Ein pfiffiges, blitzschnelles Lächeln auf den Gesichtern drüben.
„Sie sind im Lande Macchiavells, Signore!... Wie... Sie wollen uns schon verlassen?...“
Nicolai von Schjelting gab dem Zeitungs-Politiker und dem Deputierten nachlässig die Hand.
„Eine Villa und einen Sack Lire kann ein Vater seinen Söhnen hinterlassen. Seine Klugheit nicht immer!“
„Was heißt das, Signore?“
„Das heißt: nichts schlimmer als ein dummer Macchiavell!... Nun ... schlafen Sie wohl!“
Draußen war die laue Sommernacht noch voll von Menschen. Es war kein Murmeln der Menge mehr. Zornige Schreie, heiseres Stimmengewirr, Getümmel. Zwei nächtliche Demonstrationszüge waren aufeinander gestoßen. Der Führer des einen in phantastischem Garibaldi-Aufputz und der aus der Eisenbahnwerkstatt kommende Schlosser an der Spitze des anderen knufften und ohrfeigten sich. Um das rote Hemd und die blaue Bluse herum wogten geschwungene Stöcke, Realschüler schleuderten Steine gegen messerbewehrte junge Arbeiter, Frauen kreischten, eine Gruppe von Priestern stand mißbilligend und kopfschüttelnd als Friedensfreunde auf den roten Granit-Treppen des Domportals. Schjelting hielt es für besser, in sein Hotelzimmer zurückzukehren. Von da sah er durch das offene Fenster auf den wirren Kampf Aller gegen Alle. Aber er hörte nicht den wildzerrissenen Lärm da unten. In seinem Ohr klang wieder die eine ungeheure Stimme jenseits der Alpen, der Ruf des Riesen von Millionen Lippen, die eine Glut in vielen Millionen von Augen, diese furchtbare, selbstvergessene, erdentrückte Ähnlichkeit aller deutschen Menschen miteinander, diese Gleichheit in Allem, was sie dachten, wollten, sagten, taten. Und von ferne scholl es noch immer heiser: Aiuto!... Zu Hilfe!... Gelle Schreie... Schrille Pfiffe...
Und wieder dachte sich Nicolai von Schjelting mit schwerem Herzen: Es fehlt Etwas!... Noch viel mehr als im heiligen Rußland. Wenn irgendwo, fehlt hier in diesem Land des heiligen Egoismus der heilige Geist...
Dann eine neue Hoffnung: Bald bin ich in Paris. Im Herzen Frankreichs. Dies Herz schlägt stark und kühn. An seinem Mut werden wir Alle uns beleben...