Er warf nervös seine Papyros weg. Lieber die Koffer gepackt und davon! Nein: am besten gleich, so, wie man ging und stand! Er hatte auf einmal Angst vor München, vor diesem tosenden, brausenden, erbitterten Bienenschwarm um ihn her. Arbeitsbienen — ja. Aber sie stachen. Besser nach Berlin. Dort war man sicher. Wo man ohnedies bald dort einrückte, wo inzwischen schon der Mann der Straße, dieser aufgeklärte, mit den Zielen der europäischen Demokratie vertraute Mann des Vierten Standes sein Veto gesprochen und den örtlichen Machthabern die Gewalt entwunden hatte...

Er fand sich plötzlich in einem der vollgepfropften Nachtzüge nach Berlin. Auch draußen auf dem Gang stauten sich noch die Menschen. Um ihn herum waren lauter junge Männer. Er antwortete englisch auf ihre Frage, ob er sich bei der zweistündigen Ablösung von Sitzen und Stehen beteiligen wolle. Ein eleganter, junger, mit Schmissen bedeckter Student neben ihm sagte:

„Kinder ... quält nie einen Amerikaner zum Scherz! Der hat ja keinen Schimmer von deutsch! Der Fremdling bleibt sitzen!“

Nicolai Schjelting drückte sich in die Ecke. Er blinzelte nur zwischen den halbgeschlossenen Lidern. Er dachte sich: Ich habe jetzt keine Zunge. Nur Augen und Ohren. Aber die werde ich brauchen. Jetzt werdet Ihr ahnungslosen Deutschen mir Eure geheimsten Gedanken offenbaren... Eure dumpfe Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung...

Unter denen, die hereinkamen und mit den Anderen die Plätze tauschten, war ein blondbärtiger Dreißiger. Er ließ sich hinfallen:

„Donnerwetter ja... Das tut gut!“

„Kommen Sie weither?“

„Es geht! Aus Marokko.“

„Bei der Hitze!“

„Ich hatte als Ingenieur für meine Firma zu tun. Urlaub schon angetreten. Nun komm’ ich grade zurecht. Kolossales Glück!“