Aber der Malagasche schien von der Aussicht auf das angekündigte Schauspiel keineswegs erbaut; vielmehr schwang er sich mit einem raschen Satz auf den nächsten Tamarindenbaum, dessen starke, dichtsitzende Äste ihm diese Flucht ungemein erleichterten, und zog dann zum geheimen Verdruß des Doktors ein Amulett — bei den Malagaschen Fanfuti — hervor, das er zwischen den Fingern hielt und wiederholt küßte.

„Was treibst du da, Junge?“ fragte ärgerlich der alte Herr.

Rua-Roa sah verlegen von einem zum andern. „Ich bitte den Feuerriesen um seinen Schutz, Herr. Tenn-Tenn herrscht über alles, was von der Flamme stammt.“

„Gib mir das Ding, welches du da in der Hand trägst, Rua-Roa.“

Der Malagasche trennte sich offenbar nur äußerst ungern von seinem Amulett, aber er wagte keinen Ungehorsam, sondern gab es zögernd hin — eine kleine starkriechende Wurzel und ein Bambusrohr, das einen beschriebenen Pergamentstreifen barg. „Der Feuerriese Tenn-Tenn wird dich töten, wenn du es vernichtest, Herr,“ sagte er ängstlich.

[S. 162.]

Eberjagd auf Madagaskar.
„Das wütende Tier mit seinem plumpen schwarzen Kopf und den am Halse befindlichen Auswüchsen stürzte sich blindlings gegen die Stelle, wo vier Büchsenkugeln seiner harrten ...“

Dem alten Theologen blieb zur Antwort keine Zeit. Aus den Gebüschen brach ein mächtiger Eber, dem zwei Bachen mit einem Rudel jüngeren Nachwuchses folgten; das wütende Tier mit seinem plumpen schwarzen Kopf und den am Halse befindlichen Auswüchsen stürzte sich blindlings gegen die Stelle, wo vier Büchsenkugeln seiner harrten, die Stoßzähne wühlten den Boden auf, die kleinen Schweinsaugen funkelten vor Kampflust; es kam, unbekannt mit der Wirkung der Feuerwaffen (die auf Madagaskar zur Jagd nicht verwandt werden) ganz nahe heran und senkte zum heftigen Angriff den Kopf — da krachten die Büchsen; unter den übrigen Tieren entstand eine wilde Flucht, und der Eber wälzte sich in seinem Blute. Schon wollte Franz vorspringen, um ihm mit dem Messer den Garaus zu machen; da klang es plötzlich in einiger Entfernung wie das schmerzliche Wimmern einer Menschenstimme. Gedehnte, ächzende und schluchzende Laute erfüllten die Luft, Todesröcheln mischte sich schaurig in leises Weinen. — —

Die Weißen standen regungslos vor Schreck. Sie sahen nicht wie sich der erlegte Eber im letzten Kampfe wand, wie mehrere der schwarzen Jäger, halbnackt, mit den langen eisenbeschlagenen Sagaien bewaffnet, durch die Büsche lugten und beim Anblick der Europäer schleunigst das Weite suchten, — nur ein entsetzlicher Gedanke erfüllte ihre Herzen: war einer von den Sakalawas durch ihre Kugel getroffen worden?