Inge Tillesen durchschritt die kurze Strecke bis zu dem Haus ihres Vaters. Dort stellte er sich zwischen sie und das Gittertor des Gartens.
„Ich will doch sehen, ob Sie an mir vorbeikommen!... Inge: Sie finden nie wieder einen Mann, der Sie zugleich so kennt und so liebt wie ich!... Und wenn’s anfangs eine Ehe mit Blitz und Donnerwetter giebt — na schön! Was sich liebt, das neckt sich! Wir sind Beide nicht von Pappe! Wir halten schon einen Puff aus!“
Inge Tillesen öffnete das Tor. Es klirrte zu. Sie stand drüben im Garten, durch das Gitter von ihm getrennt. Ein Schweigen.
„Gut, Inge — das ist auch eine Antwort. Also ich gehe. Ich lasse uns Beiden noch die letzte Möglichkeit: Ich bleibe bis morgen Mittag hier bei meinen Eltern. Überlegen Sie es sich bis dahin, ob Sie mir noch Etwas zu sagen haben!“
Ingeborg Tillesen trat in das Haus und ging in ihr Zimmer. Sie saß stumm, die Hände im Schoß. Ihr gegenüber an der Wand stand der schöne alte lübische Patrizierschrank. Auf dem Sims die Inschrift: „de Klock — de sleiht — de Tied, de geiht! — Ni so veel Quark — Frisch Hand an’t Wark.“
Die Stunde geht — die Zeit verweht. Sie dachte sich: Nun ist’s vorbei... Eigentlich sollte ich froh sein... Aber ihr war nicht leicht ums Herz...
Dann kam ihre Schwester, Hannah Higgins, herein, eine kleine, frische, rosige Frau, um ihr einen Brief ihrer zwei in Oxford zurückgelassenen Jungen zu zeigen. Natürlich Englisch. Das „Fräulein“ hatte ihn für den Acht- und Neunjährigen entworfen. Die Beiden waren in der Kirche gewesen. Sie hatten einem Cricket-Match der Eton-Knaben beigewohnt und guten Sport gesehen. Der ehrenwerte Talbot von Christ Church College, dritter Mann des siegreichen Oxford-Boots im großen Themserennen gegen Cambridge, hatte vorgestern ihnen Beiden in St. Giles Street die Hand gegeben. Sie waren rot vor Stolz geworden.
„Sind sie denn immer noch so ungezogen?“ frug Inge zerstreut.
„Bill und Bob? Das sind kleine Gentlemen!“