„Als vor zwei Jahren die Balkanvölker gegen Stambul drängten, sah ich jeden Morgen nach dem Marmara-Meer. Es war leer bis zu den Prinzeninseln. Die englische Flotte war nicht da. Vielleicht ist sie überhaupt nicht mehr da. Gott allein weiß es!“
„Aber...“
„Aber die Deutschen waren da. Die Offiziere, die sie uns sandten, haben mit uns gekämpft und geblutet. Dem Kaiser tausend Jahre!“
„So? Nun wartet nur, was kommt!“
Der Hausherr stand auf.
„Effendi! Wir werden es bestehen!“
Noch im Landauer war Schjeltings Antlitz gelb vor Galle. Er warf seine angerauchte Papyros einem bettelnden Syrerknirps, der sich auf das Trittbrett geschwungen, an den Kopf. Steht es so um Euch, messieurs les Turcs? Eh bien!... Unerhört: Ein Bey — rien qu’un simple bey... der mich verabschiedet ... mich ... Nicolai von Schjelting... Das ist ja schon fast der Krieg...
Dann erhellte mit einem Schlag das gewohnte, hochmütige und selbstzufriedene Lächeln sein unruhiges Gesicht. Er mußte sogar über den kaffeebraunen Bengel lachen, der das Wurfgeschoß, die Zigarette von vorhin, grinsend weiterpaffte. Recht so! Jedes Ding hat seine gute Seite. Jetzt erst fiel ihm wieder ein, was der Hauptmann Halim Bey zwischen Tür und Angel den Hauptmann Isebrink gefragt: „Wann gehen Sie nach Mesopotamien?“
Nach Mesopotamien ging man nicht als glücklicher Freier. Dorthin ließ man auch keine Frau nachkommen. Nicolai Schjelting setzte sich behaglich in der Wagenecke zurecht und dachte: Also bist Du abgeblitzt, mein Lieber! Gründlich abgeblitzt in Wiesbaden!... Haha —! Umso besser für mich! Das ist mehr, als ich zu hoffen wagte! Das ist ein Sieg! Ein Sieg vor der Schlacht!