„Nur fort von hier! Nur nach Deutschland zurück! Wenn Du mir eine Liebe tun willst, reisen wir gleich! Wenigstens die paar Stunden bis Lugano! Daß wir nur aus Italien heraus sind!“

Als sie bald darauf reisefertig und auf den Omnibus wartend vor dem Eingang des Gasthofs standen, kam noch einmal, zum Abschied, die alte, deutsche Sehnsucht über sie. Da waren noch die silbergrauen Paläste, da hallte träumerisch der Glockenklang vom Campanile. Im Mondschein glitzerten fern die Wellen der Marina. Die Gondeln Venedigs, die Wolke des Vesuv, die Palmen und Veilchenhaine der Riviera — Rom... Du ewiges Rom...

„Il Corriere della Sera!“ Die heisere Stimme durchschnitt wie mit einem rostigen Messer die Luft. „Neue deutsche Geldpreise für die Tötung belgischer Kinder unter drei Jahren! Die Bewohner der Erde zerfallen in Menschen und in Deutsche! Ein erhabener englischer Dichter sagt es!“

„A l’eau les boches!“ heulte es um die Ecke auf Französisch. Der Schutzmann in der Mitte der Straße hörte es und lachte.

Theophile Martius warf noch einen Blick umher.

„Leb wohl, Du entzaubertes Land!“ sagte sie. „Leb wohl für immer! Wir haben Dich verloren. Aber ich glaube, Du wirst auch selbst bald verloren sein!“

Dann wiederholte sie, langsam und deutlich:

„Ihr spielt palle o santi! Aber Ihr werdet keines von Beiden gewinnen — nicht die Heiligen und nicht die Kugeln — nur Schimpf und Schande!“

„Warum so laut, Phila?“

„Der Ausländer soll es nur hören, der da den Kopf nach mir dreht... Der mit den großen, grauen Augen und dem unruhigen Gesicht, der da mit den beiden Italienern steht... Er kann Deutsch! Man merkt es ihm an!“