Und Schjelting sagte sich:... ‚Der Krieg..! In Petersburg ... in den Salons meiner Freundinnen ... hatten wir ihn seit Jahren auf den Lippen... c’est ma guerre... der Krieg... Das war der Einzug in Berlin ... Mütterchen Moskau in Fahnenpracht... Glockenklang von der Isaak-Kathedrale... Das waren Orden ... Gelder ... Exzellenzentitel... Nun ist dies hier der Krieg ... dieses unbestimmte Schwarz ... diese Grabkreuze ... diese weite Leere ... diese furchtbare, erwartungsvolle Stille wie vor etwas Ungeheurem ... dieser Mann da mit den niedergebrochenen Nerven...‘ Er mußte sich zusammennehmen, um einen Schauer zu unterdrücken.
„Nun denn ... ich gehe...“
„Mit Gott!“
Der Unteroffizier schritt im Finstern voraus, schwer, bärtig, im Pelz, aufrecht wie ein Bär durch den Schnee. Schjelting folgte ihm. Er sagte sich: Wir führen Rußland nicht mehr! Ich folge diesem Stück russischer Erde da vor mir, die wir aufstehen und wandeln hießen, — folge ihr in das dunkle Land vor mir hinein...
Ein Aufstöhnen des Winterwinds. Er hielt die Pelzärmel schützend vor Mund und Nase. Ihm wurde beinahe übel. Das war wieder der belgische Geruch...
„Unteroffizier ... liegen hier irgendwo Leichen?“
„Überall, Euer Hochwohlgeboren!“
„Warum bergt Ihr sie nicht?“
„Man findet sie nicht im Wald und Schnee, Euer Hochwohlgeboren...“