„Unterstehen Sie sich, mich anzufassen!“
„Ah ... man wird Euch jetzt noch lange fragen...“
„Sind Sie denn von Sinnen...?“
„Und wenn ich es bin...“
„Karl!... Karl!“
Er warf sich gegen sie und packte mit einem jähen Griff ihre Hände. Sie konnte nicht weiter zurück. Hinter ihr war der Tisch an der Wand. Sie bog sich, soweit sie konnte, nach hinten und kämpfte mit ihm, der blind ihre Lippen suchte. Sie mühte sich, sich seiner Gewalt zu entwinden. Wieder keuchte er, sie an sich zu ziehen. Dicht vor sich sah sie seine grauen Augen, die jetzt wie die eines Raubtiers glühten. Eines asiatischen Raubtiers. Das war schon wie das Vorspiel des großen Kampfes gegen die Horden des Ostens, dies kurze, atemlose Ringen mit einem von Sinnen geratenen Menschen. Dabei lachte er ihr noch ins Gesicht, heiß, herrisch, mit einem blendend weißen Wolfsgebiß. Der Grimm darüber verdoppelte ihre Kräfte. Sie riß sich los und versetzte ihm einen Stoß gegen die Brust und traf blindlings gut. Nicolai von Schjelting taumelte ein paar Schritte zurück, preßte die Hand auf die Herzgrube, rang nach Luft. Sie standen sich gegenüber.
„So! Das war nur die Antwort einer Frau! Unsere Männer haben andere Fäuste!... Karl ... hier!“...
Der Diener stürzte in das Zimmer. Er hörte sie nicht, in seiner atemlosen Meldung:
„Sie trommeln, gnädiges Fräulein! In zwölf Stunden müssen die Russen nachgeben oder...“
„Du lügst, Kerl...“