Es war ihm, als hätte er persönlich einen Triumph davongetragen. Es schien ihm eine gute Vorbedeutung für die große, allgemeine Kraftprobe der Zukunft. Er konnte Beides nicht mehr trennen: sich und das heilige Rußland. Er vermengte es in dem gemeinsamen Ziel: Deutschland besiegen — Deutschland erobern. Er sagte sich: Ich darf nicht warten, bis der Krieg aufflammt. Ich muß als Einzelner dem Ganzen vorauseilen. Mein Eisen muß ich vorher schmieden. Sowie ich hier fertig bin, fahre ich nach Wiesbaden...
Nordwind vom Bosporus her kühlte an diesem Abend die Glut der beiden Weltteile an seinen Ufern. Das Perapalasthotel war noch offen. Nicolai Schjelting speiste da mit dem Fürsten Tschewadse und anderen Freunden. Sie tranken reichlich den lauwarmen französischen Champagner. Auch Schjelting, gegen seine Gewohnheit. Der Sekt hob seine Siegesstimmung.
„Neues aus Wien, Fürst?“
Nein. Auf der russischen Botschaft war noch nichts bekannt. Man entzifferte dort eben Depeschen aus Belgrad. Dicht daneben, in der österreichischen Botschaft, war auffallendes Leben. Viel Verkehr nach dem Boulevard Ayas Pascha, dem Sitz der deutschen Botschaft. Nun — mochten sie... Als man aufbrach, um hinüber in den Cercle d’Orient zu gehen, fühlte Nicolai Schjelting, daß sein Kopf heiß war. Das hinderte ihn nicht, im Klub eine Gruppe jüngerer Diplomaten um sich zu versammeln und sie in seinem weichen, leise lispelnden und affektierten Französisch durch seine Antithesen zu verblüffen. Es waren allerdings nur die Kleinen von den Seinen: ein Portugiese, ein Argentinier, ein Brasilianer — einerlei — er hörte sich sprechen...
„Die Wurzel des Übels heißt Preußen!“ sagte er. „Belieben Sie, das Wappen Preußens zu betrachten! Es führt als Schildhalter einen wilden Mann. Einen nackten Barbaren. Geben Sie ihm eine Pickelhaube zu seiner Keule, so haben Sie den Militarismus!“
Die Südamerikaner ließen sich mit offenem Mund belehren. Schjelting machte eine wegwerfende Handbewegung in der Richtung nach Stambul.
„Daher die Seelenfreundschaft mit dem Halbmond da drüben. Der Wilde Mann und der Kranke Mann gehören zusammen. Der Lahme trägt den Blinden. Ein edles Paar. Aber die Menschheit wird sich dagegen erheben. Unser Muschik, in dem die Seele Rußlands schlummert, wird der Vollstrecker ihres heiligen Willens sein!“
Staunende Stille um ihn.
„Wir Russen vertreten den allslawischen Gedanken. Er reicht von der Adria bis zum Amur... Seit drei Jahrtausenden erfüllt die romanische Mittelmeerkultur Europa und giebt auch Ihren edlen lateinischen Staaten in Süd-Amerika, meine Herren, Sprache und Geist. Den Rest der Erde beherrscht das Angelsachsentum. Beglückwünschen wir uns dazu! Aller guten Dinge sind drei.“