„Sind Sie dessen sicher?“

„Ich denke britisch, Sir!... Haben Sie von dem köstlichen Gymkhana des Malva Bhil-Corps gelesen, Macdonald?... Hier... Unter den indischen Neuigkeiten...“

Und Nicolai Schjelting dachte sich: dieser vertrocknete, alte Junggeselle gehört nicht zu Europa, hat nie dazu gehört. Er ist mit achtzehn Jahren nach Indien gegangen, hat seine Zeit dort abgedient, gegen Afghanen, Aschanti, Boxer, Mahdisten gefochten. Er ist mit seinem engen Kopf auf der ganzen Erdkugel zu Hause. Ihn beschäftigen die Fragen des Stillen Oceans, Süd-Afrikas, des Panama-Kanals. Europa kennt er nur von einem gelegentlichen Aufenthalt in der Schweiz. Europa ist ihm ein staubiger, altmodischer Winkel. Ein unbeträchtliches Ding. Man betritt die Rumpelkammer nur gelegentlich, um die Ratten zu scheuchen, damit sie Einen draußen nicht stören... Ein kurzer Lärm. Nicht der Rede wert...

Dieser Anglo-Inder schien vor Schjeltings Augen plötzlich hundertfach in den Klubsesseln zu sitzen, durch Mayfair zu promenieren, er verwandelte sich in jeden zweiten Menschen in London und im Vereinigten Königreich, er war der Geist dieser Inseln selbst. Nicolai von Schjelting verließ schweigend den Klub. Er zitterte, während ihm der Diener in den Mantel half, er sagte sich in einer grauenerfüllten Ungeduld: Es muß Etwas geschehen! Man muß sie aufschrecken! Sie dämmern in ihrem Dünkel. Der Weltbrand vor ihren Toren ist für sie ein Kolonial-Krieg — einmal ein wenig näher, einmal ferner... Sie kommen zu spät zur Erkenntnis ... sie kommen für uns zu spät...

Zu spät... Es war Freitag Abend. Wo er vorfuhr, waren Würdenträger und Machthaber schon zum langen Wochenende hinaus aufs Land. Bis Dienstag früh stockten jetzt alle Geschäfte. Stand die Welt still... Auch Sir Higgins, der Pressekönig, war nicht mehr in seinem Zeitungs-Palast in Oxford Street zu treffen. Er hatte, als leidenschaftlicher Yacht-Mann, seinen Ruheplatz auf der Seeseite des Ostens, zwischen Felixstowe und Harwich, dicht am Meer.

Es war das alte, englische Bild. Ganz England setzte sich aus fünfzehn oder zwanzig solcher Bilder zusammen. Eine ehemalige, zum Herrensitz umgewandelte Abtei, vor der man im Park, wenn der Mond aus den zerrissenen, über die nahe See jagenden Wolken heraustrat, das zahme Damwild auf breiten Wiesenflächen äsen sah, grüne Efeuteppiche über die verwitterten grauen Mönchsmauern und drinnen, im grellen Gegensatz des britischen Lebens von Zopfigkeit und up to date, die glänzendhelle Dinnertafel, die weißen Frackwesten und Hemdeinsätze der Gentlemen, die weißen Schultern der Ladies, lächelnde Gesichter, heitere Stimmen, Orchideensträuße, altes Silber. Man sprach lachend, im frischen Frohsinn des Sports vom Segelwetter morgen. Es war das Erste, was Nicolai von Schjelting hörte, als er am Tische Platz nahm. Er war zu spät angekommen und hatte sich erst umkleiden müssen.

„Rauhes Wetter in Sicht...“

„Umso besser!“

„Lord Pierrepont ging heute Abend in See!“