„Weimar... Bayreuth... Wissen Sie, was für mich eine der geweihtesten Stätten ist: der kleine, rote Sandsteinbau hinter dem Wredeplatz in Heidelberg, wo Bunsen und Kirchhoff die Spektral-Analyse entdeckten! Das sind die wahren Welteroberungen des germanischen Genius: durch den Weltenraum!“

Er war offenbar bemüht, ihr, der Tochter dieses Gelehrtenhauses, etwas Verbindliches zu sagen. Dabei war für sie immer ein Klang von Herablassung in seinem harten Deutsch. Ein Wink an das Volk der Dichter und Denker: die Erde ist vergeben! Mond und Sterne sind für Euer Fernrohr frei!

„Die Macht des Gedankens!“ sagte er mit seinem lächelnden Blick über die festlich bewegte Menge aller Völker und Zonen. „Ich liebe dies Deutschland. Alles, was bei Ihnen alt ist: die Burgen am Rhein ... den Kölner Dom ... die Loreley ... die Romantik... Ah — diese Höhenluft tut wohl! Ich wünschte nur einmal die Feinde Deutschlands hier herbei, damit sie erkennen, daß Deutschland nicht bloß an Krieg und Welteroberung denkt!“

„Wir?... Kein Mensch bei uns!“

Nicolai Schjelting lächelte.

„Die deutsche Disziplin ist bewundernswürdig. Das Geheimnis der Massenorganisation. Jeder will es. Aber Keiner giebt es zu.“

„Ich glaube, Sie träumen...“

„Wissen Sie, daß Sie darin den Japanern ähnlich sind? Ah — ce Grec-là.“ In dem Stirnrunzeln gegen den in schallendem Französisch seine Ansprache haltenden Professor Aristides Papadopoulo von der Hochschule in Athen lag die Verachtung des russischen Beschützers gegen das slawische Völkergemengsel auf dem Balkan. „Aber es hilft Ihnen nichts, Fräulein Tillesen. Jedes Kind auf der Erde weiß, daß Bismarck noch lebt!“

„Natürlich lebt er in uns!“

„... und daß sich Deutschland über kurz oder lang für Bismarck oder für Goethe entscheiden muß. Beides zugleich kann man nicht sein. Les esprits se rencontrent. Nun — unter diesem Dach sind wir auf Goethes Spuren!“