„Aber nich zu knapp! Der ganze Steamer ist voll!“

„Aber gegen wen denn?“

„Ich werd ’nen Priem kauen — das geht!... Na ... gegen uns und die Österreicher!“

„Ihre Verbündeten!“

„Na — die Italiener hassen uns doch — nich?“

Das Wort, das immer wiederkam, wie draußen, als der Dampfer längst die hohe See gewonnen hatte, der Wellenschlag an die Schiffswand. Das schwache, eintönige Gefühl des Hin- und Herschwankens im tiefen Dunkel. Haß. Haß. Haß. Haß überall. Haß der Menschen aller Farben und Erdteile, jedes Glaubens und jeder Sprache. Haß, bisher huschend im Dunkeln wie die leise pfeifenden Ratten zu Füßen. Haß, sorgfältig vorbereitet und zur Entscheidung aufbewahrt wie die stummen, todbringenden Kistengebirge um Einen. Giftiger, verpestender, brütender Haß, wie der ekle Gestank des faulenden Grundwassers im Schiffsbauch.

Und in dieser achtundvierzigstündigen Nacht, bis zum ersten Schimmer des Tageslichts von Genua durch die wieder geöffneten Luken, dachte sich Hugo Martius immer wieder und grub es in seine Seele und in seinen Willen ein: Nie ward Menschen ihre Liebe zur Menschheit so gedankt wie uns Deutschen. Nie empfing ein Volk eine so furchtbare Lehre. Ist das wirklich die Menschheit und ihr Sinn, die mit Senegalnegern das Land Luthers und Goethes überfällt, nun, dann sind wir Deutsche zu gut für diese Erde. Dann wollen wir auf ihr nicht weiterleben, aus Ekel an ihr. Aber die Menschheit ist nur krank durch unsere Güte und Schwäche. Die Menschheit muß durch Blut und Feuer an Deutschland genesen. An uns und unserer Faust.

Er dachte es, und sein Herz wurde heiß von heiligem Zorn, und draußen sangen es die wandernden Wellen: ‚Wir haben lang genug geliebt — wir wollen endlich hassen!‘ Und Hugo Martius sah in der Finsternis einen der ehrwürdigen deutschen Dome vor sich, aus deren Giebeln von allen Seiten der böse Feind, in Affen- und Bocksgestalt, als Basilisk und Fledermaus hinausschießt, und sagte sich: So verjagen wir jetzt die unsauberen Geister der Fremde aus unseren Herzen und Häusern, wie einen Spuk dieser Nacht um mich: Deutschland, Deutschland — werde hart!

Der Seemann neben ihm pfiff sich ganz leise eins.