„Meinen Sie wirklich...?“
„Meinen?... Mein bester Geheimrat. Ich bin ein ganz fideler alter Knabe — nicht wahr? Verzehre hier meine Pension mit Anstand, laufe täglich dreimal die Wilhelmstraße ’rauf und ’runter, spiele meinen Whist im Klub — gut! Aber wieviel Nächte ich wach gelegen hab’ und an Deutschland gedacht — das weiß Keiner außer mir, Exzellenz!“
„Das taten Sie wirklich?“
„Nicht ich allein. So mancher von uns Ausgedienten hier! Wir haben uns oft des Morgens sorgenvoll angesehen... Wozu reden?... Der Soldat hält den Rand, — besonders wenn er schon abgehalftert ist. Aber denken kann man sich sein Teil! In den Fingerspitzen tut’s Einen kribbeln. Aus den Tisch hab’ ich gehauen... Immer bei uns Alles in Liebe und Güte, Herr Nachbar... Immer waren wir die sanften Heinriche, während ringsum die ganze Schwefelbande schon dabei war, ihre Donnerbüchsen zu laden...“
„Wenn das wirklich...“
„Soll ich da erst warten, wenn mich im Wald so ein Lausekerl überfällt, bis er mit seiner Knarre schußfertig ist!“ schrie der alte Herr grimmig, unbekümmert, daß ein Haufe vorbeikommender Ausländer ihn mißbilligend anstarrte. „Nee — danke...! Da hole ich meinen Browning aus dem Hosensack und knalle ihm bei Zeiten in den Bauch...“
„Ja. Ein Räuber...“
„Die Russen sind Räuber! Sie überfallen uns! Alle Bahnen bei ihnen sind seit vorgestern voll mit Militärzügen!“
„Wissen Sie das auch?“
„Jawoll! Exzellenz! Wissen wir! Sie wollen Hiebe! Alle zusammen! Können sie haben! Hiebe wie noch nie! Donnerwetter ja...“