Holland besaß in Westindien nur Curaçao mit seinen kleinen Nebeninseln und von den Antillen St. Eustache, Saba, sowie die Hälfte von St. Martin und auf dem Festlande Surinam. Hollands Versuch, in Brasilien ein größeres Kolonialreich zu gründen, war gescheitert, wie wir wissen (vgl. Seite [88], Seite [198]).
Dänemark hatte zu den von ihm besiedelten virginischen Inseln St. Thomas und St. John 1733 noch St. Croix von Frankreich durch Kauf erworben.
Portugal besaß Brasilien. Bei der Schilderung der Kriege haben wir gesehen, daß diese Kolonie vielfach den Angriffen der Feinde Portugals und auch Spaniens, solange beide Staaten vereint waren, ausgesetzt gewesen ist: insbesondere denen der Engländer 1586–1604 (Seite [134]), der Holländer 1604–1640 (Seite [88]), der Franzosen im Spanischen Erbfolgekriege (Seite [556]). Über die inneren Verhältnisse der Kolonie genügt es, zu sagen, daß sie ähnlich wie in den spanischen lagen: Ausbeutung und Unterdrückung jeder Selbständigkeit im geistigen und wirtschaftlichen Leben seitens der Regierung; Ausschluß der Fremden; grausame Behandlung der Eingeborenen seitens der Kolonisten trotz aller Gesetze und aller Bemühungen der Jesuiten. Die Folge dieser Schäden waren häufige Unruhen, aber doch wurde die Kolonie bald wichtig für das Mutterland durch seine reichen Erzeugnisse, besonders an Zucker und Kaffee, und sie wurde es noch mehr, als man um 1700 Gold in größerer Menge sowie um 1730 ergiebige Diamantlager fand.
Nordamerika.
England hatte um 1648 die Küste von Virginia bis Maine besiedelt (Seite [85]), das diese Strecke unterbrechende holländische Neuniederland war 1664 erobert (Seite [252] und Seite [350]). 1663 wurde Karolina in Besitz genommen und im Frieden von Utrecht 1713 trat Frankreich an England Acadia (mit Ausnahme der Cap Breton-Insel) ab; 1732 begann die Besiedelung Georgias. Um die Mitte des 18. Jahrh. bestanden im Gebiet der heutigen Union die 13 englischen Kolonien, die sich später lossagten, nämlich: die vier nördlichen Kolonien, die sogenannten Neuenglandstaaten New Hampshire, Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die fünf mittleren New York, New Jersey, Delaware (die früher holländischen Niederlassungen), Pennsylvanien, Maryland; die vier südlichen Virginien, Nord- und Süd-Karolina, Georgia.
Die meisten dieser Kolonien hatten im letzten Jahrhundert durch immer wachsende Einwanderung an Umfang, Bevölkerung und Wohlstand ungemein zugenommen trotz mancher Schwierigkeiten. Diese bestanden nicht nur in fast ununterbrochenen Kämpfen mit den Indianern (den Leni-Lenape-Stämmen der Küste), die sich bald der Ausdehnung hartnäckig entgegensetzten und zum Vernichtungskampfe zwangen, in den Kämpfen mit den französischen Kolonien, und in den Streitigkeiten der Gemeinwesen unter sich, ehe die Grenzfragen einen gewissen Abschluß gefunden hatten, sondern auch wesentlich in Reibungen mit der englischen Regierung.[284]
Den älteren Kolonien hatte man anfangs eine ziemlich selbständige Verwaltung zugestanden, besonders denjenigen, die von Gesellschaften oder Vereinigungen gegründet waren — Massachusetts (Puritaner), Connecticut, Rhode-Island — aber auch denen, die an einzelne Personen vergeben waren (Eigentümerkolonien) — Maryland (Lord Baltimore), New York (Herzog von York), Pennsylvanien (William Penn) —, sowie denen, die frühzeitig Kronkolonien wurden, z. B. Virginia. Die Gemeinwesen wählten den Rat des Gouverneurs und ein Parlament, gaben sich selbst die Gesetze und zahlten nur geringe Abgaben an das Mutterland. Aber bald begann dieses die Kolonien von sich abhängiger zu machen; besonders die Stuarts Karl II. und Jakob II. entzogen ihnen viele Vorrechte und versuchten, sie für England oder die eigene Person auszunutzen. Nachteile im Handel und Wandel, Unzufriedenheit, selbst Unruhen waren die Folge.
Der Hauptkampf der Regierung ging naturgemäß gegen die Staaten mit der freiesten Verfassung: Massachusetts, Connecticut und die später in erstem aufgegangenen New Plymouth und Newhaven. Diese vier Kolonien waren ohne jede Beihilfe der Regierung gegründet und hatten sich schon zu einem Bunde, als Neuengland, zusammengeschlossen. 1686 ernannte Jakob II. einen Generalgouverneur über sie sowie über Newyork, das schon durch seine Thronbesteigung Kronkolonie geworden war, und Newyersey; gewaltsam wurden die alten Freibriefe überall eingezogen.
1688 war die Freiheit der Kolonien in großer Gefahr, sie begrüßten daher den Sturz Jakobs II. als eine Erlösung; überall verjagte man die Gouverneure und suchte den alten Freibriefen wieder Geltung zu verschaffen. Aber die Hoffnungen, die man auf Wilhelm III. und das jetzt allmächtige Parlament setzte, wurden nur in geringem Maße erfüllt. Kein englischer Staatsmann war geneigt, den Kolonien die alte Selbständigkeit wiederzugeben, man brauchte die Mittel, die man in den letzten Jahren aus ihnen bezogen hatte. Das Gebiet von Massachusetts, dem Hauptsitz der Opposition, wurde zwar durch Zuteilung von New Plymouth, Maine und Acadia vergrößert, aber nach einem neuen Gesetz wurden der Gouverneur und sein Rat vom Könige ernannt; der Gouverneur bestellte Offiziere und Beamte, ohne seine Genehmigung durften keine Gesetze gegeben, kein Geld verwendet werden. Die wichtige Kolonie kam so in fast gleiche Lage wie die bisherigen Kronkolonien; zu solchen machte man auch bald sämtliche Eigentümerkolonien, indem man Verlegenheiten der Besitzer benutzte. Den noch nicht so wichtigen Gemeinwesen, z. B. Connecticut und Rhode-Island, ließ man mehr Freiheiten.