zuerst nieder und, nach Vertreibung durch die Spanier, 1680 aufs neue. 1703 von Spaniern und Franzosen verwüstet, blieben die Inseln lange ein Sitz von Seeräubern und entwickelten sich erst langsam nach einer Strafexpedition 1717.
Auf dem Festlande war der englische Besitz nur gering. Versuche, sich an der Campechebay (Mexiko) festzusetzen, scheiterten. 1670 gelang es, eine Ansiedelung in Belize zu gründen, die von Jamaica aus geschützt und 1713 von Spanien anerkannt wurde. 1739 trat der sogenannte König der Mosquitoindianer sein Land an England ab (das jetzige Britisch-Honduras). Die Niederlassungen in Guayana — 1652 gegründet, 1654 durch Eroberung von französischem und 1665 von holländischem Besitz dort erweitert — waren 1664 und 1667 wieder geräumt worden.
Frankreich hatte unter Richelieu begonnen, in Westindien Niederlassungen zu gründen (Seite [90]), zuerst auf St. Christopher. 1635 wurden der Compagnie des îles de l'Amérique sämtliche zu kolonisierenden Inseln zwischen dem 10. und 30. Breitengrade als Eigentum zugesprochen; der König setzte nur Gouverneure und Richter ein, die Gesellschaft verpflichtete sich, binnen 20 Jahren 4000 katholische Franzosen anzusiedeln. Man wollte die Inseln nicht ausbeuten, sondern lebensfähige Kolonien gründen, allerdings sollten diese ihre Erzeugnisse nur nach Frankreich senden und nur von dort ihre Bedürfnisse beziehen. Von 1635–1651 waren in Besitz genommen: Guadeloupe, Martinique, Marie Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix. Französische Abenteurer setzten sich auf Tortuga fest, gingen von hier nach der Westküste Haitis hinüber und gründeten die Kolonie St. Domingue.
Es wurde schwer, Einwanderer zu finden. Man war genötigt, aufgegriffene Bettler und Arbeitsscheue, ja Sträflinge, hinzusenden, sogenannte Engagés, die die ersten drei Jahre nur für freie Station arbeiten mußten. Protestanten wurde die Einwanderung nicht gestattet, obgleich solche wohl gerade Neigung gehabt hätten, wie auch von England gern Dissidenten in die Kolonien gingen. Es lag dies im Zuge der Zeit, auch England litt keine Katholiken in seinen Niederlassungen, und Frankreich mußte besonders die Hinneigung der Hugenotten zu den Holländern und Engländern fürchten. 1642 zählte man 7000 Weiße auf den französischen Antillen.
Diese Niederlassungen blieben, St. Christoph ausgenommen, im Besitze Frankreichs und entwickelten sich trotz mancher Schwierigkeiten, wie nachstehende Angaben zeigen werden. Sie überstanden den Niedergang des französischen Seewesens während der Frondezeit; der Handel ging zwar in englische und holländische Hände über, die Kompagnie mußte ihren Besitz an Private verkaufen, aber Einwohnerzahl und Kultur wuchsen. Colbert versuchte die kolonialen Bestrebungen zu heben, zunächst auf dem Wege Richelieus. Eine neue Gesellschaft, die Compagnie des Indes occidentales, erhielt die Niederlassungen in Westindien, Nord- und Südamerika sowie in Westafrika als Eigentum. Diese sperrte wieder den Handel mit Fremden, zeigte sich aber auch nicht leistungsfähig: Es mangelte an Mitteln, weil das französische Kapital noch kein Vertrauen zu überseeischen Unternehmungen hatte; sie sandte nicht genug Waren hinaus und forderte zu hohe Preise. Unruhen waren die Folge und Engländer wie Holländer versuchten in den Kriegen 1665–1667 und 1672–1678 sich der Kolonien zu bemächtigen. Die Kompagnie ging 1674 ein, die Regierung übernahm selber die Verwaltung, Gesellschaften wurden nur für Handel zugelassen. Es war dies also ein vollkommener Wechsel in der Kolonialpolitik, aber recht eigentlich im Sinne Colberts, der so sein Bestreben, die Kolonien für das Mutterland nutzbar zu machen, schärfer durchführen konnte. Er gab den Handel für alle Franzosen frei, schloß die Fremden aber noch strenger aus; er bestimmte nach den Bedürfnissen Frankreichs, was gebaut werden sollte (Zucker, Tabak, Farbhölzer, Kakao); er sorgte für stärkere Negereinfuhr, aber nur durch Franzosen. 1683 hatte Französisch-Westindien 40000 weiße Einwohner und erzeugte schon Zucker über Frankreichs Bedarf. Nach Colberts Tode ging die Einwohnerzahl zurück infolge der durch die Jesuiten hervorgerufenen Ausweisung holländischer Juden und der harten Behandlung der Hugenotten, deren beider Einwanderung Colbert begünstigt hatte. Dies war um so empfindlicher für die Kolonien, weil gerade der Krieg 1688–1697 ausbrach und neue Angriffe der Engländer brachte. Der Wohlstand litt beträchtlich, weil die Verbindung mit dem Mutterlande meist unterbrochen war und auch die Negereinfuhr stockte. Der Krieg 1702–1713 hatte ähnliche Schwierigkeiten im Gefolge. Martinique, Guadeloupe, Marie Galante und St. Domingue waren, wie wir wissen, in den Kriegen vornehmlich den Angriffen ausgesetzt.
Nach dem Frieden von Utrecht begann dann aber der Hauptaufschwung, besonders in Haiti. Die Pflanzungen waren trotz der schweren Zeiten weiter gediehen, aber man litt unter der geringen Entwicklung des französischen Seehandels und unter Zollschwierigkeiten. Der Regent, Philipp von Orleans, griff durch die Gründung eines Conseil de Commerce bessernd ein; die Gründungen des Schotten Law mit ihren Folgen (die Compagnie des Indes), die friedliche Politik Fleurys äußerten ihre Wirkung. Wenn auch die Regierung ihre Kolonien zu sehr bevormundete, wodurch sogar Unruhen hervorgerufen wurden, trotz verschiedener Negeraufstände und obgleich der Seeraub noch nicht ganz aufhörte, wuchsen Bevölkerung und Wohlstand ganz ungemein. 1754 zählte Martinique 24000 Weiße (60000 Neger), Guadeloupe 10000 (50000), St. Domingue gar 40000 (230000). Die französische Bevölkerung Westindiens war also der englischen weit überlegen, von der spanischen gar nicht zu reden; die Ausfuhr hatte einen Wert von 150 Millionen Lire, der Seehandel beschäftigte 500 Schiffe.
Auf dem Festland besaß Frankreich, seit 1664, nur Cayenne, kurze Zeit 1676 von Holland besetzt. Auch diese Niederlassung schritt fort; 1730 gab es hier 20 Zuckerfabriken und große Kaffeeplantagen.