Bis zum Juni blieb Howe in New York; als er dann den Vormarsch beginnen wollte, war Washington gegen 10000 Mann stark geworden und ließ sich nicht aus seiner festen Stellung zur offenen Schlacht hervorlocken. Trotz seiner Übermacht von insgesamt 30000 Mann wagte der englische General ihn nicht anzugreifen, scheute sich aber auch, mit dem Feinde in der Flanke durch New Jersey auf Philadelphia vorzudringen; er beschloß, über See den Delaware hinaufzugehen und segelte mit 14000 Mann in etwa 250 Transportern am 23. Juli von Sandy Hook ab. Admiral Howe deckte den Transport mit 5 Linienschiffen (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiffe und 10 kleineren Fahrzeugen; der Rest des Heeres blieb unter Clinton in New York und auf Rhode-Island. Washington, der nicht annehmen konnte, daß Howe von dem Plane der englischen Regierung abgehen würde, hielt die Bewegung nur für eine scheinbare, um ihn aus der Stellung zu locken, und rührte sich nicht.
Am 31. Juli stand die englische Expedition vor der Delaware-Bucht; da der Fluß unterhalb Philadelphias gesperrt war, beschloß man, am Nordende der Chesapeake-Bucht zu landen. Infolge Gegenwindes und Stillen gelang dies erst am 25. August und erst Anfang September begann der Vormarsch auf genannte Stadt. Washington, der schließlich doch zu ihrer Deckung herbeigeeilt war, hatte am Brandywine, einem bei Wilmington in den Delaware fallenden Fluß, mit 14000 Mann Aufstellung genommen, ward aber hier am 11. September umgangen und völlig geschlagen; das englische Heer hatte nach seinem Abzuge aus New Jersey Verstärkung erhalten. Abermals verfolgte Howe seinen Sieg nicht und die Amerikaner konnten sich wieder sammeln. Er besetzte am 26. Philadelphia, wobei eine amerikanische Fregatte vernichtet wurde; Washington zog sich in die nahen Wälder zurück, machte am 3. Oktober noch einen erfolglosen Vorstoß und nahm dann eine feste Stellung bei Valley-Forge, unweit Philadelphia ein. Auch Howe bezog Winterquartiere.
Die englischen Seestreitkräfte hatten inzwischen auch noch den Delaware als kürzesten Zufuhrweg für das Heer bei Philadelphia freigemacht. Admiral Howe war nämlich am 14. Dezember mit dem Geschwader und den Transportern von der Chesapeake-Bucht nach der Mündung des genannten Flusses gegangen. In diesem hatte der Feind zwei Linien von Sperren gelegt und durch Batterien am Ufer gedeckt; Howe sandte ein Linienschiff, 2 Fregatten und 2 Sloops den Fluß hinauf. Die unterste Sperre ward leicht aufgeräumt und die Batterien genommen. Schwieriger war die Überwältigung der oberen Stellung etwa 10 englische Meilen unterhalb Philadelphias. Hier befanden sich auf dem Ostufer das Fort Redbank und am Westufer ein Werk auf einer kleinen Insel, Mud-Island; zwei schwimmende Batterien sowie eine Anzahl von Galeren und Branderflößen verstärkten die Linie.
Ein Angriff der Engländer am 22. Oktober wurde sowohl zu Lande wie auf dem Wasser abgeschlagen; das Linienschiff und eine Sloop kamen auf Grund und wurden verbrannt. Man baute nun Batterien am Lande und armierte sie mit Schiffsgeschützen. Mud-Island fiel jedoch am 15. November hauptsächlich dadurch, daß die andere Sloop und eine schwimmende Batterie mit schweren Geschützen am Westufer entlang segelten und die Kehle des Werkes bedrohten; in der Nacht räumten die Amerikaner das Werk und gaben auch Redbank am 21. auf. Die englischen Schiffe drangen nun nach Philadelphia vor und vernichteten hier eine zweite Fregatte sowie fünf kleinere Fahrzeuge der eben geschaffenen amerikanischen Marine.
Unter Beihilfe der Kriegsschiffe hatte endlich noch General Clinton am 3. Oktober mit einigen Fregatten und 3000 Mann von New York einen Vorstoß den Hudson hinauf unternommen. Er zerstörte leicht alle Uferbefestigungen, Depots und Fahrzeuge, auch zwei Kriegsschiffe und kam in einer Woche nach Westpoint; von hier gelangte ein Teil der Truppen auf kleinen Fahrzeugen bis auf 40 englische Meilen an Albany heran, gerade als Burgoyne von Stillwater den Rückzug antrat. Dieser hatte mehrere Boten mit der Nachricht über seine Lage an Clinton abgesandt, von denen allerdings nur einer sein Ziel erreichte. Clinton hielt sich aber für weiteres Vorgehen zu schwach und kehrte nach New York zurück. Verschiedene Autoren behaupten, er habe die Kapitulation von Saratoga doch wohl hindern können. Jedenfalls zeigt sein leichtes Vordringen, daß Howe mit seiner ganzen Macht die Vereinigung bei Albany erreicht haben würde; er hätte es dann zwar auch mit Washingtons Heere zu tun gehabt, im Besitze des Flusses aber seine Übermacht gut zur Geltung bringen können.
