Bei der Schwäche der Bevölkerung und den geringen Hilfsmitteln des Landes lag das Geschick Kanadas in einem Kriege ganz in der Unterstützung durch die Seemacht Frankreichs, die sich entweder in unmittelbarer Beherrschung der benachbarten Gewässer oder in der Ablenkung des Gegners durch Bedrohung anderer Punkte äußern mußte. Von großer Bedeutung war hierbei der St. Lorenz-Strom, der den Zutritt bis zum Herzen des Landes gewährte; Neufundland und Neuschottland hatte Frankreich zwar schon verloren, aber es besaß in der Insel Breton mit der starken Feste Louisbourg noch den Schlüssel zum St. Lorenz-Golf. Im dritten, dem amerikanischen Befreiungskriege, gehörte Kanada England. Es bot ihm in Halifax einen Stützpunkt für die Seestreitkräfte und bildete für die anderen aufständischen Kolonien, da diese es weder zum Anschluß bringen noch erobern konnten, eine Grenze, die stets bewacht werden mußte.

Spanien besaß 1740 in Nordamerika außer Mexiko nur Florida, ungenau begrenzte weite Gebiete um die Halbinsel gleichen Namens; diese Kolonie blieb (auch als sie später in englischem Besitz war) während der Kriege von geringer Bedeutung.

In Westindien, Mittel- und Südamerika hatte Spanien die unter dem Namen „Spanisch-Amerika“ bekannten Länder im Besitz, sowie die Inseln Kuba, Portoriko und vier Fünftel von Haïti; Kuba mit etwa 140000, Haïti mit 400000 Einwohnern aller Farben. Frankreich besaß Guadeloupe (10000 Weiße, 50000 Neger), Martinique (24000 bzw. 60000), ein Fünftel von Haïti (40000, 230000) sowie[9] die kleineren Inseln Grenada, Marie Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix und auf dem Festlande Cayenne. Zu England gehörten Jamaika (etwa 10000 Weiße), Barbados (20000 Weiße, 69000 Neger) sowie die kleineren Inseln Nevis, Antigua, Montserrat, Barbados, Anguilla, die Virgin-Inseln, die Bermudas und die Bahamas (alle zusammen vielleicht 15000 Weiße). Man ersieht, daß die Einwohnerzahl der französischen Inseln die der englischen beträchtlich übertraf. Auf dem Festlande besaß England an der Küste von Honduras Niederlassungen (z. B. Belize, die Insel Roatan, am Kap Honduras, 1739 erworben), die besonders als Stationen für Holzausfuhr dienten.

Die Inseln Dominica, St. Lucia, St. Vincent und Tabago, auf die sowohl England wie Frankreich Anspruch gemacht hatten, waren vorläufig (1730) als „neutrale Inseln“, den Indianern gehörig, erklärt.

Man sollte nun annehmen, daß die Eroberung der fruchtbaren Inseln vom Gegner ein Hauptziel geworden wäre, aber mit Ausnahme des spanischen Wunsches, Jamaika dauernd wiederzugewinnen, scheinen solche Pläne nie ernstlich gehegt zu sein. Das zur See mächtigere England wurde wohl durch die größere Masse des Volkes mehr auf Nordamerika hingewiesen und die kleineren westindischen Inseln, aus denen der englische Besitz hauptsächlich bestand, sind einzeln zu klein, um sie ohne unbedingte Seeherrschaft erfolgreich behaupten zu können; hiermit aber konnten die Gegner Englands nicht rechnen. So wurde gegen die Inseln von beiden Seiten mehr der kleine Krieg geführt; man sah sie gewissermaßen wie Schiffe oder Konvois mit feindlichem Gute an. Sie gehen häufig von einer Hand in die andere über; sie werden angegriffen, um sie zu brandschatzen; die Garnisonen werden gefangen genommen und die Befestigungen zerstört, um den feindlichen Seestreitkräften ihre Stützpunkte zu rauben. Die beim Friedensschluß etwa noch besetzten werden aber meist wieder zurückgegeben; nur das Schicksal der sogenannten neutralen Inseln entscheidet sich in den Kriegen unseres Zeitabschnittes; sie wurden zwischen England und Frankreich verteilt. Die Tatsache aber, daß jede der großen Mächte in Westindien, diesem Brennpunkte des Handels, Besitzungen hatte, zog kleine Geschwader, wie auch besonders im dritten Kriege große Flotten dorthin; eine große Zahl der Seekämpfe spielt sich hier ab.

In Ostindien besaß England als Hauptniederlassungen Bombay, Madras und Kalkutta; Frankreich Mahé, Pondichery und Chandernagore (am Ganges). Dieser Staat hatte großen Vorteil durch Besitz der Inseln Isle de France und Bourbon, die als Zwischenstationen auf dem Wege nach Indien, sowie als Stützpunkte in der Nähe dieses Landes dienten. Beide Staaten wurden in Indien nur durch ihre Kompagnien vertreten. Diese waren zwar um 1740 noch nicht sehr stark, strebten aber gerade in dem hier behandelten Zeitabschnitt wetteifernd dahin, ihre Macht auszudehnen, und hinter ihnen standen die Regierungen ihrer Mutterländer; die Kriege wurden deshalb auch hier von Bedeutung und berührten gleichfalls die Philippinen, die einzige Besitzung Spaniens im fernen Osten.

Die holländischen Kolonien — in Westindien nur unbedeutend, in Ostindien, mit Ausnahme eines Kontors in Negapatam, auf die Inselwelt beschränkt — wurden erst im dritten großen Kriege in den Streit verwickelt, als Holland gegen England stand; sie spielten aber auch dann nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig wurde allein das Kapland, das nun den Franzosen als eine weitere Station auf dem Wege nach Indien zur Verfügung stand.

Die sonstigen Besitzungen der Staaten in Afrika waren lediglich Handelsstationen ohne militärischen Wert.

Die Kriege des vierten Abschnittes sind ferner beachtenswert für die Fortentwicklung der Taktik. Die Engländer treten in sie ein mit rein schematischer Durchführung gewisser kühner, aber unvorteilhafter Angriffsregeln, die außerdem sowohl den Oberbefehlshaber wie die Unterführer binden und lähmen. Die Franzosen bauen gegen diese Angriffe eine Verteidigungstaktik auf, mit Verwertung der jetzt auch erkannten Vorteile der Leestellung, führen diese aber gleichfalls nur schematisch durch, anstatt errungene Vorteile durch angriffsweises Vorgehen auszunutzen. Die Folge war, daß fast alle Schlachten unentschieden blieben. Erst gegen das Ende des Zeitabschnittes brechen bedeutende Führer beider Völker (Rodney und Suffren) mit dem Schematismus, und es kommt neues Leben in die Taktik; wie im dritten Abschnitt erscheint dann auch wieder ein aufsehenerregendes Werk (das des Schotten Clerk) über seetaktische Fragen.

In der Entwicklung der Streitmittel, der Schiffe und der Artillerie, zeitigt der Abschnitt nur wenige hervorragende Änderungen. Die Klassen der Schlachtschiffe werden in sich gleichmäßiger und man verwendet als solche in erster Linie Schiffe der bisherigen mittleren Größe (zu 74 Kanonen); die Fahrzeuge zu besonderen Zwecken werden bedeutend vermehrt, schwerere Fregatten erbaut. An Geschützen führen die Engländer die Karronaden als eine für den Nahkampf besonders wirksame Waffe ein.