Der Angriff auf Santiago hatte aber noch weniger Erfolg als der auf Cartagena. Die Landung ging zwar ohne jede Störung vor sich, auch zeigten sich keine nennenswerten spanischen Truppen zwischen dem Landungsplatze und der Stadt, aber dennoch drang man kaum halbwegs bis zu dieser vor. Obgleich der Admiral Unterstützung durch die Flotte zusagte, erklärte es der General in Übereinstimmung mit seinen Offizieren für unmöglich, weiter vorzugehen: das Gelände sei zu dicht bewaldet; die Wege seien für den Transport der Geschütze zu schlecht; die Leute litten zu sehr unter Krankheiten. Vernon erkundete nochmals persönlich Santiago; er sah aber die Unmöglichkeit ein, allein von See her etwas zu erreichen, und fand auch keine geeignete Landungsstelle in der Nähe der Stadt. So mußte er auch seinerseits das Unternehmen aufgeben. Ende November wurden die Truppen wieder eingeschifft und die Flotte segelte nach Jamaika zurück; an Krankheiten hatte die Expedition mehr Leute verloren, als wahrscheinlich ein rasches, tatkräftiges und darum erfolgreiches Vorgehen gekostet haben würde.
Inwieweit bei diesem Mißerfolge das schlechte Verhältnis zwischen den beiden Führern von Einfluß gewesen ist, läßt sich nicht ersehen. Vernon hatte schon nach Cartagena um seine Ablösung gebeten und wiederholte die Bitte jetzt unter lebhafter Beschuldigung Wentworths, der „wechselnder als der Mond sei“. Trotzdem ließ man beide im Kommando, tadelte sie nur in milder Weise und ermahnte sie zu besserem Einvernehmen.
Angriffe der Engländer 1742 und 1743. Auch in den beiden nächsten Jahren wurden noch einige ebenso erfolglose Angriffe auf Küstenstädte angesetzt; wir können uns darüber kurz fassen, weil sie kaum erwähnenswert sind[46]. Im Januar 1742 gebot Wentworth durch Nachschub aus England wieder über etwa 3000 Mann; man plante jetzt eine Landung bei Puerto Belo, um von dort nach Panama vorzudringen. Die Uneinigkeit zwischen dem General und Vernon verzögerte die Ausführung, erst am 28. März traf die Expedition in Puerto Belo ein; die Stadt wurde zwar leicht besetzt, dann aber gab man das Unternehmen auf, weil die Landoffiziere es für unausführbar erklärten. Auch ein ehemaliger Filibustierführer, der als gut unterrichtet in den Verhältnissen mitgenommen war und der einige Hundert Mosquito-Indianer (vom jetzigen Britisch-Honduras, den Engländern wohlgesinnt) anwerben sollte, riet nach näherer Erkundung ab.
Nach diesem Fehlschlage wurden endlich Vernon und Wentworth abberufen, Vernon mit einem Teil der Truppen. Den Befehl auf der Station übernahm Admiral Ogle, dem auch die zurückgebliebenen Soldaten unterstellt wurden. Die einzigen Erfolge dieses Jahres waren die Inbesitznahme und Besiedlung der Insel Roatan in der Honduras-Bucht und die Abwehr eines Landungsversuchs der Spanier von Florida aus in Georgia. Im Februar 1743 sandte Ogle den Kapitän Knowles, der sich unter Vernon ausgezeichnet hatte und von diesem öfters mit wichtigen Aufträgen betraut war, mit 5 größeren Schiffen (50–70 Kanonen) und 5 kleineren gegen La Guayra. Die Vorbereitungen hatten jedoch lange gedauert, so daß die Spanier Zeit gewannen, ihre vernachlässigten Befestigungen zu verstärken. Der hohe Seegang unter der Küste hinderte sowohl ein nahes Herangehen der Schiffe wie auch eine Landung. Eine Beschießung am 18. Februar mußte abgebrochen werden; die Stadt und ihre Verteidiger hatten zwar sehr gelitten, aber auch die angreifenden Schiffe waren schwer beschädigt und büßten gegen 400 Tote und Verwundete ein.
Nachdem Knowles seine Schiffe in Curaçao ausgebessert hatte, wandte er sich gegen Puerto Cabello, das jedoch noch besser auf seinen Empfang vorbereitet war. Die Hafeneinfahrt war gesperrt und wurde durch ein starkes Fort beherrscht, zu dessen Unterstützung man noch zwei Behelfsbatterien erbaut hatte. Die Besatzung zählte 300 Soldaten, 1200 Seeleute von den im Hafen liegenden Schiffen sowie zahlreiche Neger und Indianer, insgesamt gegen 5500 Mann. Knowles erachtete die Behelfsbatterien für ungünstig angelegt und leicht zu nehmen, aber für geeignet zur Verwendung gegen das Fort; er beschloß, sie zunächst zu erobern. Sie wurden am 16. April beschossen, nachts landeten dann 400 Matrosen, 400 Seesoldaten und 400 Landsoldaten. Die eine Batterie wurde leicht gestürmt, als sie aber von den anderen Befestigungen Feuer erhielten, trat Verwirrung unter den Gelandeten ein. Die Abteilungen beschossen sich gegenseitig und gingen dann in wilder Flucht zu ihren Booten zurück. Bei einer Beschießung am 24. verbrauchte man fast die gesamte Munition, ohne die Befestigungen niederzukämpfen. Ende des Monats segelte die Expedition nach Jamaika zurück. — Dies war das letzte derartige Unternehmen.
Von 1744 an, als Frankreich offen in den Krieg eintrat, verlor Westindien seine Bedeutung als größerer Kriegsschauplatz. Die Seestreitkräfte der Gegner hielten sich hier bis 1747 ungefähr die Wage und erst 1748 gewannen die Engländer das Übergewicht. (Vgl. „Der Krieg in den Kolonien. Westindien“.)
George Lord Anson.
Der Kleine Krieg in Westindien. Infolge des Zusammenhaltens der englischen Seestreitkräfte zu den fruchtlosen Angriffen auf spanische Städte litt der englische Handel in den westindischen Gewässern sehr. Zwar brachten auch englische Kreuzer und Kaper manche spanischen Kauffahrer auf, aber bei dem umfangreicheren englischen Handel und der weit größeren Zahl der spanischen Freibeuter fiel die Bilanz im Kleinen Kriege doch zum Nachteil Englands aus.