Ansons[47] Zug 1740–1743, berühmt wegen der Ausdauer seines Führers unter den schwierigsten Verhältnissen. 1739 wurde beschlossen, die spanischen Kolonien auch vom Stillen Ozean her anzugreifen. Kapitän Anson sollte diese Expedition führen, doch lief sie, wohl infolge der rückständigen Verwaltung der Marine, erst am 18. September 1740 aus. Sie bestand aus dem Flaggschiff zu 60 („Centurion“), 2 Schiffen zu 50, 1 zu 40, 1 zu 28 Kanonen und einer Sloop; die Schiffe zu bemannen war so schwierig gewesen, daß auf 500 ältere Halbinvaliden zurückgegriffen werden mußte, die aber sämtlich auf der Reise starben. Das Geschwader hatte eine Reihe der schwersten Stürme abzuwettern, als es Kap Hoorn in der schlechtesten Jahreszeit umsegelte; es wurde zerstreut, das eine 50-Kanonenschiff und das 40-Kanonenschiff gingen nach[71] England zurück. Das Flaggschiff erreichte am 11. Juni 1741 die Insel Fernandez (Küste von Chile); es hatte 130 Kranke an Bord und schon 200 Mann begraben. Hier stieß der Rest der Schiffe in ähnlichem Zustande zu ihm, das 28-Kanonenschiff war jedoch an der chilenischen Küste gestrandet. Nachdem die Besatzungen sich erholt hatten, begann Anson vor den spanischen Kolonien zu kreuzen. Er machte verschiedene wertvolle Prisen und plünderte die Stadt Payta. Im Dezember erreichte er die Insel Coiba vor dem Golf von Panama. Seine Absicht war, den von Westindien ausgehenden Unternehmungen die Hand zu reichen, als er aber von deren Fehlschlagen die Nachricht erhielt, beschloß er, durch den Stillen Ozean zu segeln, um der Galeone, die jährlich zwischen Manila und Acapulco in Mexiko fuhr (daher oft „Acapulcoschiffe“ genannt), den Weg zu verlegen. Zunächst kreuzte er zu diesem Zwecke mit seinen zwei Kriegsschiffen — die Sloop war als seeuntüchtig aufgegeben — und drei seiner Prisen, die armiert worden waren, vor Acapulco.

Am 5. Mai 1742 setzte er den Kurs auf China, nachdem den Gefangenen die Prisen überlassen waren. Bald mußte er auch das letzte Schiff wegen Seeuntüchtigkeit verbrennen, und auf dem Flaggschiff brach der Skorbut aus, der viele Opfer forderte. Nach einer Erholungszeit auf den Ladronen erreichte Anson Macao, wo er überwinterte. Im Frühjahr 1743 nahm er dann das Kreuzen gegen die Galeone bei den Philippinen wieder auf, und es gelang ihm wirklich, diese am 20. Juli zu fangen. Nach anderthalbstündigem, hartnäckigem Kampfe wurde sie genommen und in ihr fast 1½ Millionen Dollar Wert an Münze sowie Silberbarren gefunden. Über China heimsegelnd, traf Anson am 15. Juni 1744 in Spithead ein. Der Zug hatte zwar keine militärischen Erfolge, rief aber Schrecken und Bestürzung in den spanischen Kolonien hervor; die Kenntnis der ostasiatischen Gewässer wurde durch ihn erweitert, weshalb man ihn mehr zu den Entdeckungsreisen rechnet. Hervorzuheben ist endlich, daß eine große Zahl der an ihm beteiligten Seeoffiziere sich später im Siebenjährigen Kriege hervorragend auszeichnete, wie es ihr Führer im Österreichischen Erbfolgekriege getan.

Der Krieg in den europäischen Gewässern 1740–1744.

Den Krieg mit Spanien führte England zunächst sehr lau. Wenn auch nach der langen Friedenszeit in der Marine nicht alles so stand, wie es hätte sein sollen, so besaß es doch eine derartige Übermacht, daß es wohl weit tatkräftiger hätte vorgehen können.

1740. Vom Mittelmeer aus nahm der Kontreadmiral Haddock nach der Kriegserklärung die Blockade von Cadiz auf, als er aber durch den Zustand seiner Schiffe gezwungen war, im Frühjahr nach Port Mahon zu gehen, das man außerdem von den spanischen Häfen am Mittelmeer bedroht glaubte, fanden die in Cadiz liegenden spanischen Schiffe Gelegenheit zu entschlüpfen; wie erwähnt, langten sie in Westindien teils direkt, teils über Ferrol unter Admiral de Torres an. Im Juli, als man die Schwäche der Spanier genauer erkannt hatte, wurde ein Teil der englischen Mittelmeerflotte nach der Heimat zurückgezogen.

Von England aus wurde im April ein Geschwader entsandt, um die heimkehrende Silberflotte abzufangen. Diese (Admiral Pizarro, vgl. Seite 61) war jedoch durch ein ihr entgegengesandtes Schiff gewarnt, setzte ihren Kurs auf Kap Ouessant und lief wohlbehalten in Santander ein, während das englische Geschwader auf dem sonst üblichen Wege Madeira-Cadiz kreuzte. Spanien entsandte gegen dieses eine stärkere Macht, doch kehrten die Engländer unbelästigt nach dem Kanal zurück. In Spithead war nach und nach eine starke Flotte unter dem Admiral of the Fleet Sir John Norris[48] zusammengezogen — 21 Linienschiffe zu 60–100 Kanonen —, deren „geheime Order“ aber auch jetzt noch unbekannt ist. Einige Quellen glauben, Ferrol hätte angegriffen werden sollen, da man die Anwesenheit der zahlreichen spanischen Schiffe dort mit einem Gerücht in Verbindung gebracht habe, nach dem Spanien einen Einfall in Irland zugunsten des Kronprätendenten Jakobs III. ins Werk setzen wollte. Wahrscheinlicher ist es, daß die Flotte nur die Schiffahrt vor und in dem Kanal sichern und für alle Fälle (auch gegen Angriffe von Frankreich?) bereit gehalten werden sollte. Tatsächlich hat sie 1740 den Kanal nicht verlassen.

1741 lief Norris mit der Kanalflotte im Juli sowie im Oktober aus und kreuzte an der Nordküste Spaniens, wobei jedoch nur einige kleinere Prisen gemacht wurden. Im Mittelmeer schlugen sogar zwei wichtige Unternehmungen fehl. Frankreich hatte im Juli in Toulon 12 Linienschiffe (50–74 Kanonen) unter Lieutenant-Général de Court in Dienst gestellt, um sich mit 16 spanischen Schiffen unter Admiral Don José de Navarro zu vereinigen und dann 15000 Mann von Barcelona nach Norditalien zu führen (vgl. Seite [51]); die englische Flotte sollte dies hindern. Aber Haddocks Kreuzer ließen die Spanier aus Cadiz entschlüpfen und sichteten sie erst beim Cap de Gata. Als dann die Engländer herankamen (am 19. Dezember neuen Stils), war die Vereinigung mit den Franzosen vor Barcelona schon erfolgt. Der Kriegsrat auf der nur etwas über halb so starken englischen Flotte glaubte sowohl von einem Angriff wie selbst von weiterem Folgen absehen zu müssen, da man der Neutralität der Franzosen nicht sicher war. Die französisch-spanische Flotte führte den Truppentransport von Barcelona die französische und italienische Küste entlang nach Genua und Toskana; sie ging dann nach Toulon, wo sie am 22. Februar 1742 eintraf.

Das französische Geschwader war, was Schiffe und Besatzungen anbetrifft, in mangelhaftem Zustande. Die Verfassung des spanischen muß aber, nach französischen Angaben, ganz trostlos gewesen sein: „Die Schiffe verfallen; die Mannschaft halb nackt und halb verhungert; viele Kranke; Monate waren nötig, um das Geschwader in einigermaßen brauchbaren Zustand zu setzen.«

Die englische Flotte war auch kaum imstande, den Handel wirksam zu schützen. Da ist es nicht zu verwundern, daß die Fehlschläge im Mittelmeer im Verein mit den Mißerfolgen der kostspieligen Unternehmungen in Westindien, sowie der Verlust des Handels dort das englische Volk gegen die laue Kriegführung Walpoles aufbrachten und dadurch dessen Rücktritt herbeiführten. England trat jetzt offen für Österreich auf.

1742 und 1743 gewann die Kriegführung im Mittelmeer etwas mehr Leben. Im Februar 1742 traf eine bedeutende Verstärkung unter Kontreadmiral Lestock ein, der das Kommando für den erkrankten Haddock übernahm, und Spanien mußte die geplante Absendung eines neuen Truppentransportes vorläufig aufgeben. Bald darauf, im Mai, wurde der Vizeadmiral Mathews Oberbefehlshaber im Mittelmeer. Dieser führte nun während 22 Monaten eine strenge Blockade von Toulon durch, hinderte weiter die Verstärkung der spanischen Armee in Italien und übte auch einen Druck auf das Königreich beider Sizilien aus. Der Admiral lag mit der Flotte stets segelfertig in Villafranca, eine Division unter Lestock blockierte von den Hyèrischen Inseln aus Toulon; man erklärte, es gälte nur dem spanischen Geschwader dort, aber man nahm auch dahin bestimmte französische Handelsschiffe weg. Die Franzosen brachten die Befestigungen in Kriegszustand, zogen die Schiffe in den innern Hafen zurück und sperrten die Einfahrt.