Im Juli 1742 jagte ein englisches Linienschiff 5 spanische Galeren, die Kriegsvorräte längs der Küste nach Italien bringen wollten, in den französischen Hafen von St. Tropez und vernichtete sie durch einen Brander, als sie auf ihren Verfolger feuerten; wenige Monate später wurde diese Stadt mit Beschießung bedroht, falls sie zwei dort eingelaufene spanische Transporter beherbergen würde. „Die Vernachlässigung der Marine“, so klagen französische Schriftsteller „hatte es dahin gebracht, daß Frankreich dieses alles dulden mußte.“
Wie erwähnt, hatte der König beider Sizilien Hilfstruppen für Spanien nach Norditalien gesandt. Im Juli 1742 schickte Mathews den Kommodore William Martin mit einem kleinen Geschwader, 4 Kriegsschiffe und 3 Mörserboote, nach Neapel. Martin erschien dort am 19. August mit der Forderung, diese Truppen zurückzurufen und verlangte unter Androhung einer Beschießung der Stadt Antwort binnen einer halben Stunde. Der König konnte nun zwar in der kurzen Frist nicht erreicht werden, da er auf einem Landgute weilte, erfüllte aber schon am 20. das Verlangen. 1759 bestieg er als Karl III. den spanischen Thron; die Erinnerung an die Vergewaltigung in Neapel zog ihn nun in den beiden nächsten Kriegen auf die Seite Frankreichs. — Martin zerstörte bald darauf im genuesischen Alassio Magazine für das spanische Heer. Ferner wurden durch englische Schiffe spanische Transporter in den Häfen der katalonischen Küste vernichtet; 1743 mußte ein Linienschiff im Hafen von Ajaccio in die Luft gesprengt werden, um den Engländern nicht in die Hände zu fallen, und Genua ward gezwungen, die Ladung von 15 spanischen Transportern, die von Majorka aus in seinen Hafen eingelaufen waren, nach Corsica zu schaffen, wo die Vorräte bis zum Friedensschluß lagerten.
1744. Endlich, im Jahre 1743, raffte Frankreich sich auf, als es nach Fleurys Tode das Bündnis mit Spanien erneuert hatte; man faßte sogar nun große Pläne für einen Seekrieg: Vertreibung Englands aus dem Mittelmeer, Wiedereroberung Minorkas und Gibraltars für Spanien; die Vereinigung sämtlicher Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern, um hier die Seeherrschaft zu erringen und durch einen Einfall in Großbritannien die Familie Stuart wiedereinzusetzen, jedenfalls England zum Zurückziehen seines Heeres vom Festlande zu zwingen.
Versuch einer Landung in England 1744. Im November 1743 begannen die Rüstungen hierfür. Prinz Karl Eduard (vgl. Seite [53]) sollte mit 16 Bataillonen Infanterie und vier Schwadronen Dragoner — insgesamt gegen 15 000 Mann — unter dem Marschall Moritz von Sachsen in 32 Transportern von Dünkirchen nach der Themsemündung, wenn möglich nach London, übergeführt werden, der Lieutenant-Général Comte de Roquefeuil mit der Brestflotte — 19 Linienschiffe und 5 Fregatten — die englischen Seestreitkräfte festhalten, sowie Einschiffung und Überfahrt des Heeres decken. Am 6. Februar 1744 verließ diese Flotte Brest, wurde aber etwa 10 Tage durch Gegenwind beim Kap Lizard festgehalten. Ein englischer Kreuzer, der vor Brest lag, hatte schon das Auslaufen des Feindes gemeldet, ein Begleitschiff eines Konvois nach Westindien brachte wenige Tage später die Nachricht von seinem Erscheinen vor dem Kanal nach London. In England scheint man zwar vorher über den französischen Plan nicht genauer unterrichtet gewesen zu sein, da man sich aber auf den Krieg mit Frankreich vorbereitet hatte, so vermochte man rechtzeitig eine überlegene Flotte an den Downs zusammenzuziehen; nämlich 49 Segel, darunter 21 Linienschiffe von 60 Kanonen aufwärts. Sir John Norris, der sie kommandierte, ging jedoch dem Feinde nicht entgegen, da er fürchtete, dieser könne ihm bei Nacht oder unsichtigem Wetter vorbeilaufen.
