„Ja, neuerdings! Früher mißachtete er es nur und riß bösartige Witze über uns! Bob und Bill plappern sie ihm ja schon nach. Aber jetzt hat er unter dem Einfluß seines Bruders, des großen Sir William Higgins, auf Euch eine kalte Wut!“

„Und da schämt er sich nicht, hier so zu reden?“

„Ach, Inge — Du kennst das People noch lange nicht!“

„Aber Lügen ist doch kein Gesellschaftsspiel!“

„Nein, Schatz: bei uns drüben eine Kunst. Ein höchst ernsthaftes Ding. Eine Gemütsakrobatik, im gegebenen Augenblick erst sich zu belügen und dann seinen Nächsten!“

„Darüber lachst Du auch noch, Hannah?“

„Weißt Du: wenn ich drüben einmal nicht mehr lachen kann, dann werd’ ich verrückt.“

De Klock — de sleiht — de Tied, — de geiht... Plötzlich klang es wieder wie die Warnung Isebrinks: Wir sind von Feinden umgeben! Dabei überall frohe Gesichter, freundliche Worte in fremden Sprachen. Diener gingen umher und boten ehrwürdigen Edelwein in geschliffenen Römern. Deutschland verschwendete seinen goldenen Überfluß vom Rhein. Ringsum ein Schmatzen, Schlürfen, Lachen. Es übertönte fast das sonderbare, das ‚l‘ und ‚r‘ verwechselnde Englisch Li’s, des Mandarinen, der die Grüße Pekings überbrachte. Auf einmal stand Nicolai Schjelting wieder neben Inge. Er tat, als bemerkte er ihre etwas befremdete Zurückhaltung nicht, oder übersah sie wirklich in einer inneren Erregung, die immer wieder zuckend über sein Gesicht lief. Dabei bewahrte er doch sein gewohntes hochmütiges und gewinnendes Lächeln.

„Deutschland hat zwei Gesichter!“ sagte er. „Hier ist der preußische Janustempel geschlossen. Hier ist das Reich der Geister, das wir seit Jahrhunderten kennen und schätzen!“

Sie schwieg. Er fuhr fort, im lässigen Ton eines Mannes, der gewohnt ist, sich zu hören: