Am genannten Tage legten sich die 50-Kanonenschiffe sowie 2 Fregatten um 11 Uhr vorm. auf etwa 330 Meter Entfernung in Linie parallel der Hauptfront und eröffneten ein schnelles, gutgerichtetes Feuer; sie wurden durch das Mörserboot unterstützt. Die Entfernung war jedoch zu groß, um Kartätschen verwenden zu können; die Vollkugeln drangen nicht durch den Wall, wenn auch zuweilen 3 bis 4 gleichzeitige Breitseiten diesen so erschütterten, daß die Verteidiger fürchteten, er würde nach innen fallen; die Bomben des Mörserbootes richteten keinen Schaden an, da sie entweder tief in den Sand eindrangen oder in einen Morast im Innern des Werkes fielen. Das Mörserboot wurde überhaupt bald durch Zusammenbrechen seiner Geschützbettung gefechtsunfähig. Die Amerikaner unterhielten ein ruhiges, mit Rücksicht auf den geringen Munitionsbestand sehr langsames Feuer nur auf die 50-Kanonenschiffe, welche sehr in der Takelage beschädigt wurden und starke Mannschaftsverluste erlitten. Die beiden anderen Fregatten sowie eine Sloop hatten das Fort passieren und im Westen desselben ankern sollen, um die kämpfenden Schiffe gegen Branderangriffe von der Stadt her zu decken und um die Hauptfront zu enfilieren. Sie liefen jedoch sämtlich auf einer Bank in der Mitte des Fahrwassers auf; zwei von ihnen kamen nach einigen Stunden bei steigendem Wasser frei, aber eine Fregatte mußte verbrannt werden, als der Kampf aufgegeben wurde. Nach Aussage der Verteidiger würden ihre Leute von den Geschützen vertrieben sein, wenn diese Schiffe die richtige Stellung eingenommen oder wenn die anderen Kartätschen hätten verwenden können. So verloren sie nur durch einige Schartentreffer 37 Tote und Verwundete, während der englische Verlust 94 Mann betrug; Parker wurde leicht, sein Flaggkapitän tödlich verwundet. Nach Eintritt völliger Dunkelheit, 9 Uhr abends, brach der Kommodore den Kampf ab und ging auf seinen Ankerplatz an der Barre zurück.

Parker hat wohl auf einen leichteren Erfolg und auch bis zuletzt auf Mitwirkung der Gelandeten gerechnet. Es wäre gar nicht nötig gewesen, das Werk zu nehmen, um nach Charleston zu gelangen. Bei dem Angriff 1780 liefen die Schiffe ohne Schwierigkeit an dem Fort vorbei und auch bei dieser Gelegenheit hatten die Verteidiger ein Gleiches erwartet.

Der Angriff wurde nicht erneuert, da die Schiffe sehr beschädigt und die Munitionsvorräte fast erschöpft waren. Es wurde auch sonst kein Versuch gemacht, sich ohne Rücksicht auf das Fort der Stadt zu bemächtigen; die Führer erachteten doch wohl das Landungskorps für zu schwach, um sich in der Kolonie halten zu können, da in dieser zahlreiche Milizen unter General Lee zusammengezogen waren. Die Expedition segelte nach der nötigsten Ausbesserung der Schiffe wieder ab und traf gerade rechtzeitig am 4. August vor New York ein, um an der Einnahme dieser Stadt teilzunehmen.

