„Erklären Sie mir! Wir fahren seit vierzehn Stunden durch halb Deutschland. Warum findet man denn nirgends ein erschrockenes Gesicht? Warum verzagt denn Niemand? Wo sind denn die Kleinmütigen? Hat die Polizei sie eingesperrt? Man sieht sie nicht.“
„Ich schätze: es giebt keine!“ versetzte der Yankee trocken.
Nicolai Schjelting zog wieder, mit einem leichten Schauer, den dicken Mantel fester um die Schultern. Sie hatten einen Bogen um das Ruhr-Kohlengebiet gemacht, durch dessen zusammenhängende Industriedörfer man nach der Versicherung des Chauffeurs nicht vorwärts kam. Nun stand da ein mächtiger Dom mit himmelsuchendem, gothischem Steingerank vor der Abendglut des Westens. In silbernen Lichtern blinkte feierlich der Rhein. Das alte heilige Köln nahm sie auf. Ein schwarzes, stürmisches Menschengewimmel zwischen Bahnhof und Fettenhennen. Heißes rheinisches Leben. In schweren Klängen von oben das Geläute der Domglocken. Nicolai von Schjelting rieb sich die Augen, kam wie aus einem Traum zu sich und sagte tonlos:
„Das versteh’ ich nun schon gar nicht...“
„Was denn?“
„Die Engländer...“
„Welche Engländer?“
„Die englischen Garden. Ihre Schotten. Ihre Rifles. Ihre Lancers. Sie müßten doch längst hier sein... Oder in der Nähe...“
„Es scheint nicht.“
„Niemand erwartet sie hier am Rhein. Niemand fürchtet sich. Was soll nur dies bedeuten?“