„Nein. Aus Belgien!“ sagte er hastig. „Wahrscheinlich reise ich von hier nach Montenegro.“

Seine Augen gingen unstät im Kreis. Er war plötzlich irgendwo anders mit seinen Gedanken. Dann kam er zu sich und schlug lächelnd die Fingerspitzen aneinander. Sein Landsmann Smoljanoff hatte seine Rede mit einem Hoch auf die deutsche Wissenschaft geschlossen. Nicolai Schjelting frug:

„Wer ist denn der schlanke, blonde Herr, der jetzt das Wort ergreift?“

„Ein Schwede. Professor Solander aus Upsala!“

„Er kann vorzüglich Deutsch!“

„Er war jahrelang Assistent meines Vaters, ebenso wie mein Schwager Higgins. Der Japaner auch, der nach ihm kommt!“

Der Asiate im Frack sah winzig neben dem langen Skandinavier aus. Inge Tillesen sagte sich: Was soll ich den ganzen Abend neben dem Russen sitzen? Sie stand plötzlich auf und überließ ihn, der sie verblüfft ansah, sich selbst. Drüben, auf der anderen Seite des Saales, war um sie ein Sprachengewirr des Turmbaus von Babel. Dann eine Stille. Professor Schefik Bey, der bebrillte Osmane vom großen Militärhospital in Stambul, pries in einem reinen und guten Deutsch als einstiger Jünger der Ruperto-Carola und Georgia-Augusta vor diesen Männern vom Fuß des Fusyama und der Pyramiden, vom Goldenen Horn und Goldenen Thor die deutsche Wissenschaft.

Dann kam Professor Higgins aus Oxford, Hannah Tillesens Mann. Er sah mit der goldenen Brille über den bartlosen, schwammigen Zügen wie ein gelehrter Chinese aus. Er blinzelte gleich schalkhaft über sein bartloses Gesicht. Er sprach mit trockenem Witz wie ein englischer Klubredner. Er gestand es gleich zu Anfang: Er konnte doch nicht seinem Schwiegervater Komplimente machen! Nein: Vorwürfe! In der Tat: Man war ernstlich besorgt. Keine Frage war geeigneter, einen Mann schlaflos zu machen, als diese: Was würde denn schließlich aus der Menschheit, wenn man ihr das Sterben ganz abgewöhnte — durch die deutschen Gelehrten. ‚And his Excellency, my father in law‘, an der Spitze! Sein näselndes und bekümmertes Halb-Deutsch und Halb-Englisch klang so komisch und zugleich so ungewollt freimütig und herzlich, daß Alles lachte und klatschte. Halblaut sagte seine Frau zu ihrer Schwester Inge:

„Dabei haßt er Deutschland wie die Sünde!“

„Was, Hannah...“