Der Wohlstand Kanadas machte nur geringe Fortschritte. Das Land brachte zu wenig hervor; Minerale waren nicht gefunden worden, Ackerbau wurde wenig betrieben, die Fischerei war durch die Engländer teilweise lahmgelegt. Wichtig war nur der Pelzhandel, er hing aber von der Billigkeit der Tauschartikel ab. Diese waren von Frankreich bezogen zu teuer und England verbot die Einfuhr. Der Wert der jährlichen Ausfuhr an Pelzwerk betrug zwei Millionen Frank, hinzu trat nur noch ein etwa gleicher Betrag für Holz, Fische und Tran, während die Kolonie für acht Millionen europäische Erzeugnisse gebrauchte; sie litt stets an Mangel baren Geldes.
An dem besten Hafen der Insel Kap Breton wurde Louisbourg, die stärkste Befestigung Nordamerikas, als Schutz der Straße nach Quebec und der französischen Fischerei gebaut. Um der Kolonie neue Hilfsquellen zu erschließen und um dem Vordringen der Engländer vorzubeugen, wurden auf dem Wege zum Mississippi Stationen gegründet und Forts angelegt, z. B. Fort Frontenac 1721 am Niagara, worauf die Engländer sofort am Ontario das Fort Oswega bauten; das Fort Detroit zwischen Erie- und Huron-See; Vincennes am Wabash-Flusse; Pittsburg (1754); du Quesne am Lac Champlain. So entstand eine Kette von Befestigungen; von der Mündung des Mississippi nach Norden sollte der Anschluß erfolgen. Gleichzeitig drang man, weniger wichtig für uns, nördlich der großen Seen auf 50° Breite bis zu den Rocky-Mountains (1743) vor; man hoffte einen großen nach West laufenden Strom und damit einen bequemen Weg zum Stillen Ozean zu finden. Diese Ausbreitung führte auch während der Friedensjahre zu Grenzkriegen, die zwar meist von den Indianern ausgefochten wurden, deren Führer aber in Kanada und Neu-England saßen.
Die Einwohnerzahl nahm zu, aber nicht in dem Maße wie bei den englischen Kolonien; 1744 zählte Kanada etwa 50000 Weiße. Auch der Charakter der Bevölkerung war ein ganz anderer. Die militärische und mönchische Erziehung hemmte die Entwicklung persönlicher Unternehmungslust und freier Verbindung zu gemeinsamen Zielen. Die Kolonisten betrieben Handel und Landwirtschaft nur so weit, als es ihre Bedürfnisse erforderten, sonst lebten sie der Jagd und dem Waffendienst. Jedermann war ein Soldat, hierin lag eine Stärke der Kolonie. Die Kanadier haßten die englischen Kolonisten als Eindringlinge in ihren Besitz; als solchen faßte Frankreich das ganze Ohio- und Mississippital auf Grund der früheren Entdeckung auf. Daß die Erschließung und Besiedlung dieses großen Gebietes nicht mit mehr Erfolg vor sich gegangen ist, dürfte größtenteils darauf zurückzuführen sein, daß von seiten des an der großen Wasserstraße gelegenen Louisiana zu wenig geschah.
Louisiana war 1700 an der Mündung des Mississippi gegründet; frühere Versuche, im Süden Nordamerikas Fuß zu fassen, hatte Spanien verhindert, infolge der engen Verbindung mit Frankreich wurde es jetzt zugelassen. Die Franzosen erforschten den Fluß mit seinen Zuflüssen und gründeten als Hauptstadt La Mobile. Die Besiedlung schritt sehr langsam fort, 1712 waren erst 380 Weiße, zur Hälfte Soldaten, in fünf kleinen befestigten Posten dort; die Kolonie war Kanada unterstellt. 1717 wurde sie an die Compagnie d'Occident (später des Indes, die Schöpfung Laws) vergeben, die auch sofort umfassende Maßregeln für die Besiedlung ergriff. Noch im selben Jahre sandte man 69 Ansiedler und 3 Kompagnien Soldaten hinaus, 1718 folgten 800 Mann; der Regent erteilte zahlreiche Landkonzessionen mit Adelstiteln; New Orleans wurde als Sitz der Regierung gegründet. 1719 wurde Pensacola den Spaniern abgenommen, aber beim Frieden 1720 zurückgegeben. 1719 erhielt Law das Recht, Vagabunden als Ansiedler hinauszuschaffen. Bedeutende Fortschritte machte die Kolonie jedoch auch jetzt nicht: die Einwanderer waren minderwertige Leute, die in dem Klima nicht arbeiten wollten oder konnten (nur deutsche Bauern bei New Orleans erwarben bald einen bescheidenen Wohlstand); die Beamten waren unehrlich und liederlich; die Kompagnie hemmte die Kolonisten durch ihre Vorrechte, die Regierung verbot jede Industrie, die mit dem Mutterlande in Wettbewerb treten konnte; Kompagnie und Ansiedler legten sich mehr auf Suchen von Minen als auf Landbau. 1731 gab die Kompagnie ihre Rechte an die Krone zurück; sie behielt nur das Handelsmonopol gegen die Verpflichtung, die erforderlichen Waren und 500 Neger jährlich einzuführen. Um diese Zeit zählte man 5000 Weiße und 2000–3000 Neger.
Die Regierung ordnete nun die Verwaltung durch einen Conseil wie in Kanada an und hob die Einfuhrzölle für Waren aus Frankreich auf; die Kompagnie hatte mit 200% Aufschlag verkauft. Aber nur langsam hob sich die Kolonie. Die Kolonisten litten unter den Feindseligkeiten der Indianer, ihre Tätigkeit beschränkte sich erfolgreich nur auf ein kleines Gebiet am Meere und am Mississippi; die Hauptorte waren New Orleans und Natchez. Um die Mitte des 18. Jahrh. sollen gegen 20000 Einwohner vorhanden gewesen sein, doch erscheint diese Angabe unsicher.
Frankreich beanspruchte mit seinen Kolonien Kanada und Louisiana einen ungeheuren Teil Nordamerikas, dabei standen 1744 nur 80000 französische Kolonisten (hochgegriffen) einer Million englischer gegenüber; kein Wunder, daß der nun beginnende Kampf um die Herrschaft zugunsten der germanischen Rasse ausgefallen ist.
Spanien besaß in Nordamerika nur Florida, eine Bezeichnung, unter der man ein weites, ungenau begrenztes Gebiet um die Halbinsel gleichen Namens zusammenfaßte. Hier waren gegen die erwähnten früheren Ansiedlungsversuche der Franzosen St. Augustine (1563 vergl. S. [89]) und Pensacola (1696) gegründet.
Ostindien.
Die ungeheure Macht, die Portugal um 1540 in den indischen Gewässern gehabt hatte (Seite [63]), war schon bis 1640 durch eigene Schuld sowie durch das Auftreten Englands und Hollands dort sehr zurückgegangen (Seite [84], [86]).
Um 1640 war noch in portugiesischem Besitz: An der arabischen Küste Mascat, Ormuz war 1622 an die Perser, von England unterstützt, verloren; in Nord-Vorderindien Banda und Diu; an der Westküste Vorderindiens 20 Niederlassungen von Daman bis Quilon; an der Ostküste Negapatam und Masulipatam; in Hinterindien Malakka; von der Inselwelt nur Ceylon und Timor; in China Macao.