Nicolai Schjelting durchmaß wieder zerstreut den Raum.
„Man wird das ordnen! Überlassen Sie das mir! Ich stehe gut genug mit dem Heiligen Synod. Ich erreiche am Petersplatz, was ich will. Ich brauche nur Zeit...“
„Madame de Schjelting wünscht im Gegenteil, so bald wie möglich...“
„Sie hat sich zu gedulden! Nicht darauf kommt es jetzt an. Nicht solche Händel liegen jetzt in Gottes Wille!“
„Mein Gott: Sie erschrecken mich!... Woher diese plötzliche Wildheit...“
„Ah ... ich bin Russe! Ich habe jetzt wichtigere Dinge im Kopf als Euch! Ich gebiete Schweigen. Nach dem Krieg wird man entscheiden!“
„Nach dem Krieg... Sie glauben doch nicht an Krieg...“
„Eh, Maître Nicolas?... Gut: dann glaube ich auch nicht an die Heilige Dreifaltigkeit und die Mutter Gottes von Kasan!“
„Je nun: Man glaubt, was man wünscht!“
Der Advokat lehnte sich in einer höflichen und lächelnden Abwehr zurück. Er sah kraft seines Amts in viele Brüsseler Herzen und Häuser. Er kannte seine Belgier. Er war selber Einer. Gewiß: Man war ein neutraler Kleinstaat und baute dabei mitten im Lande die größten Festungen der Erde gegen Deutschland. Man lehnte sich an den französischen Panzergürtel an; man unterschrieb geheime Abmachungen in London; man spielte mit dem Feuer und erzählte sich davon bei Gelegenheit auf der Getreidebörse in Antwerpen oder im Justizpalast zu Brüssel. Aber man spielte eben nur damit. Man nahm den Krieg so wenig ernst als sonst Etwas außer Geld und Liebe. Man konnte sich auch, in diesem durch und durch unmilitärischen Land, gar nichts Rechtes unter einem Krieg vorstellen.