Der Angriff der Engländer von Kanada aus, 1776[127], hatte mehr Erfolg. Im April ward General Carleton aus seiner gezwungenen Untätigkeit in Quebec erlöst. Am 12. traf ein kleines Geschwader unter Kapitän Charles Douglas mit einigen Transportern an der Mündung des St. Lawrencestromes ein. Er preßte seine Schiffe durch das mürbe gewordene Eis den Fluß hinauf und erschien am 6. Mai vor der Stadt. Die Amerikaner hatten während des Winters unter Entbehrungen und Krankheiten schwer gelitten und Arnold verfügte nur über 1500 Mann. Carleton drang nun vor und Arnold wich langsam zurück; er traf am 3. Juli in Crownpoint ein, die Engländer folgten bis St. Johns. Sie wollten auf der Hudsonlinie bis Albany vorgehen, um hier dem Vorstoß von New York aus die Hand zu reichen; dies erschien durchführbar, da das Heer in Kanada mit dem Eintreffen der großen Verstärkungen aus Europa Ende Oktober fast 13000 Mann betrug, während die Amerikaner nur schwache Kräfte bei Crownpoint stehen hatten. Aber der Marsch an den Ufern des Champlainsees war wegen der völligen Unwegsamkeit des Geländes unmöglich, man mußte den Wasserweg wählen. Dies führte zu einem Kampfe um den See, und hierfür schufen sich beide Parteien eine Flottille. Bei ihrem Rückzuge hatten die Amerikaner sämtliche Fahrzeuge vom Norden mit sich genommen, so auch einen englischen Schoner aus St. Johns; vorläufig beherrschten sie den See.

Die Flottillen auf dem Champlainsee. Arnold hatte durch Briefe schon während seines Rückzuges den Bau von Fahrzeugen vorbereitet. Er ließ Schiffszimmerleute, Segelmacher sowie Material von der Küste nach Crownpoint kommen. Zwei Schoner zu 12 Kanonen waren bereits vorhanden; nun wurden noch ein Schoner, eine Sloop zu 10 und 3 Galeonen zu 6–8 und 8 Gondolas zu 3–5 Kanonen gebaut. Die 15 Fahrzeuge führten insgesamt 88 Geschütze und waren mit 700 Mann, allerdings meist Nichtseeleuten, bemannt. Die Galeren und Gondolas waren Ruderfahrzeuge, erstere auch zum Segeln eingerichtet, und führten ein oder 2 schwerere Geschütze im Bug. Die anderen Fahrzeuge hatten nur wenig schwere Geschütze (12- und 18-Pfünder), meist nur 4-Pfünder oder 9-Pfünder; die Munition war knapp. Die Schoner, die Sloop und 5 Gondolas waren Mitte August bereit.

War es für die Amerikaner schwierig, Material und Personal zu beschaffen, so konnten sie doch in genügend tiefem Wasser bauen. Den Engländern hingegen standen zwar die genannten Bedürfnisse durch das Geschwader in Quebec reichlich zur Verfügung, aber die Aufstellung im See machte Schwierigkeiten. Der Wasserweg von Quebec war für größere Fahrzeuge nur bis Fort Chambly am Richelieu-River, etwa zehn Seemeilen unterhalb St. Johns, schiffbar. Carleton und Douglas ließen nun in Quebec die Hölzer für zwei Schoner vorbereiten, sowie ein schon fertiges Vollschiff von 180 tons wieder auseinandernehmen; dieses Material wurde dann zu Wasser nach Chambly, von dort über Land nach St. Johns gebracht, um hier die Fahrzeuge zusammenzusetzen. Anfang Oktober waren bereit: 1 Schiff zu 18 Kanonen (12-Pfünder); zwei Schoner mit 14 oder 12 (6-Pfünder); 1 floßartiges Blockschiff mit 6 (24-Pfünder), 12 (6-Pfünder), 2 Haubitzen, allerdings ein sehr unhandliches Fahrzeug; 1 Gondola und 12 Boote mit je einem Geschütz, 24-Pfünder bis zum kleinsten Feldgeschütz hinab. Munition war reichlich vorhanden, und unter der 1000 Mann starken Besatzung der Flottille befanden sich 8 Offiziere nebst 700 ausgesuchten Matrosen der Kriegsschiffe in Quebec.

