„Wie kann man das? Ich bin nicht wehrpflichtig — meiner Gesundheit wegen. Man kann mich höchstens ausweisen!“
„Glauben Sie wirklich, daß man so viel Rücksicht nimmt?“
„Wir nicht! Aber Karl Karlowitsch wohl!“
„Der Deutsche?“
„Ja, er ist doch so pedantisch.“
Sie standen unter der Wölbung des Neuhausertors. Unheimlich ragten neben ihm die Trümmer des am Abend vorher der Volkswut gegen die Ausländer zum Opfer gefallenen Kaffeehauses. Drei Stockwerke hoch war alles, bis auf die Mauern, zerschmettert. Selbst die armdicken, gußeisernen Kandelaber davor von einer Riesenfaust krummgebogen. Es war wie der erste rasende, noch blind gegangene und irre geleitete Ausbruch fürchterlicher deutscher Kraft, die noch kein rechtes Ziel gefunden. Der Däne betrachtete es unbehaglich. Dann sagte er:
„Gestatten Sie, daß ich es Ihnen als Freund gestehe: es wird mir etwas unheimlich in Ihrer Nähe... Dies Volk hier... Kann ich Ihnen noch mit Etwas dienen?“
„Da swidanje!“
Zwei Fingerspitzen, die Hutkrempe einen Zoll hoch vom Scheitel. Dann ließ Nicolai Schjelting den Andern stehen. Ihn verabschiedete man nicht. Das tat er selbst. Er sagte sich, während er allein weiterging, verächtlich: Wie soll er nicht Angst haben? Eine Krämerseele... Ein Rubelraffer... Päh! Ein halber Ausländer außerdem...
Aber dann gab er sich mit einem Frösteln zu: Dieser Mensch aus der Antichambre des Finanzministers hat mich angesteckt! Wie ist das?... Man kennt doch die Deutschen!... Man belächelt sie!... Sind sie denn das noch, diese Menschen hier um Einen...? Sonst waren sie ruhig. Friedlich. Übertrieben höflich gegen Ausländer. Man machte unter ihnen, was man wollte. Deutschland war so recht der Ort, um sich gehen zu lassen. Eben hier in Bayern. Nicht umsonst hatte Iswolsky seinen ständigen Sommersitz in Tegernsee, Sonnino in Marquardtstein. Aber jetzt?