„Eccellenza!“
Professor Giovanelli aus Bologna warf sich in die Brust. Die Sprache Dantes rollte von seinen schwarzumbuschten Lippen. Seine Augen funkelten. Inge Tillesen setzte sich. Sie dachte: Jeder sagt dasselbe, nur mit einer andern Zunge. Jetzt wieder Professor Burchardt aus der Schweiz in einem rauhen und markigen Allemannisch...
„Guten Abend, mein Fräulein!“
Das klang in russisch gefärbtem Deutsch. Vor ihr war ein längliches, unruhiges und kluges Gesicht mit kühlen grauen Augen und dunkelblondem Schnurrbart. Eine vornehm-hagere Gestalt, den Kopf nach Slawenart lächelnd ein wenig zur Seite geneigt. Erst wußte sie nicht, wo sie ihn hintun sollte. Dann fiel ihr ein: Gott — das ist ja dieser Mensch aus Moskau! Und zugleich stellte er sich selbst vor: „von Schjelting!“
Dabei nahm er, ohne eine Aufforderung abzuwarten, neben ihr Platz. Sie rückte unwillkürlich ein wenig von ihm ab und sagte sich:... ‚mein Fräulein...‘ — wahrscheinlich sparte er sich das ‚gnädige Fräulein‘ für den Gothaer Almanach auf! Der Dünkel leuchtete ihm aus allen Poren, trotz seiner liebenswürdigen, weichen Art. Dabei — komisch: Eine gewisse Unsicherheit in den Augen. Die entging ihr nicht.
„Ich habe Sie heute Nachmittag schon einmal gesehen, Fräulein Tillesen! Sie standen vor Ihrem Haus, mit einem Offizier!“
Die Stunde geht ... die Zeit verweht... Einmal ist es zu spät!... Dann dachte sie sich: Nein! — Er reist ja erst morgen Mittag ab!
„Die Welt ist doch klein: Zufällig sah ich denselben Herrn vor einiger Zeit schon einmal in Belgien. Ich habe ihn sofort wieder erkannt.“
Dabei zuckte es nervös auf seinen Zügen. Er wandte plötzlich den Kopf und sah sie starr an.