De Massa ... de Massa ... ein langer, hagerer Südländer, der wie ein ausgedienter Fechtmeister aussah... Richtig: einer der Vertrauensmänner, die aus französischem Gold italienische Druckerschwärze machten! Manches blieb auf dem Weg nach Rom und Mailand hängen. Che volete? La mancia, Signore! Gesindel! dachte sich Schjelting. Wolkoff, dieser Schwachkopf, hat recht. Sie mästen sich wie die Schweine. Und er wandte sich, liebenswürdig lächelnd, zu dem feurigen, wohlbeleibten, rosig rasierten und pechschwarz gefärbten Gastgeber:

„Entzückend bei Ihnen, Monsieur Macrî! Wir armen Nordländer sind hier im Land der Sehnsucht. Nur in Paris weiß man zu leben!“

Er saß zur Linken der Hausfrau. Die frühverblühte, diamantenübersäte Griechin lebte auf, wurde warm und jung bei seinen lässig hingeworfenen Histörchen aus der hohen Petersburger Welt. Oh — sie liebte dies edelmütige Rußland! Sie war nie dort gewesen. Aber wie bewunderungswürdig dies Volk, wie groß und gut der Zar! Rings herum sprach man von Boulevard-Klatsch und Geschäften. Es gab nur Zweierlei: Geld verdienen und es ausgeben. Die hier saßen, verdienten alle an Rußland. Verdienten an den Emissionen der ewigen Anleihen, verdienten an den Kursen, verdienten an den Eisenbahnen, verdienten am Wechseldiskont, verdienten an den Maschinenlieferungen und der Getreideausfuhr. Es war ein Schmatzen und Schlürfen die Tafel entlang, wie von gutgenährten Tieren. Ihretwegen mochte es immer so bleiben! Schjelting dachte an das Militär-Kasino an der Ecke der Opéra-Avenue. Dort harrte die „Große Stumme“, harrte die Armee des großen Tags. Aber diese Machthaber der Republik, diese Bourgeois, diese Jobber und Geschäftspolitiker, gaben sicher dazu niemals das Zeichen. Gegen Ende des Mahls sagte er plötzlich in seiner natürlichsten Art, einem kühlen Dünkel:

„Einmal muß es ein Ende nehmen!“

„Mit diesem Menü? Ich stimme bei! Das Haus Macrî verwöhnt seine Gäste!“

„Sie nennen es Geschäfte! Unser Bauer nennt es Hunger. Er erntet den Weizen. Das Brot ißt der Westen. Ihr kleiner Rentner in Frankreich hat die Arbeitskraft unseres Muschik gepachtet.“

„Ah, mein teurer Monsieur de Schjelting! Gold gegen Korn. Beides ist gelb!“

„Und wenn wir mit Beidem nicht mehr zahlen können?“

„Um Gotteswillen erschrecken Sie uns nicht!“

„Keine Angst, dann zahlt ein Dritter!“