„Munitions-Kolonnen, Euer Hochwohlgeboren!“
Und immer weiter dies sonderbare Wandern der Schatten, dies geheimnisvolle Stampfen und Waten und Murmeln der Nacht, dies Vorübergleiten von Umrissen, die der Tag nicht kannte, diese Kälte, die immer schneidender durch die Hüllen drang und die die da draußen nicht zu spüren schienen. Es war etwas Seelenloses und Körperloses in ihrem unbestimmten Geisterzug nach vorn, etwas von einer blinden Naturgewalt, als flögen Wolken am Himmel dahin, lösten sich beim Morgengrauen, schwänden. Und jener einsame Offizier da am Grabenrand würde im Tageslicht zum Weidenstumpf und jene Massen von Menschen dort auf dem Feld zum Binsenröhricht und diese Reitergruppe mit dem Blinken der elektrischen Laterne auf der Generalstabskarte zu einem Granitblock am Weg.
Unheimlich war das... Besser der Tag als die Nacht. Aber der Unteroffizier auf dem Bock drehte sich um und sagte:
„Die Nacht ist gut! Niemand schießt. Man kommt leicht nach vorn...“
Und Schjelting dachte sich: ‚Wer bist Du eigentlich da oben, der meine Gedanken errät?... Du hast so eine sonderbare Stimme...‘
Der Schlitten hielt an. Denn nun kam ihm auch von links ein Zug von Planwagen entgegen. Sie fuhren ganz langsam. Ihre Laternen schaukelten.
„Was ist in den Karren, Unteroffizier?“
„Verwundete, Euer Hochwohlgeboren!“
Hundert Karren ... zweihundert ... dreihundert... Schjelting sagte sich: Still seid Ihr da drinnen ... seltsam still...
Weiter ... weiter... Im Lichtstreifen der Laterne Grabkreuze auf den Feldern. Immer mehr und mehr. Rehwild huschte zwischen den verwitterten Pickelhauben, den vergilbten Tannenkränzen auf den Russengräbern. Jetzt ganze Reihen da, wo man die Gefallenen früherer Kämpfe in zugeschütteten Schützengräben beerdigt hatte. Die ganze Leere umher schien auf einmal ein weiter Kirchhof. Die Straße war öde geworden. Nur ein Licht. Ein Leiterwagen wankte heran. Vorn, auf dem Stroh, ein Pope und eine Frauengestalt. Dahinter ein Sarg. Auf ihm ein Säbel und eine russische Generalsmütze. Vorbei. Der Schlitten schwenkte plötzlich wie erschrocken von der Hauptstraße ab und glitt seitwärts auf einen schmalen Weg in den Tannenwald hinein. Nun war es stockdunkel. Kein Laut umher. Dann ein Ruck. Ein Halt.