„Und wohin, gnädige Frau?“

„Auf ein paar Tage nach Cowes. Von da mit der Yacht meines Schwagers zu den Festlichkeiten nach Kiel.“

„Werden Sie dort Ihr Fräulein Schwester sehen?“

Sie stutzte, daß er schon wieder von Inge anfing. Sie erwiderte zögernd:

„Kann sein, daß sie von Lübeck herüberrutscht! Soll ich ihr vielleicht bestellen, daß Sie ihr sehr böse sind?“

„Oh Gott — ich kenne sie ja kaum!“ sagte Nicolai Schjelting hastig und abwehrend, verbeugte sich und eilte davon.

Hannah Higgins schaute ihm kopfschüttelnd nach. Sie hatte sich vor ihm gefürchtet gehabt. Noch als sie mit ihrem Mann am nächsten Tag, von der Mündung der Medina her, die Rhede von Cowes entlang schritt, sagte sie:

„Denke Dir, ich kriege diesen Russen von gestern früh nicht aus dem Kopf. Er war mir direkt unheimlich. Ich weiß nicht warum. Dabei muß das Geschöpf die ganze Nacht durchgebummelt haben. Er hatte noch eine schiefsitzende, weiße Binde um, und unterm Mantel guckten die Frackzipfelchen raus.“

Professor Higgins hörte nur zerstreut zu. Ein Ausländer interessierte ihn nicht. Er war belebt, wie nur ein richtiger Brite bei Seebrise und Salzluft. Auf der Terrasse des Yacht-Clubs, am Ende der Marine, saßen in blauen Mützen und Jacken die Admirale und Sportsmen. Auf dem blauen Becken des Solent schossen wie weiße Sturmvögel die Segelyachten der Lords, in der Ferne qualmten Dreadnoughts-Geschwader vor Portsmouth, Mittags gab es zum Lunch noch Hummern — was wollte der Mensch mehr? Er rieb sich befriedigt die Hände: „Well, Hannah!“ sagte er. „Übermorgen stechen wir nach Kiel in See!“