Sie umarmten sich und küßten sich nach Moskowiterart rechts und links auf die Wangen. Nicolai von Schjelting dachte dabei: ‚Was er für heiße Backen hat!‘ Dann erriet er den Zusammenhang und sagte sich beim Anblick des brutalen, dicken Kerls: ‚Nun — der Generalissimus sieht sich seine Leute an! Er weiß, wen er prügelt und wen nicht!‘

„‚Er‘sitzt hier in Insterburg und ist damit beschäftigt, Ostpreußen unserem Mütterchen Rußland einzuverleiben!“ sprach die Exzellenz in der schmutzigen weißen Sommeruniform bitter. „Weiter sieht und hört er nichts. Und man hört es doch deutlich genug!“

Jetzt, wo es einen Augenblick still war, grollte dumpf aus weiter, weiter Ferne ein Rollen.

„Ein Gewitter!“ sagte Schjelting zerstreut und fuhr sich nervös mit der Hand über die Augen. „Gut. So bekommt Ihr Wasser. Man erzählte mir, die Wasserleitung hier sei in die Luft geflogen...“

„Ja. Ein Gewitter... Es scheint, es gibt viele Gewitter in diesen Tagen... In Gilgenburg ... in Ortelsburg ... bis Johannisburg hin... Du hörst es von Nikolaiken bis Tapiau, Bruder!... Freilich! Wie sollten es nicht Gewitter sein? Der September ist heiß!“

Ein Flügeladjutant kam sporenklirrend den Gang neben dem Wirtschaftsvorraum entlang. Er war wie aus dem Ei gepellt und legte den Kopf nach Petersburger Art etwas zur Seite, während er lächelnd und, aus Ehrfurcht vor der höchsten Person lispelnd, zu Schjelting sagte:

„Sie haben das Glück, von Seiner Kaiserlichen Hoheit empfangen zu werden!“

„Ich danke, Knjäs!“

„Nun ja... Sie zählen zu den hohen Günstlingen!“ Der General winkte einer Droschke. „He... Fuhrmann ... fahre hier vor!... Mich behandelt man wie einen Dwornik! Aber kommt solch Petersburger Herrchen... Nun — mit Gott!“