Admiral Thomas Mathews.
Am 27. Februar war Roquefeuil bei der Insel Wight; hier zweigte er, seiner Order entsprechend, 4 Linienschiffe und eine Fregatte nach Dünkirchen ab, denen insbesondere die Deckung der Einschiffung und Überführung zugedacht war, er selber sollte die englischen Schiffe festhalten. Am 4. (oder 5.) März ankerte er, durch mehrtägigen Sturm aufgehalten, bei Dungeness. Hier trat ihm am nächsten Tage die englische Flotte entgegen; zum Glück für die Franzosen war sie jedoch genötigt, wegen schwachen Windes zu ankern, als sie schon auf sechs Seemeilen heran war, weil die Flut einsetzte. Der sofort berufene Kriegsrat des französischen Geschwaders beschloß, das Unternehmen aufzugeben. Bei Eintritt der Ebbe und gleichzeitig der Dunkelheit ging man schleunigst unter Segel und hatte das Glück, daß mit der Ebbe starker nordwestlicher Wind aufkam, der bald zum Sturm wurde. Als Norris am andern Morgen die Flucht des Gegners bemerkte, war keine Aussicht mehr, ihn einzuholen. Die Franzosen erreichten, wenn auch mehr oder weniger vom Sturm beschädigt, Brest; nur die Wetterverhältnisse hatten sie aus einer argen Klemme befreit. Die nach Dünkirchen abgezweigten Schiffe waren am 29. Februar dort angekommen und man hatte sogleich mit der Einschiffung der Truppen begonnen. Die Leute mußten mit Fischerbooten und Küstenfahrzeugen an Bord der auf der Rhede liegenden Transporter gebracht werden, was schon bei mäßig starkem Wind und Seegang sehr gefährlich war. So richtete der Sturm am 6. und 7. März natürlich viel Unheil an; mehrere Boote sowie auch Transporter sanken oder wurden auf den Strand geworfen. Als die Nachricht vom Rückzug der Flotte eintraf, schiffte man die Truppen wieder aus und die Kriegsschiffe gingen nach Brest.
So war der Plan eines Einfalls in England gescheitert; ähnlich wie die früheren war er aussichtslos gewesen. Wenn auch England beträchtliche Seestreitkräfte im Mittelmeer und in Westindien hatte, so verblieben ihm doch genug, um Roquefeuil mit Erfolg entgegenzutreten.
Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744. Im Mittelmeer war inzwischen die erste Seeschlacht geschlagen. Lieutenant-Général de Court erhielt im November 1743 Befehl, das spanische Geschwader nach Genua (oder nach spanischen Häfen?) zu geleiten; Admiral Navarro war jedoch nicht geneigt, in See zu gehen und auch die französische Flotte scheint noch nicht bereit gewesen zu sein. Erst im Januar 1744 unternahm de Court eine kurze Erkundungs- oder Übungsfahrt vor dem Hafen, bei der er von Mathews höflich salutiert wurde. Dieser hatte kurz vorher in Turin, wo er über gemeinsames Handeln mit dem Landheer beriet, die falsche Nachricht erhalten, die Brestflotte sei in See gegangen und die französisch-spanische Flotte wolle auslaufen, um sich mit ihr zu vereinigen. Er zog deshalb alle Schiffe im Mittelmeer bei den Hyèrischen Inseln zusammen, übernahm selber die Leitung der Blockade von Toulon und trat der feindlichen Seemacht entgegen, die am 19. Februar auf die äußere Rhede gegangen war und am 21. in See erschien. Der französische Oberbefehlshaber hatte, wie der Admiral d'Antin 1740 in Westindien, Anweisung, nur zu fechten, wenn er angegriffen würde; die Instruktionen des englischen Admirals werden diesem dagegen auch den Angriff gestattet haben.