„Und doch ist der Stein im Rollen! Ich komme aus Bochara. Überall in Zentral-Asien zieht man unsere Truppen auf Kriegsfuß zusammen. Im Kaukasus rüstet man. Auf allen Bahnhöfen zwischen Wolga und Ural trifft man Vorbereitungen. Aus dem östlichen Sibirien sind unsere Truppen schon auf dem Marsch...“
„Von der Krim aus wird der Herrscher Paraden abhalten. In Odessa. In Nicolajeff. In Cherson. Alle diese Divisionen kommen auf Kriegsstärke und bleiben es! Aber gehen wir, Pawel Antonowitsch!“
Sie schritten die weite Kremlterrasse entlang. Unten rauchten schmutziggraue Wasserflächen der Moskwa zwischen den morschen Resten der Eisdecke. Bäche von Tauwasser durchfurchten den fußdicken gefrorenen Straßenschlamm. Es triefte von den Dächern. Der kurze Kampf zwischen russischem Sommer und Winter hatte begonnen, und der General sagte:
„Die Zeit ist gekommen. Wir haben sie seit Jahren genutzt. Unsere Kriegsausrüstung ist unermeßlich — war noch nie da. Nichts wurde diesmal verabsäumt. Nun — was ist?“
Der Staatsrat und Kammerherr Morskoi neben ihm hatte den rechten Handschuh abgestreift. Kurzatmig und wohlbeleibt, eilte er doch, so rasch es die Pfützen gestatteten, quer über den Zarenplatz auf das Kleine Palais zu, wo ihm vom Fußsteig her ein hellblonder schlanker Mann in den Dreißigern lässig lächelnd mit der Rechten herüberwinkte. Es war eine fast gönnerhafte Gebärde. Dabei trug der drüben nicht einmal irgend eine Uniform des russischen Tschin, sondern eine schwarze Krimmermütze, einen nach europäischer Art geschnittenen, schwarzen Krimmer-Paletot, Pariser Bügelfaltenbeinkleider über den Lackgaloschen. Auch sein Gesicht war westlicher geschnitten als das des Andern: schmal, nervös, lebhaft, mit großen, grauen Augen. Der blonde Schnurrbart war auf englische Weise gestutzt. Darunter das ironische und liebenswürdige Lächeln eines Weltmanns. Der General Schiraj frug:
„Was ist das für ein Vogel da drüben?“
„Ein Vogel? Erbarmen Sie sich! Das ist doch Schjelting!“
„Schjelting?“
„Nun ja doch! Nicolai Wassiljewitsch Schjelting!“
„Nun weiß ich nicht mehr als vorher!“ sagte der General ruhig.