Die Engländer bemächtigten sich ferner noch der Narragansett-Bucht, mit ihren Inseln Rhode-Island, Conanicut und Prudence, sowie der Stadt Newport. Am 1. Dezember 1776 ging ein Geschwader von fünf 50-Kanonenschiffen nebst acht kleineren Fahrzeugen unter Sir Peter Parker mit 7000 Mann unter General Clinton nach dort ab und besetzte Newport am 8. ohne Widerstand. Hierdurch ward den Amerikanern ein wichtiger Ausgangspunkt für ihre Kreuzer gegen die englischen Zufuhren genommen, die Engländer aber gewannen einen vorzüglichen Stützpunkt für ihre Seestreitkräfte. Die Narragansett-Bucht war der geräumigste und sicherste Ankerplatz an der ganzen Küste, zu jeder Zeit ohne Rücksicht auf Ebbe und Flut zugängig; von ihr aus waren die wichtigsten Städte der Kolonien — Boston, New York, Philadelphia — in wenigen Tagen zu erreichen.

Das Jahr 1776 hatte den Engländern also wesentliche Erfolge gebracht. Bei ihrer Überlegenheit kann man diese aber kaum hoch einschätzen, und selbst englische Quellen sagen, daß der Bathorden, den Howe erhielt, nie leichter verdient war. Und noch im Dezember traten Rückschläge ein. Anstatt die Erfolge auszunutzen und gegen Philadelphia vorzugehen, ließ Howe Winterquartiere beziehen und erfreute sich selber der Annehmlichkeiten New Yorks. Der Feind gewann Zeit zur Erholung und Rüstung.

Der Kongreß hatte eingesehen, daß die Schaffung eines stehenden Heeres nötig sei, und ordnete als Kern eines solchen die Aufstellung einer Anzahl Bataillone an, deren Mannschaften sich auf drei Jahre verpflichteten. Die Offiziere wurden nicht mehr von den Soldaten gewählt, sondern durch die einzelnen Staaten ernannt. Für Offiziere und Soldaten wurden Prämien an Geld sowie Grundeigentum ausgesetzt, aber man verschärfte auch die Dienstvorschriften, und Washington erhielt mit dem Titel Brigadier-General größere Vollmachten. Doch alle diese Beschlüsse trugen nur allmählich ihre Früchte, und es fehlte nach wie vor an Geld.

Washington zog bald aus der Sorglosigkeit der Engländer in ihren Winterquartieren Nutzen. Am 25. Dezember ging er nachts über den eistreibenden Delaware, überfiel bei Trenton drei hessische Regimenter, machte gegen 1000 Gefangene und zog sich wieder zurück. Acht Tage später erschien er nochmals am selben Orte; diesmal aber stieß er auf den tüchtigen General Cornwallis, wich ihm indessen durch einen geschickten Nachtmarsch aus und überraschte bei Princetown vier englische Regimenter, denen er schwere Verluste beibrachte. Die Folge dieser Siege sowie weiterer klug berechneter Bewegungen war, daß Howe seine Truppen mehr auf die Stadt New York, bis nach New Brunswick, zurückzog und Washington im mittleren, hügeligen Teile von New Jersey eine gute Stellung einnehmen konnte, die den Weg von New York nach Philadelphia flankierte.