Schon Anfang September erschien Arnold mit 8 Fahrzeugen vor St. Johns, um den Gegner zu beobachten und das Fahrwasser zu sperren, er konnte sich aber hier nicht halten, als die Engländer an den Ufern Batterien errichteten. Er ging deshalb bis etwa 14 Seemeilen südlich des Forts zurück und nahm hinter der Insel Valcour — zwischen Grand-Island und dem Weststrande des Sees, wo jetzt Platsburg liegt — Stellung; hier sammelten sich nach und nach die 15 Fahrzeuge seiner Flottille. Als am 10. Oktober Meldung vom Nahen des Feindes eintraf, riet der nächstälteste Offizier, unter Segel zu gehen und ein Rückzugsgefecht zu führen, um nicht von beiden Seiten angegriffen zu werden; Arnold glaubte jedoch, daß er dann sicher vernichtet werden würde, da der Gegner durch Größe und Schnelligkeit der Schiffe überlegen war. In der engen Straße, in der er sich befand, war er gegen Norden durch eine Untiefe gedeckt, und glaubte bei einem Angriffe von Süden günstige Aussichten für den Kampf zu haben, da fast stets nördlicher Wind wehte, der Gegner also aufkreuzen mußte und seine Fahrzeuge voraussichtlich ohne Ordnung und nur einzeln heranführen konnte. In der Hauptsache kam es auch so.

Gefechte auf dem Champlainsee am 11. und 13. Oktober 1776. Am 11. Oktober in der Frühe passierte Carleton, als seemännischer Führer unter ihm Kommander Pringle mit der englischen Flottille die Straße zwischen Grand- und Valcour-Island bei frischem Nordostwinde. Als er die Amerikaner entdeckte, ging er gegen den Wind zum Angriff vor, aber das Vollschiff vermochte in der Enge kaum zu manövrieren, und das Blockschiff sowie die Gondolas kamen überhaupt nicht zum Kampf. Arnold ging ihm mit einem Schoner und den Galeren entgegen, während die anderen Fahrzeuge in Halbmondformation vor Anker blieben; es entspann sich ein blutiges Gefecht, das von 10 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit dauerte. Der vorderste englische Schoner mußte schwer beschädigt zurückgehen, 3 Kanonenboote sanken, und die Engländer verloren gegen 40 Mann. Die Amerikaner büßten den vorgeschickten Schoner, der auf Valcour strandete, eine Gondola und 60 Mann ein, doch waren auch die anderen Fahrzeuge beschädigt und die Munition erschöpft.

Bei Einbruch der Nacht ankerte Carleton in einer die Straße im Süden absperrenden Linie, um am nächsten Tage das Vernichtungswerk zu vollenden oder die feindlichen Schiffe zur Übergabe zu zwingen. Über Land konnten ihre Besatzungen nicht entweichen, da die englische Flottille von Indianertrupps begleitet war, die schon vom Lande her mit Gewehrfeuer in den Kampf eingegriffen und auf Valcour die Leute des gestrandeten Schoners unter den üblichen Martern getötet und skalpiert hatten. Arnold aber führte während der dunkeln Nacht und in nebeligen Morgenstunden seine Schiffe, eins dicht hinter dem anderen, unbemerkt durch die feindliche Linie und erreichte Schuylers Island, einige Meilen südlicher, wo er durch Gegenwind zum Ankern gezwungen wurde. Zwar setzte er noch am selben Tage die Flucht fort, ward aber am 13. Oktober von den Engländern eingeholt und mußte nach hartnäckiger Gegenwehr eine Galere und vier Gondolas verbrennen. Er deckte die Ausführung selbst mit einer Galere und verließ diese erst, als auch sie gut in Brand war; mit den Besatzungen erreichte er trotz der Indianer glücklich Crownpoint. So war zwar die amerikanische Flottille nahezu vernichtet, aber das Vorgehen der Engländer kam doch für dieses Jahr zum Stehen. Die Amerikaner zogen sich nach Ticonderoga zurück; Carleton führte seine Truppen zunächst nach Crownpoint, ging aber dann wieder nach St. John und bezog hier Winterquartiere. Er hielt die Jahreszeit nicht mehr für geeignet, die starke Stellung bei Ticonderoga anzugreifen. Der rechtzeitige Bau der amerikanischen Flottille, die Schwierigkeit, selber eine solche aufzustellen, aber auch wohl der hartnäckige Widerstand Arnolds hatten den Plan der Engländer vereitelt.