Der Nutzen der englischen Seestreitkräfte 1777 war bei sämtlichen Unternehmungen groß gewesen; sie hatten die Landtruppen an den Ort ihrer Verwendung gebracht, deren rückwärtige Verbindungen gesichert und auch in die Kämpfe eingegriffen. Daneben kreuzten einzelne Kriegsschiffe gegen feindliche Handelsfahrzeuge und Kreuzer, nicht nur an den Küsten Nordamerikas, sondern auch in den westindischen und europäischen Gewässern; seit 1776 gab England auch Kaperbriefe aus.
Die amerikanischen Seestreitkräfte[130] dehnten den Kleinen Krieg, der 1775 durch Freibeuter der einzelnen Staaten begonnen war, schon 1776 keck weiter aus. Am 17. Februar 1776 verließ das erste amerikanische Geschwader von 6 Fahrzeugen (vgl. Seite [225]; 2 Schoner blieben zurück) unter Kommodore Hopkins den Delaware und segelte nach den Bahama-Inseln, um dort aufgespeicherte englische Kriegsvorräte wegzunehmen. Auf der Insel Abaco bemächtigte sich Hopkins der Küstenfahrzeuge und führte auf ihnen 300 Mann nach New Providence hinüber, in der Hoffnung, diese Insel zu überraschen. Die Garnison war jedoch auf ihrer Hut, so daß die Landung unter Deckung durch die größeren Kriegsschiffe erzwungen werden mußte. Dann wurden die Forts erstürmt, gegen hundert Kanonen sowie viel Material erbeutet und bei der Rückfahrt, Mitte März, der Gouverneur nebst angesehenen Einwohnern als Geiseln mitgenommen, da England alle auf amerikanischen Kaperschiffen gemachten Gefangenen für Piraten erklärte und sie, wenn auch nicht gerade hängte, doch sehr schlecht behandelte.
Die Kriegsschiffe, zu denen bald Neubauten oder Neuerwerbungen traten, wurden einzeln oder in Gruppen zum Kleinen Kriege verwendet, auch die Zahl der Freibeuter wuchs ungemein. Beide machten den Engländern an der Küste Nordamerikas und in Westindien viel zu schaffen, 1777 erschienen sie sogar in der Biskaya und bei England. In Westindien fanden sie Zuflucht auf den französischen und holländischen Inseln, in Europa stützten sie sich auf französische Häfen. In diesen verkauften sie ihre Prisen; um die Neutralität Frankreichs wenigstens scheinbar zu wahren, ward der Kauf auf offener See abgeschlossen und das Geld dem amerikanischen Gesandten in Paris ausgezahlt. Dieser Krieg führte zu vielen Gefechten, in denen auch kleinere englische Kriegsschiffe genommen wurden, doch büßte die schwache amerikanische Marine im Laufe der späteren Jahre so viel Schiffe dabei ein, daß sie trotz aller Neubauten nie größere Macht erlangen konnte. Der englische Handel erlitt jedoch bedeutenden Schaden. In den Jahren 1776/77 wurden 560 englische Kauffahrer aufgebracht, während die Engländer nur 60 Handelsschiffe und 24 Freibeuter wegnahmen. Auf den westindischen Inseln trat schließlich Mangel an Sklaven und an Nahrungsmitteln ein; die Einfuhrartikel stiegen sehr im Preise, die der Ausfuhr fielen entsprechend; die Versicherung der Schiffe ging auf 23%. Der Gesamtschaden des Handels durch unmittelbaren Verlust oder Behinderung betrug in diesen Jahren über 1½ Millionen Lstrl.
Das Jahr 1778 brachte bis zur Teilnahme Frankreichs am Kriege nichts von Bedeutung. General Howe blieb auch noch im Frühjahr, bis auf kleinere Vorstöße zur Verproviantierung, untätig in den Winterquartieren, obgleich Washingtons Streitkräfte in traurigster Verfassung waren. Wo die Engländer standen und wohin sie kamen, wandte sich nämlich die Mehrheit der Bevölkerung von ihm ab; er erhielt von ihr weder Nachrichten noch Lieferungen. Sein Heer verlor während des Winters so viel Leute durch Krankheit und Fahnenflucht, daß es im Februar nur noch 5000 Waffenfähige neben 4000 Kranken zählte, die kaum die nötigste Kleidung hatten. So mußte auch er sich darauf beschränken, seine Truppen zu verstärken und zu verbessern[131].
Anfang Mai bekam er Nachrichten aus England, daß wegen des Erscheinens einer französischen Flotte die plötzliche Räumung Philadelphias nötig werden würde. Er zog daraufhin einen Teil seiner Kriegsschiffe in der Delaware-Bucht zusammen und verlud sämtliche Vorräte der Truppen bei Philadelphia bis auf den Bedarf für 14 Tage auf Transporter.