Für 1777 hielt die englische Regierung an dem Kriegsplane des Vorjahres fest und beauftragte General Burgoyne, der an Carletons Stelle getreten war, wiederum mit einem Angriff von Kanada aus. Burgoyne brach Ende Juni von St. Johns mit 10000 Mann — 8000 Reguläre, darunter viele Braunschweiger, der Rest kanadische Milizen und Loyalisten der Neuenglandstaaten — nebst einer starken Artillerie sowie Indianerhorden auf und erschien am 2. Juli vor Ticonderoga. Die Amerikaner wurden bald zum Rückzuge gezwungen, den sie unter großen Verlusten auf dem Wasserwege antraten und bei dem die englische Seenflottille am 6. Juli den Rest der amerikanischen vernichtete. Die erstere fand ferner nur noch Verwendung zur Schaffung und Deckung eines Nachfuhrdepots auf dem Georgesee; Burgoyne setzte seinen Marsch nicht auf dem Wasserwege fort, sondern drang durch die Wildnis vor. Dies war fehlerhaft, denn er mußte angesichts des allerdings nur schwachen Feindes — anfangs unter Schuyler, später unter Gates — Wege bahnen, Bäume fällen und Brücken über Flüsse, Moräste, Schluchten bauen. Er gelangte erst am 30. Juli nach Fort Edward am Hudson, noch etwa 40 englische Meilen von Albany entfernt. Hier mußte er längere Zeit verweilen, um die Verpflegung sicherzustellen, wobei kleine abgezweigte Abteilungen empfindliche Verluste erlitten; erst Mitte September drang er weiter vor.

Am 19. stieß er bei Stillwater (20 Meilen von Albany) auf General Gates mit 5000 Mann. Das Gefecht blieb zwar unentschieden, aber Burgoyne wurde doch festgehalten und war mit Rücksicht auf die nach und nach erlittenen Verluste, auf viele Kranke sowie Mangel an Proviant genötigt, am 9. Oktober den Rückmarsch nach Fort Edward anzutreten. Man beziffert seine Verluste auf 4000 Mann, worin aber wohl die kanadischen Milizen eingerechnet sind, die ihn nach Stillwater größtenteils verlassen hatten; auch die Indianer waren abgezogen. Am 10. Oktober wurde er bei Saratoga mit nur noch 6–7000 Mann, darunter viele Kranke, vom Feinde eingeschlossen; Gates hatte von Washington bedeutende Verstärkungen erhalten und alle Übergänge über den Hudson vor und hinter den Engländern besetzt. Burgoyne konnte auf Unterstützung von New York her nicht hoffen; seit drei Wochen waren seine Leute auf halbe Rationen gesetzt und dadurch erschöpft, der Proviant reichte nur noch auf 5–6 Tage. Er mußte die Waffen strecken. Besonders wertvoll für den Gegner war die erbeutete Artillerie.

Die Kapitulation bei Saratoga am 17. Oktober 1777 wurde dadurch bedeutungsvoll, daß sie Frankreich auf die Seite der Amerikaner führte. Sie wog reichlich die Erfolge auf, die Howe auf dem anderen Kriegsschauplatze erzielte, und sie würde vermieden sein, wenn dieser General dem Kriegsplane der Regierung entsprechend gehandelt hätte.

Der Angriff auf Philadelphia 1777. Der ausdrückliche Befehl für Howe, den Hudson hinauf vorzudringen und Burgoyne die Hand zu reichen, war zwar in London ausgefertigt, aber nicht rechtzeitig abgesandt worden[129]. Howe hielt es nun aus politischen Gründen für richtiger, den Angriff auf Philadelphia als Sitz des Kongresses und wegen der günstigen Volksstimmung in Pennsylvanien zu erneuern. Aber auch diesen betrieb er lässig, obgleich Washington anfangs nur schwach war.

Der Zuzug zu Washingtons Heer blieb zunächst gering und es litt unter mangelhafter Verpflegung sowie schlechten Quartieren; im März zählte es nur 4500 Mann. Nun trafen allerdings aus Frankreich Geld, Material und Menschen ein, so langte im Mai Lafayette mit seinen Begleitern an und wurde sogleich zum amerikanischen General ernannt. Dies schuf aber auch neue Schwierigkeiten. Die Milizen wollten nicht unter fremden Führern dienen und viele amerikanische Offiziere traten aus. Es bedurfte großen Taktes sowie unerschöpflicher Geduld auf seiten Washingtons, hier zu vermitteln und die verschiedenen Elemente dem Gemeinwohle dienstbar zu machen.